Offroad

Inhalt

Alfa Romeo Stelvio 2.0 280 ATX AWD - im Test Alfa Romeo Stelvio 2017

Schönling mit Muskeln

Optisch ist der Alfa Romeo Stelvio eine Augenweide. Ob er auch mit Praxisqualität punkten kann, zeigt der Test des Top-Benziners mit 280 PS.

Text und Fotos: Ralf Schütze/mid

Hier geht's zu den Bildern

Er kam spät, aber heftig: Seit 2017 bereichert der Alfa Romeo Stelvio als schicker Allrounder den boomenden Markt der Mittelklasse-SUV. Schnell hat er sich als eleganter Praktiker bewährt und gilt inzwischen in der Topmotorisierung als schnellster SUV auf der Nürburgring Nordschleife.

Doch was hat der 2.0 Turbo-Benziner mit 280 PS auf und neben den asphaltierten Pisten drauf? Unser Test mit Hilfe des Offroad-Fachmanns Alexander Strobl vom ÖAMTC-Fahrsicherheitszentrum Saalfelden/Brandlhof (Salzburg) gibt Aufschluss darüber, ob der Alfa Romeo Stelvio über den Status des reinen Schönlings hinauskommt.

Das Design des Alfa Romeo Stelvio mit sportlicher Silhouette und lupenreinem Alfa-Gesicht wirkt durchweg überzeugend. Doch er überrascht auch mit großen inneren Werten und glänzt mit hoher Fahrdynamik. Klassenbester ist der 4,69 Meter lange Italo-SUV in vielen Disziplinen: cW-Wert (0,299), Bremsweg (37,5 Meter aus 100 km/h), Radstand (2,82 Meter) und direkte Lenkung (Verhältnis 12:1). Zu seinen angepeilten Rivalen gehört die deutsche Premium-Elite Audi Q5, BMW X3, Mercedes GLC und Porsche Macan, aber auch Jaguar F-Pace und Volvo XC60.

Italienisches Design gepaart mit hoher Fahrdynamik - seit 107 Jahren lautet so die DNA von Alfa Romeo. Seine fahrdynamischen Talente verdankt der Stelvio seiner technischen Plattform, auf der bereits die schicke und sportliche Limousine Alfa Romeo Giulia basiert.

Deshalb glänzt das Alfa-SUV unter anderem mit perfekt ausbalancierter Gewichtsverteilung (50:50 zwischen Vorder- und Hinterachse) und relativ geringem Gewicht. Er ist nur 50 Kilo schwerer als die Giulia, die ihrerseits im Klassenvergleich als Leichtgewicht gilt. Der Fahrer sitzt 19 Zentimeter höher überm Asphalt und genießt deshalb relativ gute Übersicht sowie bequemes Ein- und Aussteigen.

Was seine Benennung nach dem kurvigen Alpenpass Stilfser Joch (Italienisch: "Stelvio") an Fahrdynamik verspricht, das hält der Alfa auch auf Asphalt. Wichtig dafür: Der Allradantrieb. Normalerweise geht die ganze Antriebskraft an die Hinterachse, nur bei Bedarf wandert bis maximal die Hälfte blitzschnell nach vorne.

Der Alfa Romeo Stelvio 2.0 Turbo 4x4 entwickelt 206 kW/280 PS aus einem 2,0-Liter-Biturbo-Benziner und kostet 55.100 Euro (Deutschland: 49.950 Euro). Optisch muss sich die "bella maccina" aus Milano vor niemandem verstecken, besonders die Front überzeugt: Das berühmte Alfa-Dreieck "Scudetto" im Grill ist umgeben von sehr schmalen Scheinwerfern und großen Luftöffnungen. Daraus ergibt sich ein leicht aggressiver Look, der dem Papagallo ausgesprochen gut steht.

Nun zu den inneren Werten: Der klassenbeste (weil längste) Radstand ermöglicht einen großzügigen Innenraum, wovon Fahrer und Beifahrer sowie bis zu drei Passagiere hinten profitieren, die auch 1,90 Meter groß sein dürfen. Erstaunlich: 525 bis maximal 1.600 Liter Kofferraum sind ebenfalls ein sehr guter Wert für ein Midsize-SUV.

Hierüber ist Offroad-Profi Alexander Strobl vom ÖAMTC-Fahrsicherheitszentrum Brandlhof bei Saalfelden im Salzburger Land schon im Stand sehr überrascht, denn die elegante, nach hinten abfallende Dachlinie des Stelvio ließe anderes befürchten. Auch hat es dem Allrad-Fan das Scudetto (der charakteristisch schildförmige Kühlergrill) als Reminiszenz an Alfas Historie angetan: "Styling, Farb- und Formensprache überzeugen voll und ganz. Mit dem Stelvio können sich Individualisten aus der Masse der SUV abheben."

