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Motorrad-WM: Sachsenring

Marc Marquez taktiert sich zum Sieg

Mit einem frühen Motorradwechsel überrumpelt Marc Marquez die Konkurrenz und triumphiert bei wechselhaften Bedingungen am Sachsenring – Debakel für Yamaha.

Foto: MarcMarquez@Twitter

Marc Marquez (Honda) bleibt auf Sachsenring weiterhin das Maß der Dinge. Der Spanier gewann am Sonntag das Rennen der MotoGP zum Grand Prix von Deutschland und feierte damit klassenübergreifend seinen siebten Sieg in Folge auf der sächsischen Traditionsstrecke. In einem Flag-to-flag-Rennen, welches auf abtrocknender Strecke stattfand, wechselte Marquez als einer der ersten Piloten aus dem Spitzenfeld das Motorrad und düpierte damit die Konkurrenz.

Starker Zweiter wurde Cal Crutchlow (LCR-Honda), in einem spannenden Zweikampf um Platz drei setzte sich Andrea Dovizioso (Ducati) in der Schlussrunde gegen Scott Redding (Pramac-Ducati) durch. Yamaha erlebte ein Debakel und verzockte sich beim Motorradwechsel von Valentino Rossi. Der Italiener wurde mit Intermediates statt mit Slicks auf die Strecke geschickt und fiel dadurch auf Platz acht zurück. Teamkollege Jorge Lorenzo kam nach einem schwachen Rennen auf Platz 15 ins Ziel.

Nach dem Start auf noch komplett nasser Strecke hatte es zunächst nicht nach einem weiteren Sieg von Marquez ausgesehen. Der Polesetter konnte sich nur kurz an der Spitze halten, wurde aber rasch von Rossi überholt und fiel Schritt für Schritt bis auf Position acht zurück. "Bei den Regenreifen habe ich für meinen Fahrstil den falschen Vorderreifen gewählt", erklärt Marquez. "Ich war wie Valentino, Jorge und die anderen auf dem extrasoft, hatte aber ziemliche Probleme." Diese führten unter anderem zu einem Ausflug ins Kiesbett von Kurve 8.

Früher Wechsel von Marquez wird belohnt

Doch der Spanier wusste, dass seine Chance noch kommen wird, denn da der Regen aufgehört hatte, zeichneten sich auf dem Aspahlt des Sachsenrings immer mehr trockene Flecken ab. "Ich wusste, dass es ein Flag-to-flag-Rennen wird, weil es immer mehr abtrocknete. Bei erster Gelegenheit bin ich dann rein gefahren und habe das Motorrad gewechselt, denn so kommt man einfacher in einen Rhythmus", so Marquez.

Sein Motorradwechsel in Runde 17 von 30 war letztlich der Schlüssel zum Sieg. Während sich bei den Fahrern der Spitzengruppe die Reifen langsam auflösten, stürmte Marquez von hinten mit Siebenmeilenstiefeln heran und fuhr pro Runde teilweise fünf bis sechs Sekunden schneller. Darüber hinaus profitierte er von einem taktischen Fehler der Spitzengruppe zu der neben Dovizioso, Rossi und Crutchlow auch Hector Barbera (Avintia-Ducati) und der im Regen erneut starke Jack Miller (Marc-VDS-Honda) gehörten.

Obwohl vor allem Rossi Runde um Runde auf der Boxentafel das Zeichen zum Motorradwechsel gegeben wurde, fuhren der Italiener und seine Kollegen weiter. Erst in Runde 23 gingen Dovizioso, Rossi, Crutchlow und Barbera an die Box, während Miller mit Regenreifen bis ins Ziel fuhr. "Ich hatte den extrasoften Vorderreifen drauf, und als die Strecke abtrocknete, habe ich mich sehr darauf konzentriert, schnell zu fahren, aber dabei den Reifen nicht zu zerstören", sagt Dovizioso.

