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BMW X2 xDrive20d M Sport X - im Test BMW X2 2018

Goldstück

Die von BMW selbstgeschaffene Nische der SUV-Coupés wurde mit dem X2 nach unten ausgebaut. Was er kann, testen wir anhand des 190-PS-Diesels.

Text und Fotos: Johannes Toth

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Jedesmal, wenn ein wichtiges neues Modell präsentiert wird, müssen sich die Designer und die Marketingleute unter vielen anderem eine grundsätzliche Frage stellen, die nur auf den ersten Blick einfach erscheint: In welcher Farbe wird unser Neuer inszeniert?

Denn der Farbton legt ein Image vor. In dieser Farbe steht das Auto erstmals bei den Automobilshows, in dieser Farbe glänzt das Auto von Anzeigen und Plakaten, und in dieser Farbe erscheint das Auto auf den ersten Pressefotos.

Nun, in unserem Fall also Galvanic Gold Metallic. Sieht mutig aus. Kann was. Bleibt nur zu hoffen, dass der X2 nicht wieder nur in schwarz, weiß oder silber bestellt wird. Da die Zielgruppe von BMW mit „jung, junggeblieben, urban und aktiv“ angegeben wird, bleiben wir diesbezüglich optimistisch.

Überhaupt ist die gesamte Designsprache des neuen Sports Activity Coupés nicht unbedingt leise. An der Front wurde die BMW-Niere erstmals unten breiter gezeichnet als oben. Seitlich haben die Radhäuser eine rechteckige Anmutung. Als Krönung und besondere Ehre soll dem X2 das BMW-Logo auf der C-Säule gereichen. Das durften bisher nur die schönsten Coupés so stolz tragen.

Innen geht es im selben Ton weiter: Das Armaturenbrett zeigt sich serienmäßig mit Kontrast- und Ziernähten. Sitze und Seitenverkleidungen sind wie in unserem Testwagen optional mit sechseckig abgenähtem Muster und ebenfalls Ziernähten erhältlich. Das große Display über der Mittelkonsole informiert mit übersichtlichen Kacheln, die sich individuell anordnen lassen, sodass jeder Fahrer seine Basisinformationen sofort im Blick hat. Einzig bei den ungewöhnlich dicken Gurtschnallen haben die Ausstatter offenbar ins falsch Regal gegriffen: die irritieren in diesem Auto etwas.

Und weil wir grad beim Nörgeln sind – der Tempomat mit automatischem Abstandshalter lässt sich nicht auf über 140 km/h einstellen. Zumindest in Deutschland einschränkend. Übertrieben bevormundend ist die Eigenart der Bayern-Automatik-Getriebe, bei Öffnen der Türen selbstständig von D auf P zu schalten, sodass ein Fahren mit geöffneter Fahrertür nicht möglich ist. Das kann beim Reversieren und beim Positionieren in Waschstraßen schon mal nerven.

Im Inneren fühlen uns wie in einer Wohnhöhle. Die Sicht nach schräg vorne ist durch die dicke A-Säule und die fetten Außenspiegel etwas eingeschränkt. Nach hinten ist es naturgemäß nicht besser. Die mächtige C-Säule und das schräge kleine Heckfenster lassen wenig Information über die Umwelt hinter uns zu. Hilfreich ist die optionale Rückfahr-Kamera.

Leider sind viele der Annehmlichkeiten des schönen BMW-Lebens nur optional erhältlich. So zum Beispiel das farbige Headup-Display, das die Navigationshinweise, die gerade gefahrene Geschwindigkeit, Überholverbote und die aktuelle Geschwindigkeitsbegrenzung zeigt. Die dazu nötige Verkehrszeichenerkennung funktioniert nicht immer zuverlässig.

Die Sitzposition ist SUV-mäßig sehr hoch und aufrecht, wiewohl trotzdem sportliches Feeling aufkommt. Die Bremsen agieren kraftvoll, wenn auch giftig, und das Fahrwerk ist ausgesprochen straff.