Was der Kies- und Schotterspezialist von einem SUV erwartet? Strobl: "Die 4,5 Kilometer lange Schotterstraße zu unserer Almhütte hinauf mit bis zu zehn Prozent Steigung, die sollte so ein Fahrzeug problemlos meistern." Ein weit verbreitetes Problem seien jedoch extrem große Felgen mit hauchdünnen Reifen, die sich manche SUV-Käufer aus optischen Gründen aufziehen lassen. Strobls Tipp: "Lieber auf die Praxis achten. Man sollte bei einem SUV nicht zuviele Zoll ordern. Ab 18 wird's auf losem Terrain kritisch."

Neben den Asphaltflächen des ÖAMTC-Geländes Brandlhof bei Saalfelden führen weitverzweigte unbefestigte Straßen den Berg hinauf. Hier macht das schicke, sportliche SUV eine überraschend gute Figur. Alexander Strobl hätte dem Alfa Romeo Stelvio nicht so viel zugetraut: "Die geschotterte Almstraße mit kleinem Mittenhügel samt Grasstreifen und Auswaschungen vom Regen ist mit dem Stelvio problemlos befahrbar. Dass sich die Achsen nur wenig verschränken, ist bei dieser Fahrzeugklasse klar und auch nicht schlimm. Die Bodenfreiheit ist absolut ausreichend."

Beim Allradantrieb Q4 auf nassem Asphalt hätte sich der passionierte Gelände- und Rallyefahrer eine deutlichere Heckbetonung gewünscht. Aber der Profi sieht ein, dass Alfas Auslegung für Normalfahrer wohl besser ist.

Ebenfalls lobenswert aus Sicht Strobls: Der 2,0-Liter-Turbomotor hängt drehfreudig und deutlich hörbar am Gas. Beim Kickdown nimmt er sich zwar eine kurze Bedenkzeit, macht dann aber richtig Druck. Seine maximal 400 Newtonmeter Schubkraft leitet der Vierzylinder schon bei 2.250 Umdrehungen je Minute an eine 15 Kilogramm Ballast sparende Kohlefaser-Kardanwelle.

Per Drehschalter (D.N.A.) wählt der Fahrer zwischen den Modi "normal", "dynamisch" und "sparsam". Dabei ändert sich die Performance von Motor, Automatik-Getriebe, Allradsystem, ESP und Lenkung. Strobl ist beeindruckt: "Mit dem Alfa-SUV kann man auf Asphalt und auf leichtem Gelände Spaß haben und ist sicher unterwegs." Es gebe zwar ausgeprägtere Spezialisten, aber die Allround-Eigenschaften überzeugten beim Italiener. Und dann ist da noch Alfa Romeos betörendes Markenzeichen. Alexander Strobl grinst: "Das Scudetto hat's mir wirklich angetan."

Fünftüriger, fünfsitziger Kompakt-SUV, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Meter: 4,69/1,90/1,65/2,82, Leergewicht: 1.660 kg, zul. Gesamtgewicht: 2.300 kg, max. Zuladung: 565 kg, Kofferraumvolumen: 525 bis 1.600 l, Tankinhalt: 64 l
Antrieb: Reihenvierzylinder-Benziner mit Turboaufladung, Hubraum: 1.995 ccm, Leistung: 206 kW/280 PS bei 5.250/min, max. Drehmoment: 400 Nm bei 2.250/min, Beschleunigung 0 bis 100 km/h: 5,7 s, Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h, Normverbrauch: 7,0 l auf 100 km, CO2-Ausstoß: 161 g/km, Achtgang-Automatik, Allradantrieb.
Österreich-Preis: ab 55.100 Euro (Deutschland: ab 49.950 Euro)

Drucken

Ähnliche Themen:

20.10.2017
Boom-Segment

Seat hat den Ibiza höhergelegt und auf gekonnt auf Crossover gestylt - herausgekommen ist ein schickes, kleines SUV namens Arona. Erster Test.

18.10.2017
Bruderherz

Der optisch polarisierende Yeti war gestern. Der 4,38 Meter lange Skoda Karoq fährt im zeitlos-eleganten Design des großen Bruders Kodiaq vor.

04.11.2015
Verspätung

Kommt vermutlich später als geplant auf den Markt: die neue Alfa Romeo Giulia. Auch der Start des ersten Alfa-SUV soll sich verschieben.

Breit, brutal, britisch Tuning: Rolls-Royce Dawn von Spofec

Tuning macht selbst vor der nobelsten Marke nicht halt: Der Rolls-Royce Dawn von Spofec gewann 13 Zentimeter an Breite und bringt es auf 686 PS.

Formel 1: News Neue Regeln sollen neue Teams anlocken

Laut F1-Geschäftsführer Chase Carey sollen die neuen Motorenregeln 2021 neue Teams in anlocken - Er rechnet mit Widerstand der existierenden Teams.

Rallycross-WM: News Ekström glaubt an WRX-Verbleib von EKS

Mattias Ekström glaubt, auch in der kommenden Saison mit seinem Team EKS in der Rallycross-WM anzutreten - Außerdem hofft er weiter auf die Hilfe von Audi.

Ritt auf der Kanonenkugel Elektro-Bike Energica Eva - im Test

Kostspielig, aber innovativ und sehr fahrspaßig: das 109 PS leistungs- und 180 Nm drehmomentstarke Elektro-Bike Energica Eva aus Modena.