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Rolls-Royce Cullinan - erster Test Rolls-Royce Cullinan 2018

Luxus ohne Limit

Nun mischt auch Rolls-Royce bei den SUVs mit: Der Cullinan soll Mega-Komfort mit Geländetauglichkeit verschmelzen. Test des teuersten SUV.

mid/me

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Porsche, Bentley, Lamborghini, Maserati: Viele Automarken, für die früher mal ein SUV im Programm undenkbar erschien, verkaufen heute ein solches; und in der Regel recht erfolgreich. Kein Wunder, dass jetzt auch Rolls-Royce nicht abseits fahren will. Zu verlockend ist die Aussicht, dass gerade die typische Klientel in der Arabischen Welt, den USA und China sich ein entsprechendes Fahrzeug in die Tiefgarage stellt.

Zwei Probleme möchte die britische Luxusmarke aus dem BMW-Konzern außerdem mit dem neuen Cullinan lösen: Bisher gilt ein "Royce", wie die Marke unter Kennern gerufen wird, vor allem als Chauffeurs-Auto für reifere Herrschaften - und nicht gerade als mega-coole Marke unter nachwachsenden, wohlhabenden Autofans. "Mit dem neuen Cullinan wollen wir auch Jüngere ansprechen", erklärt Caroline Krismer, Chef-Ingenieurin des riesigen SUV. Und das scheint zu klappen. "In den USA wurden wir auf das Modell angesprochen", so Krismer, "und die Leute sagten: Klasse, das wird mein College-Auto. Mein Daddy fährt ja auch schon die Marke".

Auch auf den mit teuren Autos gut bestückten Parkplätzen der Elite-Unis wird der Cullinan auffallen. Mächtig, über 5,34 Meter lang, mit dem typischen Kühlergrill im "Buckingham-Palast-Design" und der darauf schwebenden Figur "Spirit of Ecstasy", die nach kurzer Standzeit oder bei einem Crash automatisch einklappt, ist der mindestens 315.000 Euro teure Cullinan ein Statement von Reichtum und Macht.

Natürlich öffnen sich die Hecktüren nach vorne, so dass der Passagier besonders entspannt hinten einsteigen, sich in die "Sleeping Seats" fallen lassen und sein Haupt in unglaublich kuschelig-weichen Kopfstützen-Kissen betten kann. Mit zwei Plätzen im Fond, Trennwand zum Gepäckabteil, TV-Schirmen, Champagnergläsern in der Mittelkonsole und Rundum-Ausstattung mit allerfeinsten Edelhölzern und Leder unterscheidet sich das Wohn-Erlebnis nicht von dem in einer der britischen Luxus-Limousinen.

Und das Fahren? Schließlich ist der Cullinan als "Drivers Car" konzipiert, sogar als klassisches Familien-SUV, mit dem Dad oder Mom zum Sonntags-Ausflug ausrücken. Deshalb gibt's alternativ auch eine Dreier-Rückbank mit fast schon profaner Variabilität. Der Fahrer findet indes ein typisches Rolls-Royce-Cockpit vor - mit einer äußerst reduzierten Auswahl an Schaltern. Die meisten sind mit klassischem Zieh-Mechanismus und aus Metall gefräst. Von der Klima-Automatik sind nur reduzierte rot-blaue Scheiben ohne Ziffern sichtbar: Der noble Rolls-Insasse dreht eben in Richtung kühler oder wärmer, so dass er sich wohlfühlt, was interessieren das schon schnöde Celsius-Werte?

Nichts auf der perfekten Luxus-Bühne erinnert an Elektronik von BMW, die hinter der Kulisse werkelt. Selbst das Navi-Display ist in monochromatischem blass-grün gehalten. "Very british, very distinguished." Und tatsächlich basiert der Cullinan ja auf der exklusiven Rolls-Royce-Basis mit Aluminium-Rahmen, ist also ein technischer Bruder des Phantom, und nicht des künftigen BMW X7.

Sein "Herzstück", so Krismer, ist natürlich der Motor, der beeindruckende V12: bärenstark und sanft beschleunigt er mit einer Souveränität, die an einen Sportwagen erinnert. Nur viel leiser. Ach was, fast unhörbar, jedenfalls bei Autobahn-Tempo. Früher war das lauteste Geräusch in einem Rolls-Royce angeblich die tickende Uhr. Seitdem die elektrisch läuft, ist es der Blinker.

Die Luftfederung gleitet unbeeindruckt über fast jegliche Straßen-Unebenheiten. Die Fahrt in einem Rolls-Royce über Asphalt gehört zweifellos zu den ganz großen Erlebnissen automobiler Fortbewegung. Das gilt ohne jeden Abstrich auch für den Cullinan - und der kann eben auch Gelände. Für Scheichs auf Wüstentrips und Amerikaner, die ihr Wochenende beim Fischen oder Jagen in der Wildnis verbringen, auch in einem Luxusmobil dieser Güte ein Argument.

Abseits der Straße soll der Cullinan ebenfalls mit der Rolls-Royce-Philosophie vom "Effortless Driving" überzeugen, die so typisch für die Marke ist: Ohne dass der Fahrer irgendwelche Knöpfchen drücken oder Entscheidungen treffen muss, ist er mit dem bestmöglichen Fahrerlebnis unterwegs. Ein Druck auf den "Everywhere Button" genügt, und der Bordcomputer verteilt die Kraft entsprechend des Untergrundes auf die vier Räder, schaltet virtuelle Sperren zu oder einen Boost für heftige Steigungen - der freilich nicht aus einem mechanischen, kurz übersetzten Zahnradpaar besteht, sondern sich aus der Freisetzung des maximalen Drehmoments von 850 Newtonmetern speist.

Ob offroad oder auf der Straße: Natürlich ist jede Technik und jedes Assistenz-System an Bord, das im BMW-Konzern verfügbar ist. Jedes? Nicht ganz: Die Gestensteuerung, mit der man per Fingerfuchteln in der Luft beispielsweise die Audio-Anlage leiser stellt, ist nicht lieferbar; ebenso die Möglichkeit, mit einen Fußtritt Richtung Heck dessen Klappe zu öffnen. "Das", findet Caroline Krismer, "wäre irgendwie nicht Rolls-Royce-like."

Fünftüriges SUV, Aluminium-Space-Frame-Karosserie, Länge/Breite/Höhe/Radstand: 5.341/ 2.164/1.835/3.295 mm, Wendekreis: 13,23 m, 4-5 Sitzplätze, Kofferraumvolumen: 526 l, Leergewicht: 2.660 kg.
V12-Motor mit zwei Turboladern, Hubraum: 6.749 ccm, Leistung: 420 kW/571 PS bei 5.000 U/min, max. Drehmoment: 850 Nm bei 1.600 U/min, 0-100 km/h: 5,2 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h, Verbrauch: (Super) 15l/100 km, Emissionen: 341g/km.
Preis: 315.350 Euro

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