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Rallye-WM: Neuseeland

Stohl-Comeback am anderen Ende der Welt

Mit dem einmaligen Comeback von Manfred Stohl wird die Neuseeland-Rallye zum absoluten WM-Highlight in Österreich. Schlaflose Nächte sind angesagt…

Michael Noir Trawniczek
Foto: Johann Vogl, Photo4

Auf der Nennliste steht immer noch ihr Name – Tina Maria Monego als Co-Pilotin von Manfred Stohl, dafür Ilka Minor mit Henning Solberg. Doch Solberg musste seine Teilnahme bekanntlich wieder einmal absagen, womit Stohl mit seiner angestammten Co-Pilotin Ilka Minor das Abenteuer Neuseeland in Angriff nimmt. Erstmals seit Wales 2007 startet Stohl wieder bei einer WM-Rallye, erstmals seit 2007 sitzt er wieder in einem World Rally Car…

Tina Maria Monego wird am kommenden Wochenende von Österreich aus mitfiebern. Dass ihr mögliches WM-Debüt ins Wasser fiel, hat sie längst verdaut: „Freilich wäre ich gerne in Neuseeland gefahren, aber es hat eben nicht sein wollen – jetzt drück ich natürlich ganz fest die Daumen und werde auch via Live Timing mitfiebern.“ Lachend fügt Monego hinzu: „Nur um eines beneide ich Manfred und Ilka nicht: die Temperaturen!“

Denn in Neuseeland herrscht gerade tiefster Winter und zurzeit hat es rund um Auckland zwischen fünf und zehn, maximal 15 Grad Celsius. Die Rallye wird zu einem großen Teil auf den berühmten Schotterstraßen abgehalten, deren Schotter man gerne als „rollig“ bezeichnet, sehr viel loser, feiner Schotter. Lediglich auf den Verbindungsetappen wird auch auf Asphalt gefahren.

13 World Rally Cars werden in Neuseeland antreten. Der Lauf in Neuseeland zählt auch zur SWRC und zur PWRC.

Weltmeister Sebastien Loeb gerät ins Schwärmen: „Diese Rallye ist wohl die Krönung, wenn es um das Fahren auf Schotter geht. Sie ähnelt ein wenig der Veranstaltung in Finnland, nur dass die Bäume viel weiter abseits der Straßen stehen.“

Zweimal konnte Loeb, bei sechs Starts, bereits in Neuseeland den Sieg holen. Loeb weiß: „Es ist eine Rallye, bei der du pausenlos attackieren musst. Gibst du einmal nicht 100 Prozent, siehst du das sofort an den Zeiten.“

Citroen-Teamkollege Mikko Hirvonen sagt knappe Zeitabstände voraus: „Es gibt hier keinen rauen Schotter, es ist daher unwahrscheinlich, dass einer aus dem Spitzenfeld technische Probleme haben wird. Zudem wird hier von Anfang an Vollgas gefahren, die Zeitabstände werden daher gering sein.“

Ford-Werkspilot Jari Matti Latvala hat die letzte Neuseeland-Rallye (wurde zuletzt 2010 abgehalten) gewonnen und spricht den schwierigen ersten Tag an, an dem es zu Mittag lediglich ein 15 Minuten langes Remote-Service gibt: „Der erste Tag wird wirklich hart. Die einzelnen Prüfungen sind sehr lang, und wenn ein Problem auftritt, dann steht uns nur eine einzige kurze Reparaturmöglichkeit zur Verfügung. Also kommt es darauf an, das Auto und die Mechanik zu schonen.“

Der zweite Ford-Pilot, Petter Solberg, möchte seinem neuen Team endlich den ersten Sieg bescheren.

Solberg sagt: „Winter in Neuseeland bedeutet für uns, dass es vergleichsweise kalt sein wird. Dies macht es nicht einfacher, die härtere Laufflächenmischung der Michelin-Schotterpneus auf Temperatur zu bekommen. Auf der anderen Seite ist es aber so, dass unser Fiesta RS WRC mit den härteren Pneus sehr gut funktioniert.“

Und schließlich: „Ich will endlich gewinnen und Neuseeland wäre dafür die richtige Rallye. Ich bin überzeugt, dass dieser Erfolg längst überfällig ist."