Doviziso und Co. bleiben (zu) lange draußen

"Daher habe ich nicht mitbekommen, dass ich schon zwei Runden vorher das Motorrad hätte wechseln sollen. Das hätte vielleicht den Unterschied gemacht", so Dovizioso. Crutchlow meint ebenfalls: "Ich bin viel zu spät in die Box gekommen. Ich habe es zwar auf der Boxentafel gesehen, habe mich aber an den Jungs vor mir orientiert."

Durch diesen "Herdentrieb" war der Weg frei für Marquez, der für seinen Poker belohnt wurde. "In den ersten Runden war es sehr riskant, aber als ich dann später mit 20 Sekunden geführt habe, war es richtig schön", sagt der Spanier, der nach seinem dritten Saisonsieg in der Gesamtwertung nun einen Vorsprung von 48 Punkten auf Lorenzo hat.

Für Crutchlow war Rang zwei das erste Podiumsresultat nach gut einem Jahr. "Ich habe gestern schon gesagt, dass ich der Viertschnellste bin und lag damit richtig. Ich habe mich für den härteren Vorderreifen entschieden, wozu nicht viele die Eier hatten. In den ersten Runden war es zwar nicht gefährlich, aber schwierig, vor allem auf der Honda. Ich hätte nicht gedacht, dass uns jemand schlagen kann, selbst wenn wir draußen bleiben. Deswegen habe ich gepokert. Vielleicht hätte ich auch draußen bleiben sollen, selbst dann wäre es wohl ein ordentliches Ergebnis geworden", analysiert der Brite sein Rennen.

Falsche Reifenstrategie bei Valentino Rossi

Bei Dovizioso, der sich erst in der Schlussrunde den dritten Podiumsrang sicherte, herrschten im Ziel hingegen gemischte Gefühle. "Ich habe viele Runden geführt. Wenn man dann am Ende verliert, ist das nicht schön. Aber das Podium ist gut für das Team." Redding, der ebenfalls früh auf Slicks gewechselt hatte, war der Frust über den Verlust des Podiums deutlich anzumerken.

Bei Yamaha dürfte es nach dem Rennen Diskussionen über die Strategie geben, durch die ein besseres Ergebnis von Rossi vereitelt wurde. Beim Motorradwechsel wurde der Italiener unverständlicherweise mit Intermediatereifen auf die Strecke geschickt, obwohl Marquez mit seinen Zeiten klar zeigte, dass Slicks die Pneus der Wahl sind. So war Rossi in den letzten Runden ein wehrloses Opfer und wurde auf Rang acht durchgereicht. Für Teamkollege Lorenzo war Platz 15 und nur ein WM-Punkt das passende Ende eines völlig verkorksten Wochenendes, an dem der Spanier nach drei Stürzen seiner Form hinterher fuhr.

Millers Poker, das Rennen mit den Regenreifen zu Ende zu fahren, zahlte sich nicht aus. Er wurde in der Schlussphase noch von Andrea Iannone (Ducati) und Dani Pedrosa (Honda) überholt und wurde Siebter. Hinter Rossi komplettierten Barbera und Alvaro Bautista (Aprilia) die Top 10.

Danilo Petrucci stürzt in Führung liegend

Einer der tragischen Helden des Rennens war Danilo Petrucci (Pramac-Ducati). Der Italiener zeigte wieder einmal, dass er im Nassen einer der stärksten Fahrer in der MotoGP ist. In der vierten Runde übernahm er die Führung und behauptete diese zunächst. In Runde 10 riskierte Petrucci dann aber in Kurve 3 zu viel und stürzte. Petrucci setzte seine Fahrt anschließend zwar fort, musste nach einem Motorradwechsel samt kleinem Feuer aber kurz darauf in der Box aufgeben.

Stefan Bradl (Aprilia) konnte zum zweiten Mal in Folge nicht an seinem Heimrennen teilnehmen. Bei einem Sturz im Warmup hatte sich der einzige deutsche MotoGP-Pilot eine Gehirnerschütterung zugezogen. Zur Beobachtung wurde Bradl in ein Krankenhaus in Chemnitz gebracht.

Weiter geht es mit der MotoGP nach der Sommerpause mit dem Rennen auf dem Red-Bull-Ring (12. bis 14. August), wo in der nächsten Woche auch ein Test angesetzt ist.

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