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Histo Cup: Salzburgring I

Wär der Niki nicht gewesen...

...würde es dann die Touring Car Masters in dieser - freundschaftlich, sportlich und technisch attraktiven Form geben? Eine unmöglich zu beantwortende Fangfrage kann aber dennoch die Funktion der Einleitung übernehmen: Die Neugier wecken auf das seltsam Wirkende, was da noch kommt....

Fotos: Peter Tomschi

Auf dem Salzburgring wurde im Rahmen des Mozartpreis das dritte Rennwochenende der Touring Car Masters abgehalten - bei frühlingshaftem Wetter und sonnig frischer Helligkeit. Die Gemütslage war dennoch zweischneidig, oder vielmehr zartbitter. Denn die Familie des Histo Cup. in dem die Touring Car Masters eingebettet sind, gedachte an diesem Wochenende dem verstorbenen Niki Lauda. Ohne ihn wäre womöglich gar nie ein Histo-Cup und auch keine TCM ins Leben gerufen worden - doch: man weiß es nicht...

Dieses Vermächtnis, diese Lust am respektvollen Miteinander gibt es natürlich auch in den Boxen der Touring Car Masters zu spüren. An diesem Weekend mussten die TCM-Freaks jedoch auf ihren Freund Bob Bau verzichten, der in Spielberg den direkten Vergleich zu anderen KTM X-Bow zu suchen gedachte, dafür kamen zwei neue Piloten und "Spielzeuge" hinzu: Michael Simoncic sorgte dafür, dass Ernst Kirchmayrs Ferrari F488 Challenge kein nächtlicher Boxenblues in punkto Einsamkeit aus dem Gleichgewicht bringt, ganz in Rot, sodass die beiden auch leicht zu erkennen sind. Wobei freilich: Simoncic ist gerade erst dabei, sich an die Grenzen seines neuen "Arbeitsplatzes" heranzutasten...das große Ferrari-Duell wird also erst kommen, vielleicht, oder auch nicht. Denn im Grunde gibt es in jedem TCM-Lauf ein ganz spezielles Spannungsmoment...

Rennen wie jene von Klubs oder Rennserien wie der TCM gelten bei manchen im Fahrerlager als wenig spannungversprechend - Niki Lauda würde es folgendermaßen zu erklären versuchen: "Das ist relativ einfach. Diese Autos sind alles andere als billig und ihre Herren und Fahrer sind keine 18jährigen Heißsporne sondern Racing-Genießer, die rein reparaturtechnisch gesehen nichts zu verschenken haben." Aber: Wer glaubt, dass deshalb keine Spannung aufkommen könnte, hat die Rechnung ohne den Gast gemacht...

Wie auch immer: Das TCM Race 1 hatte gleich mehrere Spannungsmomente zu bieten. In der ersten Reihe standen Ernst Kirchmayr und Josef Stadtegger, dahinter lauerten die ungleichen Porsche-Piloten Clemens Stadler (stieg heuer quer ein) und Oliver Michael (regierender Champion). In Reihe drei schließlich starteten John Ford und Stephan Jochen ins Rennen. Nach dem Start verzückten Franz Lahmer und Josef Meyer mit einem sehenswerten Zweikampf. Und Michael Simoncic zog mit dem knallroten Ferrari am Porsche von Manuel Süßenguth vorbei. Süßenguth war einer von zwei Gastpiloten an diesem Wochenende, der zweite war der bereits erwähnte Stephan Jochen. Beide natürlich Porsche-Glüher...

An der Spitze sah Ernst Kirchmayr zur Rennmitte den Stadtegger-Porsche im Spiegel größer werdend - doch diese Phase war zu seinem Glück keine Reifen-Degrading-Endphase, sondern hatte wohl andere Gründe, in Angriffsreichweite befand sich der gelbe Ferrari nicht allzu lange, der Tabellenleader der TCM, Ernst Kirchmayr fuhr einem weiteren Sieg entgegen. Die Show lieferten jetzt, zur Rennhalbzeit, Clemens Stadler und Oliver Michael. Nachdem Stadler zunächst Platz drei gut behaupten konnte, pirschte sich Michael immer näher an sein Heck heran - an dem weißen Boliden vorbeiziehen konnte der pechschwarze Michael-Porsche aber nur, weil sich Stadler im Zuge von Überrundungen verbremste: "Ich kam auf die dreckige Spur und schon ist es passiert. Schade, denn davor war ich fast immer drei bis vier Zehntelsekunden schneller als Michael", bilanzierte Stadler, der nach seinem schmerzhaft-kurzen Comeback mit jedem Rennen stärker wird.

