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Grand Prix von Belgien

Leclerc erobert dritte Poleposition

Überlegene Bestzeit für Charles Leclerc im Qualifying für den Großen Preis von Belgien, Sebastian Vettel auf Platz zwei, dahinter Hamilton und Bottas.

Zum ersten Mal seit dem Grand Prix von Bahrain vor fünf Monaten hat sich Ferrari im Qualifying in Spa-Francorchamps die erste Startreihe gesichert. Charles Leclerc gewann den Pole-Showdown in den sonnigen Ardennen mit einer Bestzeit von 1:42.519 Minuten und verwies seinen Teamkollegen Sebastian Vettel um 0,748 Sekunden auf den zweiten Platz.

Für Ferrari ist es die erste Pole-Position beim Grand Prix von Belgien seit Kimi Räikkönen im Jahr 2007. Schon in den Freien Trainings hatte sich abgezeichnet, dass es Mercedes schwer haben würde, in die erste Reihe zu fahren. Und das bestätigte sich dann auch. Dem ersten Verfolger Lewis Hamilton fehlten am Ende 0,763 Sekunden auf die Spitze.

Ein Schlüssel zu Leclercs Erfolg war seine Kaltschnäuzigkeit: Während sich die beiden Mercedes-Stars beinahe dabei ins Auto gefahren wären, sich richtig zu positionieren, ließ der Monegasse sein Team wissen, dass ihm die "Track-Position" völlig egal ist und er lieber darauf achtet, seine Reifen ins richtige Temperaturfenster zu bringen.

Das hat gut geklappt: "Der erste Sektor war nicht genau so, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Aber ab der zweiten Kurve waren wir sehr stark." Der Blick auf die Sektorenzeiten bestätigt: Bei der Zwischenzeit nach Eau Rouge hatte Vettel noch 0,007 Sekunden Vorsprung. Danach waren es kleine, aber entscheidende Fahrfehler, die den Unterschied machten.

Vettel hatte schon seine erste Q1-Runde verpatzt und lag daher zunächst an dritter Stelle hinter Leclerc und Hamilton. Dann unterlief ihm im zweiten Versuch erst ein Fehler ausgangs Stavelot, "der ihm wegen des fehlenden Schwungs die nächsten zwei Kilometer wehgetan hat", analysiert 'Sky'-Experte Martin Brundle. Und dann verbremste sich Vettel auch noch in der Bus-Stop-Schikane.

Für den Deutschen hatte die alles entscheidende Runde schon schlecht begonnen, weil er im Kampf um die "Track-Position" schlecht ausstieg. "What a mess!", schimpfte er nach seiner zweiten Q2-Runde und spielte damit auf den Verkehr in der Out-Lap an. "Das hat nicht geholfen. Soll aber keine Ausrede sein", sagt er mit etwas Abstand.

Trotz seiner Fehler ging Vettel noch an Hamilton vorbei, um 0,015 Sekunden. Hamilton ließ im zweiten Sektor, sonst seine Stärke, Zeit liegen. "Der Windschatten ist hier wichtig. Aber heute sind wir uns selbst auf die Zehen gestiegen", ärgert sich Mercedes-Teamchef Toto Wolff. "Wir wollten es besonders gut machen. Stattdessen haben wir uns zum Trottel gemacht."

Hamilton bezeichnete es am Boxenfunk als "lächerlich", als er im ersten Q1-Run hinter Bottas im Windschatten lauerte. Doch weil Bottas seinerseits hinter Nico Hülkenberg zuwartete, wäre es beinahe zu einem Auffahrunfall gekommen. "Spa ist eine Strecke, auf der keiner Erster sein will", erklärt Bottas die kuriose Situation.

Hamilton: Platz drei nach Trainingsunfall eine Erleichterung

Für Hamilton ist der dritte Platz letztendlich aber eine Erleichterung. Nach seinem Crash in der Fagnes-Kurve im Abschlusstraining hätte er das Qualifying um ein Haar verpasst. Der Motorschaden von Robert Kubica (20./Williams) in Q1 war sein Glück: Durch die Unterbrechung gewannen die Mechaniker ein paar Minuten mehr Zeit, das Auto zu reparieren.

Hinter den beiden Mercedes-Fahrern wurde "Lokalmatador" Max Verstappen Fünfter. Dabei war Q1 eine echte Zitterpartie für ihn, als er mit stotterndem Motor sechs Minuten vor Schluss in die Garage geschoben wurde. "Wir hatten immer dann Probleme, wenn wir die Einstellungen für das Qualifying fahren wollten. Sonst hätten wir mit Mercedes kämpfen können", ist Verstappen überzeugt.

Am Ende fehlten drei Zehntelsekunden auf Bottas; aber nach hinten hatte er sechs Zehntelsekunden Luft auf Daniel Ricciardo. Der gewann das Renault-interne Duell seinerseits um drei Zehntelsekunden gegen Hülkenberg. Letzterer hatte seine erste Q3-Runde abgebrochen und wirkte insgesamt weniger souverän als sein Teamkollege. Am Ende gelang ihm aber eine ordentliche Runde.

"Mit diesen Problemen Siebter zu werden, ist gar nicht so schlecht", findet Hülkenberg. "Bei Daniel lief's an diesem Wochenende von der ersten Runde an gut. Ganz anders als bei mir." Sein Hauptproblem sei die schlechte Balance gewesen, schon in den Freien Trainings: "Ich fühle mich im Auto nicht wohl."

In der Startaufstellung müssen die beiden Renault-Fahrer wegen Motorwechsels um fünf Positionen nach hinten, obwohl sie nach dem Freitagseinsatz der Spec C wieder auf die Spec B zurückgegangen sind (genau wie McLaren-Fahrer Carlos Sainz, der in Q1 als 17. ausgeschieden ist). Grid-Strafen gibt's auch für Lance Stroll (13./Racing Point) und Daniil Kwjat (18./Toro Rosso).

Und für Alexander Albon, den Neuzugang bei Red Bull. Albon richtete sein Wochenende vom ersten Training an konsequent auf das Rennen auf, im Wissen, dass er ohnehin eine Grid-Strafe kassieren würde. Und so stieg er in Q2 schon nach einer Runde aus, ohne sich groß um einen Top-10-Einzug zu bemühen. Letztendlich belegte er Rang 14.

Interessant: Nach Sergio Perez (9./Racing Point) am Freitag hat es mit Kubica am Samstag einen weiteren neuen Mercedes-Motor zerrissen. Damit sind zwei der sechs Triebwerke hinüber. Auch einer der vier neuen Ferrari-Motoren (Antonio Giovinazzi) ist im Qualifying verraucht. Das Ferrari-Werksteam setzt den neuen Motor aber im Gegensatz zu Alfa Romeo und Haas erst in Monza ein.

Was den Rennspeed betrifft, geht die Scuderia nicht davon aus, so dominant zu sein wie im Qualifying: "Daran müssen wir arbeiten", räumt Leclerc ein. "Aber in Anbetracht unseres heutigen Speeds bin ich mir sicher, dass wir stark sein werden." Zumal es am Sonntag etwas abkühlen sollte. "Für uns sicher nicht schlecht", vermutet Teamchef Mattia Binotto.

Aber bei Mercedes gibt man sich keineswegs geschlagen: "Ich glaube, wir fahren im Rennen um den Sieg", meint Bottas. "In den Longruns haben wir sehr gut ausgesehen. Allerdings ist Ferrari auf den Geraden brutal stark."

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