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Rallye-ÖM: Waldviertel

Gschwandner: Ein Schiff wird kommen ...

Endlich, nach Monaten der Abstinenz, war es wieder soweit: Das Schwedenschiff von Gschwandner/Cerny wurde gegen Norden transportiert!

Foto: Werner Schneider

Und zwar in ein Geläuf, welches prädestiniert ist für die Volvos, ja quasi die Geburtsstunde der Elchquertreiberei in Österreich darstellt. Feinste Schotterstraßen und der Antrieb hierfür auf der richtigen Seite.

So freute sich das Team Gschwandner/Cerny auf eine schöne druckfreie Rallye, zumindest dachte sich das der Fahrer so. Wäre da nicht kurz vor dem Start der Herr Beifahrer beim Studieren der Nennliste auf die Idee gekommen, er könne noch den dritten Platz in der Beifahrerwertung im historischen Pokal belegen.

Also lautete die Marschrichtung: Spaß haben, aber auch ein bissl brav sein, und hin und wieder zwecks halbwegs respektabler Zeiten doch auch gerade zu fahren. Dies nahm die Servicecrew mit Wohlwollen zu Kenntnis, war man doch im Vorfeld der Rallye schon der Überlegung nahe, kurzfristig Scheibenwischer auf den Seitenscheiben homologieren zu lassen ...

Zudem kam noch, dass man auch nach längerer Zeit wirklich wieder Konkurrenz bekam, standen doch drei weitere Volvos am Start. Leider quittierte die Handbremse frühzeitig den Dienst, so das man von Anfang an nur mit viel Hauruck, sprich dezenten Gegenpendeln um die engen Ecken kam.

Nach der ersten Sonderprüfung stand man ganz vorne in der Liste der Volvos. Derart motiviert, erstieg man den Manhartsberg. Das bergauf vorhandene Leistungsdefizit wurde bergab wieder wett gemacht.

Das schönste Kompliment für den Fahrer war, wenn der Herr Vorleser einen Abzweig im Schrieb wiederholte, quasi als höfliche dezente Umschreibung von "des geht sie sunst nie aus" ... es ging sich aus.

Am Ende des ersten Tages machte sich ein leichter Leistungsverlust bemerkbar. Gleichzeitig machte der Motor via akustischer Untermalung seiner Ventilbewegungen darauf aufmerksam, man möge ihn den Großteil der Strecke vielleicht etwas weniger brachial in Vollgasstellung verharren lassen.

Die letzte SP in der Nacht wurde auf Grund eines Unfalls neutralisiert, worauf beim Fahrer ein leicht flaues Gefühl die Magengegend heimsuchte, galt es denn nun im Dunklen geschwind durch das mystische Waldviertel die richtige Alternativroute zu finden. Aber wenn man einen Herrn Vermessungsbeamten als Co hat, ist auch dies ein Kinderspiel, und so navigierte er wie ein zu Menschenfleisch gewordenes Terratrip durch die dunkle Nacht.

Man staunte nicht schlecht als man am nächsten Morgen die Startzeit eine Minute vor einem Evo aus dem Hause Gaßner bekam. Pilotiert wurde der blau gelbe Fernostbomber von einem Debütanten im Rallyezirkus, der aber von niemand geringeren als Stohl Vater vorgebetet bekam.

Vor der langen Sonderprüfung richtete man sich nochmal genau die Spiegel um den heran brausenden Evo Platz machen zu können.

Der Evo kam allerdings erst beim Stop!

Im zweiten Durchgang dieser traumhaften Sonderprüfung, musste man im Mittelteil etwas Fahrt herausnehmen, da ein vor dem Volvo startender Peugeot 205 ein jähes Ende an einen Baum fand, etwas übereifrig versprühte man dort einen Feuerlöscher, was die Sicht kurzfristig Null werden ließ.

Nun kam fünf Kilometer vor dem Ziel doch der Evo immer näher, bei erstbester Gelegenheit machte man demütig Platz; Gaßner Evo plus Rudi Stohl – welch ehrfürchtige Kombination!

Der Fahrer bedankte sich vor der abschließenden Superspecial höflich, nicht aber ohne auch seiner Furcht Ausdruck zu verleihen, in dem er meinte, beim Hinterherfahren war er nie sicher in welche Richtung der Volvo abfliegen werde. Man erklärte ihn, wenn keine Stange zwischen vorne und hinten ist, welche allen Vieren Antrieb verschafft, sei so ein Fahrverhalten ganz normal ...

Die abschließende Superstage verlor man gegen einen deutschen Volvokollegen um nur eine Wagenlänge, was aber bei den Abmessungen der Schwedenschiffe gleichzusetzen mit zwei Sekunden ist. Der 38. Gesamtrang sowie der 2. Platz im historischen Pokal hat gezeigt, was auch mit einem Low Budget, aber Riesen-Spaßfaktor das Auto betreffend, möglich ist.

Ach ja, der Herr Beifahrer hat seinen dritten Platz in der Jahreswertung bekommen – Gratulation! Ein besonderer Dank gilt dem hervorragenden Serviceteam, der mitgereisten Frau samt Fananhang, sowie dem Sponsor, ohne dessen materielle Unterstützung diese Rallye nicht zu realisieren gewesen wäre.

Ebenso Dank gebührt Helmut Schöpf und seinem Team, die gezeigt haben, was in Österreich möglich ist, wenn man als Rallyeveranstalter nicht nur reagiert, sondern agiert, um den Teilnehmern die schönsten Sonderprüfungen bieten zu können.

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