Ebenso top motiviert ist aber auch Dani Sordo, der den einzigen Prodrive Mini pilotieren wird. Das Team setzt die modifizierte B-Variante des John Cooper Works WRC ein, Sordo möchte damit den Sieg holen und sagt: „Loeb ist sehr stark und Hirvonen macht Fortschritte mit dem Citroen DS3. Die Ford-Piloten Latvala und Solberg werden sich auch mit nichts anderem als dem Sieg zufrieden geben.“

Bei den M-Sport Ford-Piloten Ott Tänak und Evgeny Novikov geht es wohl eher um das Sammeln von Erfahrungen: Der Este fuhr noch nie in Neuseeland, der Russe fuhr dort zuletzt im Jahr 2008.

Thierry Neuville vertritt beim Quatar Citroen-Team Nasser Al-Attiyah, der sich auf die olympischen Spiele in London vorbereitet, wo er im Tontaubenschießen antritt. Neuville fährt ebenfalls zum ersten Mal am anderen Ende der Welt und hat sich mit dem Studium von Onboardaufnahmen vorbereitet.

Dazu kommen noch die Mini Portugal-Piloten Armindo Araujo und Paulo Nobre, Jari Ketomaa und Ken Block, der sich nach seiner langen WM-Pause „eingerostet“ fühlt und die Rallye zunächst langsam angehen möchte.

Die gleiche Strategie also wie bei Manfred Stohl und Ilka Minor. Stohl möchte sich am ersten Tag mit dem Auto vertraut machen und wird auf den ersten Sonderprüfungen sicher nicht auf die Zeiten achten.

Im ausführlichen Interview mit motorline.cc (in der Navigation oben rechts) hat Stohl ein Szenario skizziert: Beim Qualifying-Shakedown muss er quasi ins kalte Wasser springen, somit rechnet er mit einem vorderen Startplatz.

„Und nirgendwo wird die vordere Startposition so bestraft wie in Neuseeland“, weiß der achtmalige NZL-Starter. Die ersten drei Piloten müssen den losen Schotter von den Straßen fegen und erleiden eine erhebliche Zeiteinbuße.

Außer allerdings, es würde regnen. Während Stohl im Motorline-Interview nicht mit Regen rechnete, wird auf der offiziellen WRC-Website Regen prophezeit. Für Manfred Stohl und Ilka Minor wäre das ein „Geschenk des Himmels“.

Der Reifenhersteller Michelin stellt jedem Teilnehmer zehn Reifen der Mischung „Soft“ zur Verfügung, die im Regen eingesetzt wird, 25 „Hard“-Pneus stehen ansonsten zur Verfügung.

Weil er für den ersten Tag eine schlechte Startposition befürchtet, rechnet Stohl auch mit den starken S2000-Piloten – schließlich hat er 2007 bereits die Erfahrung gemacht, dass ihm als „Straßenfeger“ sogar Gruppe N-Autos „um die Ohren“ fuhren.

Im S2000- respektive SWRC-Feld sind fünf Piloten am Start: Als stark einzuschätzen sind Hayden Paddon im Skoda Fabia S2000 sowie die beiden Proton-Werkspiloten Per Gunnar Andersson und Alister McRae.

In der PWRC gelten Valery Gorban und Ricardo Trivino als Favoriten. Mit Ramona Karlsson und Emma Gilmour sind auch zwei Damen am Start.

Eröffnet wird die Rallye im Grunde schon am Donnerstagvormittag, mit dem erwähnten Qualifying, das von 8 Uhr bis 11 Uhr Ortszeit (Mittwoch, 22.28 Uhr bis Freitag 1.28 Uhr MESZ) abgehalten wird.

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Drei Österreicher in der Nennliste Drei Österreicher in der Nennliste Endbericht Citroen Endbericht Citroen

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