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Porsche Macan - Einstiegsbenziner im Test Porsche Macan 2017

Blauer Tiger

Kürzlich hat Porsche die Motorenpalette seines kleineren SUV Macan um einen 252-PS-Benziner erweitert. Wir testen das neue Einstiegsmodell.

Text und Fotos: Johannes Toth

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Als fünftes Porsche-Modell wird der Macan (das bedeutet auf indonesisch: Tiger) seit 2014 verkauft und basiert konzernintern auf dem Audi Q5. Das ist aber weder sicht- noch spürbar. Das Einstiegsmodell in die SUV-Welt von Porsche ist optisch deutlich seinen Brüdern zuordenbar.

Der Designabteilung ist der Spagat gelungen, das packende Sportwagen-Layout des 911er nahtlos und unpeinlich auf ein 4,68 Meter langes und satte 1,92 Meter breites SUV zu übertragen. Allein das agressive Haifischmaul mit der typischen Scheinwerferform schafft Überholprestige auf der Autobahn. Das knackige Heck punktet mit den spannend entworfenen dreidimensionalen Heckleuchten, hinter denen sich ein mindestens 500 Liter großer Kofferraum auftut.

Im Cockpit dann erwartungsgemäß Technik pur. Wo andere Hersteller versuchen, beinahe auf Einknopf-Bedienung umzustellen, zelebrieren die Zuffenhausener ihre vielen Knöpfchen und Schalter. Problematisch dabei ist, dass diese sich oft nur optisch, aber nicht haptisch unterscheiden. Kann anfangs passieren, dass man statt der Sport-Einstellung die Sitzheizung aktiviert. Ein sichere und „blinde“ Bedienung erfordert daher eine gewisse Anpassungszeit. Aber man kann sich an alles gewöhnen. Umso lieber an einen Porsche.

Auch sonst erwartungsgemäß Sportlichkeit pur. Der Lenkradkranz, – nicht zu dick, nicht zu dünn, liegt optimal in der Hand und wirkt durch die drei offenen Doppelspeichen schön zart. Der Drehzahlmesser mittig, weil wir sportlichen Herrenfahrer wissen anhand Drehzahl und eingelegtem Gang sowieso immer, in welchem Geschwindigkeitsbereich wir unterwegs sind und ab wann der Wegzoll fällig wird, den die Wegelagerer im Namen ihres Herrn gerechterweise einfordern.

Am Armaturenbrett oben mittig sitzt die optionale Borduhr. Sie zeigt uns Stunde und Minute digital, in einem kleinen Kreis analog und am großen Kreis die Sekunde. So weit, so elegant. Aber in einem Porsche kann man das Instrument auch zum Stoppen verwenden, um die Rundenzeit zu verbessern. Auf der Nordschleife, auf unserer Hausstrecke oder auf dem Weg zum Bäcker.

Das Investment in die Borduhr mit dem zugehörigen Sport Chrono Paket ist sicher eines der lohnenswertesten in der langen Extraliste. Um wohlfeile 1.252 Euro beinhaltet dieses auch den Sport Plus Modus, in dem der Motor bissiger wird, die Schaltzeiten der 7-Gang Doppelkupplungs-Automatik verringert werden, sowie Dämpfung und Lenkung härter und direkter reagieren.

Bei allem Respekt vor der Technik und den Tüftlern würden wir doch manchmal nur zu gern einen dieser Nerds genauer befragen, warum manche Schalter seltsam versteckt angeordnet wurden und warum das keinem aufgefallen ist, bevor das Auto in Produktion ging.

Nein, wir reden jetzt nicht vom Zündschlüssel, der links vom Lenkrad sitzt und also mit der linken Hand bedient werden muss. Das ist bekannte Porsche-Heritage, die zumindest historisch mit dem Vorteil beim Le Mans Start begründet werden kann.