Was komfort-orientierte Insassen eventuell stört, dient auf flotten, kurvigen Landstraßen und schlechtem Belag dazu, dass trotz des systembedingt hohen Aufbaus keine Wankbewegungen enstehen und sich der X2 sehr stabil und sicher bewegen lässt. Auf der Autobahn ergibt sich ein sattes Fahrgefühl und es gibt kein Versetzen auf schnell gefahrenen Kurven mit Querrillen.

Der BMW X2 xDrive20d hat mit seinem Allradantrieb – ohne Zusatzausstattungen – immerhin 1.600 kg Leergewicht rumzuschleppen. Man würde erwarten, dass sich der Zweiliter-Dieselmotor ein bissl schwer tut. Dem stehen allerdings 190 PS und 400 Nm Drehmoment entgegen, was die Angelegenheit sehr spritzig macht. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in 7,7 Sekunden, auf freier Wildbahn lautet die Höchstgeschwindigkeit 221 km/h.

Das automatische 8-Gang-Getriebe ist serienmäßig und reicht die Gänge ansatzlos, schnell und feinfühlig durch. Wer eingreifen will, tut das mit den Abstimmungsvoreinstellungen Eco Pro, Comfort und Sport oder mit den Schaltwippen am Lenkrad.

Das Platzangebot ist auch hinten sehr gut, unter anderem wegen der platzgewährenden Wölbungen in den Lehnen der Vordersitze. Die Rücksitzlehnen sind nicht nur umleg-, sondern auch neigungsverstellbar. Dadurch ergibt sich die Qual der Wahl: lieber Bequemlichkeit fürs Gepäck, oder doch eher für die Mitfahrer. Wer sich halt früher beschwert.

Der Kofferraumboden ist aufklappbar und gibt nochmals ordentlich Stauraum im Kellerfach her (insgesamt: 470-1355 Liter). Aber: Weder ein Ersatzreifen, noch Notrad noch Kompressor sind an Bord. Ist in diesm Fall auch nicht nötig: Die montierten Runflat-Reifen verhindern das Liegenbleiben mit beschädigten Gummis und ermöglichen eine langsame Weiterfahrt bis zur nächsten Werkstatt.

Bezüglich Verbrauch spricht BMW – mit Serienrädern – von 4,8 Litern auf 100 km. Mit engagierter Testfahrweise kamen wir trotz der hohen Modellbauart und optionalen 20 Zöllern auf herzeigbare 6,9 Liter.

Für 27.344 Euro bekommt man das Einstiegsmodell X2 sDrive18i mit 140 Benzin-PS. In diesem Fall muss ein BMW-Jünger allerdings sehr stark sein. Denn der kommt mit einem Dreizylinder-Motor und Frontantrieb. Unser allradgetriebenes Testauto X2 xDrive20d gibt es in Basisausstattung um 44.750 Euro. Wenn der Wagen so fein ausgestattet ist wie unser Testfahrzeug "M Sport X" (mit M Sport X Exterieurpaket, LED-Haupt- und Nebelscheinwerfern, 19-Zoll-Rädern, sowie Sportfahrwerk, -Sitzen und -Lenkung), dann fallen bereits 51.799 Euro an, von den zahlreichen weiteren Extras des Testwagens gar nicht zu reden.

Plus
+ sportlich-straffes Fahrwerk
+ für ein SUV hohe Kurvengeschwindigkeiten möglich
+ ausgezeichnete 8-Gang Steptronic
+ gute Platzverhältnisse
+ ordentlich großer Kofferraum

Minus
- schlechte Rundumsicht
- Heck-Kamera optional erhältlich – Front- oder seitliche Cams nicht
- sehr viele feine Dinge nur gegen Aufpreis erhältlich

Resümee
Wer es dezent mag, sollte den X2 zumindest nicht in gold bestellen. Wer ebenso extrovertiert ist, wie BMW sich die Zielgruppe vorstellt und über das nötige Spielgeld verfügt, sollte ihn in jedem Fall genau so ordern und gleich das formidable M Sport X Paket dazunehmen. Das erwartet sportliche Fahrverhalten ist dann jedenfalls mit an Bord.

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