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BMW C 400 X - Roller im ersten Test BMW C 400 X 2018

Urbanes Spaßmobil

Wir testen den neuen Mittelklasse-Roller BMW C 400 X auf Herz, Nieren und seine Qualitäten als wendiges City-Mobil für täglich nötige Fahrten.

Ralf Schütze/mid

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Wenn die Fahrt durch den Mailänder Berufsverkehr von A nach B mit dem Auto mindestens eine Dreiviertelstunde dauert, dann ist es mit dem Roller eine knappe halbe Stunde. Wenn es nicht gerade in Strömen regnet, fällt da die Wahl des Verkehrsmittels extrem leicht.

Solchen und ähnlichen Voraussetzungen in anderen Metropolen will BMW mehr als bisher Rechnung tragen. Der neue Mittelklasseroller C 400 X ist in Deutschland ab 6.800 Euro zu haben (Österreich-Preis folgt) - und kommt somit für ungleich mehr Menschen in Frage als der mindestens 11.800 Euro teure Großroller BMW C 650.

Mit der neuen Scooter-Mittelklasse bekommt der Zweiradfahrer ein unkompliziert zu fahrendes Gerät, dessen 34 PS Leistung und 35 Nm Drehmoment die nur 204 kg Ballast in der Winzigkeit von 3,1 s aus dem Stand auf 50 km/h katapultierten. So ungewöhnlich diese Angabe auch sein mag: Sie macht dennoch deutlich, wie flott man mit dem wieselflinken Roller unterwegs ist.

Die moderne urbane Mobilität auf dem BMW C 400 X wird perfekt, wenn man sich für 600 Euro Aufpreis das Connectivity-System gönnt. Ein von den BMW-Bikes entlehnter, stolze 6,5 Zoll großer TFT-Bildschirm zeigt neben klassischen Infos zusätzlich an, was man alles in Fahrt machen kann: Navigieren, Telefonieren und sogar die Lieblingsmusik hören. Als Quelle all dieser Funktionen dient das eigene Smartphone, das gleichzeitig im rechten Staufach des Scooters sicher aufbewahrt ist und über USB-Anschluss geladen wird.

Perfekte Connectivity stellt das Dreieck Roller, Smartphone, Helm dar, wenn man über Bluetooth-Verbindung im Kopfschutz Infos oder Musik hört oder beim Telefonieren in Fahrt ins Helm-Mikro spricht. Die Bedienung all dessen erscheint wirklich sicher, denn der große Bildschirm zeigt auch bei starker Sonneneinstrahlung alle individuell konfigurierbaren Infos deutlich an, und Kommandos erfolgen vom linken Lenkergriff aus. Navi-Anweisungen werden nur in Pfeilform angezeigt, um den Scooter-Piloten nicht abzulenken. Damit erfolgte unsere Testfahrt drei Stunden durch und rund um Mailand ohne Irreführung oder Ablenkung - absolut perfekt.

Der vorhandene Fahrspaß wird von der digitalen Connectivity also praxisgerecht und sicher begleitet und nicht etwa getrübt. Dass der analoge Fahrspaß an sich sehr hoch ist, dafür sorgen Synergien, die BMW zwischen seinen Rollern und seinen Motorrädern nutzt. Produktmanager Peter Meier: "Wie schon bei den Großrollern haben wir auch hier unsere Basiskenntnis Motorrad auf einen Scooter übertragen. Wir sind zum Beispiel nah dran, was die Rückmeldung vom Vorderrad betrifft, oder die fahraktive, nach vorne orientierte Sitzposition."

Stimmt beides, denn beim flinken Gewusel durch die urbanen Kurven und Kreuzungen Mailands fiel uns auf: Der C 400 X lenkt präzise dorthin, wo man ihn haben will, das Fahrwerk geht souverän sowohl mit Wellen als auch mit kurzen Stößen um, und das Vorderrad glänzt tatsächlich mit klarer Info über den jeweiligen Fahrzustand.

Überraschend: Unser Testverbrauch hat den angegebenen Normverbrauch exakt bestätigt: 3,5 l/100 km Verbrauch und 12,8 l Tankinhalt ergeben eine realistische Reichweite von 365 km.

Lobenswert sind auch so praktische Gimmicks wie BMWs exklusives Flexcase: Ein Gepäcksack unter der Sitzbank, der sich im Stand vergrößern lässt und genug Platz für einen Integralhelm bietet.

Oder die serienmäßige LED-Beleuchtung, die die passive Sicherheit des Großstadtgefährts nochmals erhöht. Oder gegen Aufpreis Keyless Ride (der Roller lässt sich auf Knopfdruck verschließen, zwei Staufächer sind beim Parken automatisch verriegelt).

Strenggenommen ist der Einzylinder-Motor im C 400 X zwar eine Mogelpackung, denn sein Hubraum beträgt nicht etwa die zu erwartenden 400, sondern nur 350 ccm. Aber 34 PS genügen für 204 kg fahrfertiges Gewicht völlig.

Zum Vergleich: Rivale Yamaha XMAX 400 leistet auch nur 33,3 PS bei 210 kg Ballast. Und der Kymco XCITING 400i glänzt zwar mit 36 PS, trägt aber 209 kg auf den Rippen. Selbst beim Preis gibt sich der BMW C 400 X keine deutlichen Blößen, denn mit 6.800 Euro liegt er fast gleichauf mit dem japanischen Yamaha (6.695) und nicht allzu weit über dem taiwanesischen Kymco (5.999). Einziges Manko des BMW: Es fehlt eine praktische Feststellbremse, die den Roller bei herausgeklapptem Ständer fixiert. Das machen Yamaha und Kymco besser.

Die Connectivity werden laut Peter Meier wohl 80 Prozent der künftigen C 400 X-Fahrer nutzen. Kein Wunder, wenn man sich deren Vorzüge und die Kaufkraft typischer BMW-Kunden vor Augen führt. Der neue Mittelklasse-Roller setzt sich wirklich sehr gut in Szene. Es macht mächtig Spaß, mit ihm die großstädtischen Staus zu durchpflügen. Und wenn doch mal unüberwindbare Autokolonnen den Weg versperren: Wenigstens läuft dann die Lieblingsmusik im Ohr...

Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor mit vier Ventilen pro Zylinder, Hubraum 853 Kubik, max. Leistung 25 kW(34 PS bei 7.500 U/min, max. Drehmoment 35 Nm bei 6.000 U/min, Stufenloses CVT-Riemengetriebe.
Stahlbrückenrahmen, vorn Teleskop-Gabel mit 35 mm Tauchrohrdurchmesser, hinten Aluminium-Zweiarmschwinge, Doppelfederbein, Federvorspannung einstellbar, vorn Doppelscheibenbremse starr, Durchmesser 265 mm, 4-Kolben-Festsättel, hinten Einscheibenbremse, Durchmesser 265 mm, 1-Kolben Schwimmsattel, ABS, Reifen vorn 120/70 ZR15, hinten 150/70 ZR14, Sitzhöhe 815 mm (wahlweise 770-830 mm), Radstand 1559 mm, Tankinhalt 12,8 Liter, Leergewicht 204 kg, zul. Gesamtgewicht 405 kg.
Höchstgeschwindigkeit 139 km/h, 0-50 km/h 3,1 s, 0-100 km/h 9,5 s,
Kraftstoffverbrauch (WMTC) kombiniert 3,5 l/100 km.
Preis (Deutschland): ab 6.800 Euro.

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