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Infiniti Q30 2.0t 7DCT AWD Sport - im Test Infiniti Q30 2017

Individualisten-Express

Der Infiniti Q30 Sport 2.0t schafft es, seine technische Basis Mercedes GLA nochmals zu verfeinern. Wir testen den Individualisten-Express mit 211 PS.

Georg Koman

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Vorsicht Verwirrungsgefahr: Infiniti ist die Nobeltochter von Nissan und gehört damit zur Renault-Nissan-Allianz. Wieso findet sich dennoch viel Mercedes-Technik unter dem wohlgeformten Blech des kompakten Infiniti Q30?

Ganz einfach: Weil Renault-Nissan bei zahlreichen Modellen mit dem Daimler-Konzern kooperiert, obwohl man rein wirtschaftlich völlig voneinander getrennt ist.

Diese Kooperation betrifft primär Kleinwagen (Renault Twingo/Smart Forfour) und Nutzfahrzeuge (z.B. Renault Kangoo, Mercedes Citan). Von Renault kommt vorrangig Motorentechnik im kleinen Hubraum-Bereich, von Daimler Elektronik, Fahrwerkskomponenten etc. Doch auch Infiniti, obwohl gleich weit von Kleinwagen wie von Nutzfahrzeugen entfernt, profitiert hier. So stammt die komplette technische Basis vom Mercedes GLA.

Um den Infiniti Q30 nicht 1:1 gegen Mercedes zu positionieren, strebte man nach Höherem - im Wortsinn. Der Infiniti Q30 liegt in Sachen Bodenfreiheit auf dem Niveau des Mercedes GLA, der noch mehr in Richtung SUV getrimmte Infiniti QX30 liegt weitere zwei Zentimeter höher. Zusätzlich legten die Japaner bei der Feinabstimmung kräftig Hand an.

In Sachen Fahrwerk schuf man mit "Premium" und "Sport" zwei unterschiedliche Varianten, letztere um 15 Millimeter tiefer gelegt, gestrafft und mit einem progressiven Lenksystem versehen. Das Hingucker-Design, die Möblierung des Innenraums und vor allem die nochmals auf ein neues Level gehobene Qualität beeindrucken definitiv.

Der getestete Q30 2.0t mit Zweiliter-Turbobenziner und 211 PS ist die sportliche Speerspitze und somit folgerichtig ausschließlich in der Ausstattung "Sport" erhältlich.

350 Nm Drehmoment stehen hier bereits ab 1.200 Touren an, was für einen Sprint auf 100 km/h in 7,2 Sekunden reicht. Umgekehrt geht es dank der kraftvollen Brembo-Bremsen auch entsprechend rasch.

Wie die Eckdaten klingen, so fährt sich der von Mercedes stammende Zweiliter-Motor (befindet sich auch im GLA 250): temperamentvoll, drehmomentstark, leise - im Infiniti Q30 gefühlt noch einen Hauch leiser als im Mercedes.

Souverän agiert auch die Doppelkupplungs-Automatik - richtig: ebenfalls ein von Infiniti adaptiertes Mercedes-Produkt -, die ihre sieben Gänge hervorragend im Griff hat. Im "Eco" oder "Normal"-Modus sanft und im "Sport"-Modus schnell werden die Gänge gewechselt, nahezu immer zum richtigen Zeitpunkt und weniger nervös als bei Mercedes. Wer mag, kann via Schaltwippen selbst ins Geschehen eingreifen.

Das Fahrwerk ist auf Sportlichkeit getrimmt, die Wankneigung in Kurven hält sich daher stark in Grenzen, mit sanfter Geschmeidigkeit hat der 2.0t allerdings wenig am Hut. Kurven meistert der Kompakte mit Bravour, auch dank der serienmäßigen Progressiv-Lenkung.

Bewegungsfreiheit hat man im 4,43 Meter langen Q30 genug, lediglich bei der Kopffreiheit muss man leichte Abstriche machen: vorne aufgrund der recht hohen Sitzposition, im Fond wegen der coupéhaft abfallenden Dachlinie.

Der Laderaum liegt mit seinem Volumen von 368-1223 Litern im Kompaktklassen-Durchschnitt. Er ist nicht zerklüftet, die Heckklappe schwingt weit auf, und nach Umlegen der Lehnen (2:1 plus Durchreiche) ergibt sich eine völig ebene Fläche.

Am deutlichsten ist die enge Bindung an Mercedes bei den Bedienelementen und den Cockpit-Armaturen sichtbar. Hier scheut sich Infiniti nicht, die originalen Schalter der Schwaben samt der zum Teil ungünstigen Platzierung wie die tief angebrachten Klimaregelungs-Knöpfe und die Handbremsaktivierung auf der linken Seite der Lenksäule zu übernehmen.

Positiv: Die einfache Bedienung gibt dem Fahrer keine Rätsel auf. Der akkurat verarbeitete Innenraum mit edlen Materialien und auffälligen Steppnähten verströmt in der Kompaktklasse ungewohnten, gediegenen Luxus. Besonders Haptik-Vergnügen: der mit Alcantara überzogenen Armaturenträger.

Als Mixverbrauch gibt Infiniti beeindruckende 6,7 Liter an, im Test waren es allerdings 8,5 Liter. Wer kräftig Gas gibt, kann auch hohe 9er-Werte erreichen.

Da beim Infiniti Q30 2.0t neben der sehr ordentlichen "Sport"-Ausstattung auch Allradantrieb und Automatik selbstverständlich sind, muss man dafür schon tief in die Tasche greifen – und mindestens 40.983 Euro herausholen. Der Mercedes GLA 250 kostet fast exakt gleich viel (40.920 Euro) ist aber deutlich bescheidener ausgestattet, sodass sich unterm Strich mehrere tausend Euro Preisvorteil für den Infiniti ergeben.

Plus
+ heißt nicht nur Premium, sondern ist es auch uneingeschränkt
+ positiv auffälliges Design
+ kraftvoller, sehr leiser Benzinmotor
+ etwas mehr Bodenfreiheit als gewöhnliche Kompaktautos
+ tolle (optionale) Bose-Soundanlage
+ hervorragende Materialauswahl und Verarbeitung

Minus
- wenig Kopffreiheit, vor allem hinten
- wenig Sicht nach schräg hinten
- nur ein einziger Servicestützpunkt in Österreich

Resümee
Am Infiniti Q30 erkennt man zwar zahlreiche Mercedes-Anleihen, in ein paar Punkten gibt er sich jedoch nobler als der Stuttgarter (Geräuschdämmung, Automatik-Abstimmung, Materialauswahl). Zusammen mit dem gelungenen Design ist er absolut eigenständig und sollte aufgrund seiner geringen Straßen-Präsenz vor allem Individualisten ansprechen.

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