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Neuer BMW X5 - im ersten Test BMW X5 2018

Geblähte Nüstern

Mit der vierten Generation des X5 setzt BMW eine kraftvolle Botschaft ab. Schließlich rangiert das stämmige SUV in der Oberklasse. Erster Test.

mid/brie

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Schon mit seiner optischen Erscheinung meldet der X5 den Führungsanspruch in seinem Revier an. Der bullige Charakter wird durch die zu Scheunentoren gewachsenen Elemente der BMW-Nieren an der Frontpartie unterstreichen: Der Stier bläht die Nüstern!

In der Seitenansicht soll die schwungvolle S-Linie den Dynamikanspruch unterstreichen, während das Heck doch mehr auf optische Schwere setzt. Der Wiedererkennungswert bleibt sehr gut erhalten, zumal die Proportionen genauso stimmig sind wie bei seinen drei Vorgängern. Damit das SUV beziehungsweise SAV (BMW spricht gern von einem Sport Activity Vehicle) auch auf großem Fuß unterwegs sein kann, finden in den leicht eckig angeformten Radhäusern Räder bis zu 22 Zoll Platz.

Zu den Neuerungen im Innenraum zählt das voll digitalisierte Cockpit. Soll heißen: Wir müssen von den geliebten BMW-Rundinstrumenten Abschied nehmen und blicken künftig auf einen Bildschirm, der Tacho und Drehzahlmesser auf seitlich platzierten Skalen in Bananenform darstellt. So wird zwischen den Anzeigen Platz gewonnen für die zahlreichen Informationen, die in modernen Autos einfach erwartet werden. Dieser Raum ist individuell konfigurierbar, genauso wie der zentrale Bildschirm in der Mitte des Armaturenbretts.

Wer den Schmerz über die eliminierten Rundinstrumente nicht so gut ertragen kann, sollte sich das ohnehin zu empfehlende Head Up Display gönnen, das die wichtigsten Daten zu Tempo plus aktuellem Limit, Fahrer-Assistenzsystemen und Navigation in die Windschutzscheibe projiziert und den Blick gleich in die richtige Richtung beim Fahren lenkt.

Wer die Ladekapazität des wuchtigen BMW nutzen will, freut sich nicht nur über das Volumen des Frachtraums (650 bis 1.870 Liter). Sobald sich die zweiteilige Heckklappe auf Knopfdruck geöffnet hat, wird die Sicht auf Metallschienen frei, über die auch schwere Frachtstücke elegant ins Innere gleiten. Zu Beginn der Fahrt heben sich Gummisegmente aus dem Boden, die sich gegen das Verrutschen der Ladung stemmen. Ist die Luftfederung geordert, senkt sich der Wagen auf Knopfdruck um vier Zentimeter zuvorkommend ab - eine Wohltat beim Hantieren mit schweren Gegenständen.

Apropos Luftfederung: Ihr Aufgabenbereich geht weit über das Ausbalancieren des Fahrzeugniveaus hinaus. Sie unterstützt die Fahrdynamik, indem sie die Karosse bei höheren Geschwindigkeiten um bis zu drei Zentimeter absenkt und im Gelände bis zu vier Zentimeter anhebt.

Bei einem Plattfuß entlastet die Pneumatik durch geschicktes Austarieren das betroffene Rad. Wie perfekt dieses System mit der elektronischen Beeinflussung des Fahrwerks zusammenarbeitet, konnten wir im Rahmen einer ersten Testfahrt rund um Atlanta erleben.

Der X5 meisterte den eigens angesteuerten Geländeparcours mit abenteuerlichen Bergauf- und Bergabpassagen auf lockerem und rutschigem Untergrund und beachtlichen Verschränkungen mit unerschütterlicher Souveränität. Dabei ist unbedingt anzumerken, dass die Testwagen allesamt zusätzlich mit dem Sperrdifferenzial ausgestattet waren, das mit einer ausgeklügelten Mehrscheibenkupplung zu Werke geht.

Eher überflüssig ist der Hinweis, dass die Luftfederung auf der normalen Straße die Komfortforderungen überzeugend erfüllt. Den drei Motoren (zwei Diesel, ein Benziner), die hierzulande zunächst angeboten werden, mangelt es allesamt nicht an Leistung: 265 PS (xDrive30d), 340 PS (xDrive40i) und 400 PS (M50d). Die Preisspanne für die Basisversionen reicht von 69.900 bis 92.900 Euro - in Deutschland, Österreich-Preise werden erst bekannt gegeben.

Da die endlos lange Ausstattungsliste zahlreiche Optionen im vierstelligen Eurobereich bereithält, haben diese Einstiegspreise allenfalls symbolischen Charakter. Allein die Luftfederung verschlingt schon einen Betrag von bis zu 2.100 Euro. Rechnet man die Preise der optionalen Fahrerassistenzsysteme zusammen, dann klingelt die Kasse erst, wenn rund 7.000 Euro mehr überwiesen sind.

Fazit: Wieder ist es BMW gelungen, bei der Neuauflage einer Modellreihe die Grenzen der Dynamik weiter nach oben zu verschieben. Das Zusammenspiel zwischen Fahrwerk, integraler Aktivlenkung "brake by wire", elektronischer Wankstabilisierung und modernsten Fahrerassistenzsystemen machen das Schweben über Straße, Stock und Stein zum Genuss.

Um das Entwicklungsziel Luxus zu erreichen, setzt BMW auf eine gediegene Innenausstattung. Ob die Option "Glasapplikation CraftedClarity" (Bild oben) für 650 Euro jedermanns Geschmack trifft, wird sich erst in Zukunft zeigen: Lautstärkeregler, Bedienknopf des iDrive und der Wählhebel des Automatikgetriebes wirken wie mit Glas überzogen. Dezent bei den Drehknöpfen, überladen samt holografischem "X" am Wählhebel, der sich mit seiner kantig geschliffenen Oberfläche absolut nicht so angenehm in die Hand schmiegen will wie das abgerundete Serienteil. Ein Hauch von Swarovski weht durch den Innenraum des X5. An dieser Stelle hat der bayerische Kraftmeier mit amerikanischem Geburtsort so etwas wie lackierte Fingernägel. Zum Glück herrscht für diese Ausstattungsvariante kein Kaufzwang.

Fünftüriges SUV der Oberklasse, Länge/Breite/Höhe/Radstand: 4.922/2.004/1.745/2.975 mm, Leergewicht: 2.135 kg, Zuladung: 765 kg, Tankinhalt: 83 l, Kofferraumvolumen: 650-1.870 l, Wattiefe: 500 mm, max. Anhängelast: 3.500 kg.
Motor: 6-Zylinder-Turbo-Benziner mit Direkteinspritzung, Hubraum: 2.998 Kubik, Leistung: 250 kW/340 PS bei 5.500-6.500 U/min, max. Drehmoment: 450 Nm bei 1.500-5.200 U/min, 0-100 km/h: 5,5 s, Höchstgeschwindigkeit: 243 km/h, 8-Gang-Automatikgetriebe, Allradantrieb, Durchschnittsverbrauch: 8,5-8,7 l Super/100km, CO2-Ausstoß: 193-197 g/km.
Preis (Deutschland): ab 70.700 Euro

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