Aber da ist zum Beispiel der Schalter für die Lenkradheizung, der unten auf der Innenseite des Lenkradkranzes sitzt und beim Lenken immer wieder irrtümlich betätigt wird. Oder der Schalter zum Deaktivieren der Parkassistenz-Piepser: in der Dachkonsole neben dem Schiebedachschalter. Zumindest ein Vorteil drängt sich auf. Damit gewinnt man jede Wette am Stammtisch: „Den Schalter findest du nie!“

Aber geschenkt: in einem Porsche geht es ja hauptsächlich ums Fahren. Die Lenkung ist leichtgängig und schön direkt, weist jedoch einen großen Wendekreis auf. Die optionale Luftfederung ist straff und bietet das Plus, das Fahrzeug im Gelände anzuheben und den Bürzel zum Beladen abzusenken. Überhaupt ist alles knackig in diesem Auto. Die Sitze empfinden nicht nur Weichlinge als hart.

Das optionale Bose-Soundsystem tönt sehr fein, bekommt aber ordentlich Konkurrenz durch die zu öffnenden Auspuffklappen. Da das dann schön laut röhrt, ist das eher was für die flotten Runden alleine. Für den Familienausflug empfehlen wir Bose, sonst stöhnt die Teenager-Tochter bald einmal „ich krieg Kopfweh“.

Besonders erwähnenswert ist, dass Porsche hier erstmals zu einem verhältnismäßig kleinen Motor aus den Konzernregalen greift. Ein Vierzylinder mit zwei Litern Hubraum war für die SUV-Modelle der Sportwagenschmiede bisher undenkbar. Offensichtlich möchte man aber auch im Teich der Kompakt-SUV fischen und ein zum Mitbewerb kompetitives und interessantes Modell anbieten.

Der Ottomotor im Einstiegsmodell leistet 252 PS bei 370 Nm Drehmoment. Die Maxmalgeschwindigkeit liegt bei 229 km/h und die Beschleunigung mit dem erwähnten optionalen Chronopaket wird mit 6,5 Sekunden angegeben. Das klingt nicht übel, kommt bei uns aber gefühlsmäßig nicht ganz so flott rüber.

Besonders Fahrern, die sich viel auf deutschen Autobahnen tummeln und sich mehr im oberen Geschwindigkeitsbereich bewegen, würden wir einen stärkeren Motor empfehlen, da der Basis-Motorisierung ab ca. 170 km/h ein wenig der Biss ausgeht.

Um mit einem Einstiegs-Macan vom Händler nach Hause zu fahren, sollte man zumindest 65.443 Euro mitbringen. Damit er auch noch so toll ausgestattet ist wie unser Testwagen, – unter anderem mit 21 Zoll Rädern um 5.770 Euro, Luftfederung um 3.072 Euro, Parkassistent mit Rundum-Kameras um 2.392 Euro oder Sportabgasanlage um 2.808 Euro – wären etwa 102.300 Euro vonnöten.

Unsere Empfehlung wäre, bei der Sonderausstattung 5.000 zu sparen, und gleich den Macan S Diesel mit drei Litern Hubraum und deutlich mehr Drehmoment (580 Nm) um rund 70.000 Euro mitzunehmen. Und wer findet, dass Porsche und Diesel gar nicht zusammengeht, legt nochmals 5.000 drauf und lässt sich den Macan S mit 340 Benziner-PS und sechs Zylindern um rund 76.000 Euro einpacken.

Den kombinierten Verbrauch gibt der Hersteller übrigens mit 7,4 Litern auf 100 Kilometer an. Unser Testwert liegt bei 9,5 Litern. Im echten Leben eines passionierten Porsche-Fahrers kann dieser Wert jedoch leicht einmal die Zehn-Liter-Marke übersteigen.

Plus
+ herausragend sportliche SUV-Optik
+ sportlicher Charakter ist in jedem Teil des Autos spür- und sichtbar
+ vernünftige Platzverhältnisse
+ optionale Sportabgasanlage mit aktivierbarem Sport-Sound ist ein akustisches Highlight

Minus
- Unzahl an - teils auch noch versteckten - Bedienknöpfen
- Fahrleistungen hinken der sportlichen Optik in manchen Situationen hinterher
- teure Extras

Resümee
Der Macan bietet trotz Vierzylinder-Motor richtiges Porsche-Feeling, kombiniert mit sämtlichen SUV-Eigenschaften. Dass die Einstiegsmotorisierung den sportlichen Erwartungen nicht ganz gerecht wird, ist für viele Interessenten eventuell zweitrangig. Drehmoment-Freunde sollten die 5.000 Zusatz-Euro für den V6-Diesel drauflegen.

Weitere Testdetails:

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