Ein großartiges Duell lieferten am Ende des Feldes, in der TCM2-Klasse die beiden Audi des Motorsportzentrum Ried. Die beiden lebensfrohen Charismatiker Mario Traxler und Rudi Happl schenkten einander wie so oft herzlich ein, als Traxler plötzlich rot sah: "Kurz vorm Ziel leuchtet die rote Lampe, ich hatte keine Leistung mehr, das ist schon bitter..." Zumal Traxler vor Happl die TCM2 anführte - nach kurzer Zeit funktionierte der Audi wieder programmgemäß, doch nun war Mario bereits die "rote Laterne " im TCM2-Schlussfeld...

Sprint Race 2: Überraschungsangriff von John Ford

Für das zweite Sprintrennen konnte man hinter den Reihe 1-Piloten Ernst Kirchmayr und Josef Stadtegger erneut ein spannendes Duell zwischen Clemens Stadler und Oliver Michael erwarten, die gemäß Ergebnis Race 1 abermals in der zweiten Reihe die Rennfreigabe in Angriff nahmen. Doch dann wurde Oliver Michael von John Ford heftig attackiert, sodass sich Michael plötzlich auf Platz fünf wiederfand. Weil jedoch Stadler und Michael in der Startaufstellung seitenverkehrt standen, hieß die Reihung hinter Kirchmayr und Stadtegger: Ford, Michael, Stadler.

An die Box fuhr Stephan Jochen, um dort das Rennen frühzeitig zu beenden. An der Spitze pirschte sich Stadtegger nochmal ans Heck des Kirchmayr-Ferrari heran, doch an ein Überholmanöver war nicht zu denken, schlussendlich belegte Stadtegger neun Zehntelsekunden hinter Ernst Kirchmayr den zweiten Platz, auch in der starken Klasse TCM5, dahinter gewann der Drittplatzierte John Ford die TCM4.

In der TCM2 konnte Rudolf Happl nicht starten – den Sieg holte Manuel Meisinger, der damit auch die Tabellenführung verteidigen konnte.

1h Race: Ford-Svepes nur zwei Sekunden vor Rettenbacher-Meyer

Und weil Dominanz gut, jedoch Totaldominanz weniger spannend ist, sind im 1h Rennen andere, wenngleich keine neue Gesichter ganz oben auf dem Podium gelandet. John Ford teilte sich die Fahrt mit ÖAMTC-Instruktor Dieter Svepes, dahinter landeten Franz Meyer und Luca Rettenbacher sowie Ermst Kirchmayr und Philipp Baron. Michael Simoncic im roten F488 übrigens nutzte das Rennen, um alleine Vertrautheit mit dem Gerät und damit geringere Rundenzeiten zu generieren. Und damit sich der Kreis schließt: Ganz genau so, wie es Niki Lauda des Öfteren tat. Vor allem dann, wenn es nötig war - um die für sicheres und angriffslustiges Fahren nötige Vertrautheit zu erlangen....

Die Punktestände:

Sprint gesamt:
1. Ernst KIRCHMAYR 135 Punkte
2. Oliver MICHAEL 78 Punkte
3. Bob BAU 64 Punkte

Sprint Klassen-Leader:
TCM2: Manuel MEISINGER
TCM4: John Ford
TCM5: Ernst KIRCHMAYR

Endurance gesamt:
1. Josef MEYER 61 Punkte
=. Luca RETTENBACHER 61 Punkte
3. John FORD 58 Punkte
=. Dieter SVEPES 58 Punkte
5. Ernst KIRCHMAYR 48 Punkte
=. Philipp BARON 48 Punkte

Endurance Klassen-Leader:
TCM2: Rudolf HAPPL
TCM4: John FORD & Dieter SVEPES
TCM5: Josef MEYER & Luca RETTENBACHER

Am 5. und 6. Juli wird in Ungarn, auf dem Pannoniaring das vierte Rennwochenende der Touring Car Masters abgehalten.

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