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DTM: Analyse

R-Motorsport setzt 2020 auf BMW-Motoren

Welcher Motor wird künftig unter den Vantage-Silhouetten von R-Motorsport stecken? Weil die Japaner absagen, spricht alles für BMW.

Autor: Sven Haidinger

Der Schweizer Aston-Martin-Lizenznehmer R-Motorsport steht einen Monat nach der offiziellen Trennung von HWA immer noch ohne Einsatzteam und Motorenpartner da, was für Anspannung sorgt.

Doch DTM-Boss Gerhard Berger rechnet nach R-Motorsport-Teamchef Florian Kamelgers Besuch beim Dream Race in Fuji weiterhin fest damit, dass die Neueinsteiger auch 2020 am Start sein werden.

"Florian war hier und sagt, dass sie alles im Griff haben, dass alles in die richtige Richtung geht und man es auch zeitlich schaffen wird", erklärt Berger. "Er hat seine Partner und sein Paket beisammen. Ich vertraue dem, was er sagt, denn er hat auch im Vorjahr sein Wort gehalten, als wir über ähnliche Dinge gesprochen haben."

Welche Optionen hat R-Motorsport?

Außerdem wisse Berger, dass Ersatzteile bestellt wurden. Während ein DTM-Auto zu 80 Prozent aus Einheitsteilen besteht und der Bau eines Chassis keine große Hürde darstellen sollte, ist das beim Zweiliter-Vierzylinder-Turbomotor eine andere Geschichte.

Eine ordentliche Entwicklung dauert Jahre, also ist R-Motorsport darauf angewiesen, mit einem Hersteller zusammenzuarbeiten, der bereits einen entsprechenden Motor zur Verfügung hat. Die Auswahl ist klein: Neben Audi, BMW und Ex-Partner HWA haben nur die drei Super-GT-Hersteller Honda, Nissan und Toyota einen Motor nach Class-1-Reglement entwickelt, den sie R-Motorsport zur Verfügung stellen könnten.

Honda stellt klar: Keine Pläne mit Aston Martin

Vor allem Honda wurde immer wieder mit R-Motorsport in Verbindung gebracht, zumal eine Zusammenarbeit bereits vor der Einigung mit HWA 2018 Thema gewesen war. Doch für 2020 habe Honda von R-Motorsport "keine Anfrage erhalten", stellt Hondas Motorsportchef Hiroshi Shimizu im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' klar.

"Als Repräsentant von Honda kann ich sagen, dass wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Pläne haben, unsere Honda-Motoren an andere Hersteller zu liefern. Wir hatten keinerlei Gespräche mit Aston Martin. Daher kann ich heute nichts dazu sagen, ob wir interessiert wären."

Bei Toyota ist die Situation nicht viel anders, wie Motorsportchef Keizo Takahashi klarstellt. "Ich kenne Florian Kamelger zwar und habe ihn vorgestern hier in Fuji gesehen, aber wir haben dazu nichts von ihnen gehört und auch keine Anfrage erhalten", sagt er. "Es gab keine Gespräche."

Entwicklung der neuen Super-GT-Autos lastet Japaner aus

Ob man generell daran interessiert wäre, ein DTM-Team mit Motoren auszurüsten? "Wir wären wahrscheinlich gar nicht in der Lage, Aston Martin einen Motor zur Verfügung zu stellen", sagt er im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Das liegt daran, dass unsere Kapazitäten bei den Motoren sehr eingeschränkt sind. Wir haben sechs Autos in der Super-GT-Serie und elf Autos in der Super Formula."

Warum man derzeit kaum Spielraum habe? "Wir müssen für das nächste Jahr ein neues GT-500-Auto entwickeln", verweist er auf den neuen Toyota Supra, der ab 2020 in der Super-GT-Serie den Lexus LC500 ablösen soll und wie der neue Honda NSX und der Nissan GT-R anders als ihre Vorgänger dem Class-1-Reglement entsprechen wird.

"Außerdem sollten wir auch noch sechs Autos herstellen, also haben wir derzeit keine Kapazitäten frei." Bei Nissan hält man es immerhin "theoretisch" für "möglich", ein Team wie R-Motorsport mit Motoren zu versorgen.

"Das braucht aber Zeit und ist auch eine Frage des Budgets", sagt der auch für die Super-GT-Motoren zuständige Nissan-Einsatzeiter Motohiro Matsumura 'Motorsport-Total.com'. "Wenn es eine Anfrage gibt, dann würden wir sowas natürlich mit Aston Martin besprechen. Es hat aber bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Anfrage gegeben."

Alles spricht für BMW

All das klingt nicht danach, als würde R-Motorsport 2020 von einem Super-GT-Hersteller einen Motor bekommen. Dann bliebe nur noch BMW als Option, denn Audi hat man bereits vor einiger Zeit eine Absage erteilt - vermutlich aus Kostengründen. Dass BMW den Motor liefern könnte, deckt sich mit Informationen von einer seriösen Quelle, die 'Motorsport-Total.com' schon vor einiger Zeit erhalten hat.

Doch wie steht BMW zur Variante, als Motorenpartner von Aston Martin aufzutreten? "Wir beteiligen uns nicht an der Spekulation", winkt BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt ab. "Wenn es eine finale Sache zu kommunizieren gibt, dann wird es die geben. Ich glaube, in erster Linie ist das ein Thema von Aston Martin, von R-Motorsport, und das überlasse ich wirklich Florian Kamelger und R-Motorsport, darüber zu reden."

Die generelle Bereitschaft wäre aber durchaus vorhanden. "Das ist grundsätzlich vor Jahren besprochen worden, als es darum ging, neue Interessenten in die Serie zu holen. Von unserer Seite wurde das bejaht", stellt Marquardt klar. "Mehr gibt es zu dem Thema aktuell nicht zu sagen." Ein Dementi klingt jedenfalls anders.

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