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Motorrad-WM: Brünn

Cal Crutchlow gewinnt den Brünn-Krimi

Überraschung in Brünn: Cal Crutchlow holt sich seinen ersten Sieg in der MotoGP – Valentino Rossi nach Aufholjagd Zweiter vor Marc Marquez.

Fotos: Twitter

Was lange währt, wird endlich gut: In seiner zweiten Saison für LCR Honda hat Cal Crutchlow beim Großen Preis von Tschechien 2016 den ersten MotoGP-Sieg seiner Karriere feiern können. Auf nasser Strecke setzte sich der 30-Jährige gegen Valentino Rossi (Yamaha) und Marc Marquez (Honda) durch . Er sicherte sich und dem Team damit nicht nur den ersten Sieg in der Königsklasse, sondern ist auch der erste Brite seit Barry Sheene 1981, der einen Grand Prix für sich entscheidet.

"Ich hatte vielleicht ein anderes Gefühl erwartet. Versteht mich nicht falsch, ein Rennen zu gewinnen, ist fantastisch. Aber das beste Gefühl der Welt hatte ich vor ein paar Wochen bei der Geburt meiner Tochter", kommentiert Crutchlow seinen MotoGP-Triumph mit gewohnt trockenem Humor. "Ich freue mich für mein Team, wir haben hart gearbeitet. Wir sind ein Risiko eingegangen. Ich weiß nicht, warum die anderen das nicht auch gemacht haben. Das sind doch alles Weicheier", macht er sich über die Konkurrenz lustig.

Die Mehrheit seiner MotoGP-Kollegen hatte sich für die weichen Regenreifen entschieden, Crutchlow fuhrt sowohl vorn als auch hinten auf den harten. Je älter das Rennen wurde, umso mehr stellte sich das als Glücksgriff heraus. Denn während jenen auf weichen Pneus der Reifenabbau zu schaffen machten, wurden Crutchlow und auch Rossi, der hinten hart fuhr, von Runde zu Runde schneller und machten zahlreiche Plätze gut. Kurz nach dem Start noch fernab der Top 10 unterwegs, führten sie das Rennen schließlich an.

Ducati: Dovizioso und Iannone scheitern an Reifenwahl

Besonders hart rächte sich die Reifenwahl bei den Werksducatis. Andrea Dovizioso, zu Beginn noch in Führung liegend, musste aufgrund von Problemen am Vorderrad an die Box, wechselte zwar das Bike, gab aber nach 15 Runden schließlich entnervt auf. Andrea Iannone, in Spielberg noch Triumphator, sah auch in Brünn lange wie der sichere Sieger aus - bis sich sein Vorderreifen ebenfalls in Wohlgefallen auflöste und er noch hinter die privaten Markenkollegen auf Rang acht zurückfiel.

Beide Ducati-Piloten hatten ihre Reifen in der ersten Rennhälfte offenbar zu hart rangenommen und bezahlten letztlich den Preis. Umso ausgelassener fiel die Freude in der Avintia-Box aus, wo Loris Baz und Hector Barbera Rang vier und fünf feierten. Während Barbera lange um ein Podium kämpfte, musste er am Ende seinen Teamkollegen gewähren lassen. Der war wie Sieger Crutchlow auf harten Reifen unterwegs und kam ähnlich wie Rossi vor allem gegen Rennende immer mehr in Schwung.

Dass es der neunfache Weltmeister noch aufs Treppchen schaffen würde, hatte er zu Beginn selbst nicht gedacht: "Am Anfang war ich verzweifelt, weil ich dachte, dass wir einen Fehler gemacht haben", gibt er zu. "Aber dann wurde der harte Hinterreifen besser und besser. Das Rennen war sehr lang, man musste konzentriert bleiben, um keinen Fehler zu machen. Ich bin sehr glücklich mit den 20 Punkten, bin jetzt Zweiter in der Weltmeisterschaft. Am Ende war es doch die richtige Wahl."

Marquez baut WM-Führung aus, Lorenzo wird Letzter

Rossi ist nun direkter Verfolger von Marquez, der die WM-Tabelle mit 197 Zählern anführt. Er hatte in Brünn auf ein ähnliches Meisterstück wie auf dem Sachsenring gehofft, merkte aber schnell, dass die Rechnung diesmal nicht aufgehen würde. "Es war die falsche Strategie. Ich dachte, es würde aufhören zu regnen und wir hätten ein Flag-to-Flag-Rennen. Wir sind mit den weichen Reifen raus, um zu pushen und später zu wechseln", erklärt Marquez seine Wunschvorstellung für das Rennen.

"Aber dann musste ich die Reifen schonen. Ich wusste, dass Cal auf den harten Reifen unterwegs war, Valentino hatte hinten den harten. Letztendlich haben wir nur vier Punkte auf Valentino verloren und konnten die Lücke zu Jorge vergrößern. Mit dem Ergebnis bin ich sehr glücklich", zeigt sich der Drittplatzierte versöhnlich. Jorge Lorenzo, der vor dem Brünn-Grand-Prix noch erster WM-Verfolger gewesen war, verzockte sich mit zweifachem (!) Bike-Wechsel komplett und wurde nur 17. und damit Letzter.

Gar nicht ins Ziel kamen neben Dovizioso Bradley Smith (Tech-3-Yamaha) und Aleix Espargaro (Suzuki). Hinter den Top 5 reihten sich die Ducati-Privatiers Eugene Laverty und Danilo Petrucci vor Werkskollege Iannone ein. Maverick Vinales (Suzuki) und Marc-VDS-Fahrer Tito Rabat (Honda) komplettierten die Top 10. Stefan Bradl (Aprilia) rettete auf Rang 14 noch zwei WM-Punkte ins Ziel und entschied das Stallduell mit Alvaro Bautista (Platz 17) abermals für sich. Das nächste Rennen findet am 4. September in Silverstone statt.

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