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Porsche Cayenne Diesel - im Test

Vernunftlösung à la Porsche

Den neuen Cayenne bietet Porsche nun auch mit Dieselmotor an. Der 245 PS starke Dreiliter-V6 kommt wie beim Vorgänger von Audi.

Georg.Koman@motorline.cc

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Wenn der Cayenne Diesel in seiner ganzen Größe vor einem steht, idealerweise wie unser Testwagen mit schwarzen 21-Zöllern, will und kann man es nicht glauben, dass man den leistungsschwächsten aller aktuell erhältlichen Porsche vor sich stehen hat.

Es ist aber so: Mit 245-Diesel-PS bildet der Cayenne Diesel die Zuffenhausener Untergrenze. Der Panamera Diesel hat zwar den gleichen Motor unter der Haube, in seinem Fall aber mit 250 PS.

Aus der Vernunft-Perspektive betrachtet, ist der Diesel seinen bis zu 540 PS starken Cayenne-Brüdern natürlich haushoch überlegen: Dem Mix-Verbrauch von 7,2 Litern stehen Fahrleistungen von 7,6 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h und 220 km/h Spitze gegenüber.

Wem reicht das nicht? Ihnen? Dann wenden Sie sich bitte an den Porsche-Händler Ihres Vertrauens. Er verkauft Ihnen gern einen Cayenne Turbo mit Leistungssteigerung um nicht einmal 170.000 Euro. Oder ab Jänner 2013 auch den ganz neuen Cayenne S Diesel mit 382 PS starkem 4,2-Liter-V8-Diesel um 93.680 Euro.

Wer jetzt nicht am Weg zum Porsche-Händler ist und also noch weiter liest, erfährt mehr über den V6-Diesel: Er ist ein Audi-Aggregat der ganz feinen Sorte. Der Dreiliter-Motor hat neben seinen 245 PS auch und vor allem 550 Nm Drehmoment ab 1.750 Touren. In Verbindung mit der serienmäßigen Achtgang-Automatik ergibt das ein kraftvoll-souveränes Package.

Unser Testwagen war mit der Geräusch- und Wärmedämmverglasung um 1.390 Euro ausgestattet. Das Motorengeräusch ist damit de facto eliminiert, auch findet eine fast völlige Entkopplung von der Außenwelt statt, die Cayenne-Fahrer im Fall des Durchfahrens weniger nobler Gegenden sicher ganz besonders zu schätzen wissen.

Der Cayenne ist 4,85 Meter lang, 1,94 Meter breit und 1,71 Meter hoch. Gemeinsam mit dem Leergewicht von 2,1 Tonnen ergibt das eine ganz schöne Menge Auto. Zum Glück drückt sich das auch im Innenraum aus: 2,90 Meter Radstand lassen Passagiere vorne wie hinten sehr bequem sitzen, der Laderaum ist mit einem Volumen von 670 bis 1.780 Litern auch sehr erwachsen ausgefallen, die Fondbank ist geteilt verschiebbar.

Fahrwerksabstimmung: agil, aber hart

Der Cayenne ist zwar ein SUV, aber ganz sicher auch ein Porsche. Daher stand eine sportliches Fahrverhalten ganz oben auf der Agenda. Lenkung und Bremsen sind äußerst präzise, das Fahrwerk erlaubt mit seiner neutralen Abstimmung hohe Kurvengeschwindigkeiten.

Aber es ist hart. Sehr hart sogar. Gut, wir hatten – wie erwähnt – 21-Zöller drangeschraubt, aber auch die serienmäßigen 18-Zoll-Räder bieten nicht wirklich Komfort.

Feinschmecker greifen daher zur hervorragenden Luftfederung um 3.967 Euro. Die bietet wesentlich mehr Fahrkomfort plus drei Kennfelder („Normal“, „Komfort“ und „Sport“), automatische Dämpfkraftregelung und sechs (!) wählbare Höhenniveaus. Besagte Luftfederung macht aus dem Cayenne auch einen brauchbaren Offroader, falls das wirklich jemand interessieren sollte.

Den Normmix-Verbrauch von 7,2 Litern erreichten wir im Test zwar nicht, aber unsere erzielten 8,0 Liter sind für einen großen und schweren Allradler mit 295er-Bereifung allemal herzeigbar. Bei 85 Litern Tankvolumen (ohne Aufpreis auf 100 Liter erweiterbar) liegt man im sicheren vierstelligen Reichweitenbereich.

Unnötig ist die „Sport“-Taste für Motor/Getriebe. Sie verändert zwar die Gaspedalkennung in Richtung agiler, lässt die Automatik aber permanent in einem unnötig hohen Drehzahlbereich agieren und deaktiviert außerdem die serienmäßige Start-Stop-Funktion.

Mit einem Kaufpreis von 71.940 Euro hat man zwar einen der preisgünstigsten Porsche erstanden, absolut gesehen ist das aber eine Menge Geld. Für den technisch sehr ähnlichen VW Touareg mit gleichem Motor sind z.B. 64.000 Euro zu bezahlen. Auf dem steht aber nicht Porsche drauf, und einen Hauch schlechter ausgestattet ist er ebenfalls.

Zur Cayenne-Serienausstattung zählen etwa Teilledersitze, Bergan- und Bergabfahrhilfe, E-Parkbremse, automatisch abblendende Außen- und Innenspiegel, Licht- und Regensensor, Einparkhilfe vorne und hinten, Tempomat, 100-Watt-Audiosystem, automatisches Fernlicht, Zweizonen-Klimaautomatik, kühlbares Handschuhfach etc. Dass die Extraliste trotzdem viele Seiten umfasst, versteht sich von selbst.


Testurteil

Plus


+ drehmomentstarker, leiser V6-Diesel
+ hervorragende Achtgang-Automatik
+ günstiger Verbrauch
+ viel Platz für Personen und Gepäck
+ sportlich-agiles Fahrverhalten

Minus

- stoßig-harte Federung
- Premium-Preis

Unser Eindruck

Verarbeitung: 1
Ausstattung: 2
Bedienung: 2
Komfort: 4
Verbrauch: 1
Fahrleistung: 2
Sicherheitsausstattung: 1

Resümee

Der leise, drehmomentstarke und sparsameV6-Diesel samt Achtgang-Automatik ist für den Cayenne eine sehr gute Wahl. Leistungsmangel ist kein Thema, wer auf den V8-Diesel wartet, tut dies ausschließlich aus Imagegründen.

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