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ERC/ORM: Jännerrallye 2013

Kopecky gewinnt spannende 30. Jännerrallye

Mit einem finalen „Teufelsritt“ konnte Kopecky das Blatt wenden und seinen Vorjahressieg wiederholen. Baumschlager Dritter. Danzinger mit 2WD-Sieg.

Michael Noir Trawniczek
Foto: Daniel Fessl/www.motorline.cc

Nach dem wettermäßig turbulenten Freitag herrschte am zweiten Tag der 30. Jännerrallye Stabilität: Es regnete quasi den gesamten Samstag über – nach den ersten drei Prüfungen sah es nach einem neuerlichen Triumph für Vorjahressieger Jan Kopecky aus.

Doch auf SP 15 zog sich der tschechische Skoda-Werkspilot einen Reifenschaden zu, was ihn rund eine Minute kostete, plötzlich lag der Franzose Bryan Bouffier in Führung. So kam es letztendlich zu einem spannenden Schlagabtausch, einem „Grande Finale“ auf der finalen „Aisttal“-Prüfung.

10,6 Sekunden fehlten Kopecky auf Bouffier. Der Franzose meinte, er könne um zehn Sekunden langsamer als Kopecky sein, um am Ende den Sieg zu holen. Doch Kopecky fuhr wie bereits im ersten „Aisttal“-Durchgang „wie der Teufel“ (Zitat Bouffier), der Tscheche knöpfte dem Franzosen 11,1 Sekunden ab und feierte somit seinen erneuten Sieg in Freistadt – mit dem winzigen Vorsprung von lediglich fünf Zehntelsekunden!

Sieger Kopecky stufte die Jännerrallye 2013 als „eine der schwierigsten“ ein, obwohl oder sogar weil es nur selten Schnee als Untergrund gab: „Wir hatten Schnee, Eis, Regen, Aquaplaning, Nebel – das machte diese Ausgabe der Jännerrallye so schwierig. Auf der letzten Prüfung blieb mir nichts anderes übrig, als voll zu attackieren, denn wir haben im Auto keine Split-Zeiten der Konkurrenten zur Verfügung.“

Bouffier wiederum konnte sich auch über den zweiten Platz freuen – schließlich konnte der Franzose sein Können unter Beweis stellen, der Peugeot-Pilot hofft nun auf weitere Unterstützung durch die Sponsoren, denn noch sind keine weiteren Rallyes vorgesehen. „Mein Budget beträgt derzeit null Euro – ich kann nur hoffen, dass es dennoch weitergeht“, zuckte der 34-jährige mit den Achseln.

Baumschlager mit wichtigem Punktevorsprung

Raimund Baumschlager konzentrierte sich am Samstag lediglich darauf, den dritten Gesamtrang zu halten, denn für den Red Bull Skoda-Piloten stand die österreichische Meisterschaft im Vordergrund, nachdem er am Freitagvormittag mit der Spitze und damit auch mit dem Werks-Skoda mithalten konnte.

Ein sichtlich zufriedener Raimund Baumschlager gab am Ende zu Protokoll: „Das war meine schwierigste Jännerrallye. Der Spagat zwischen Attacke und Ankommen im Hinblick auf die heimische Meisterschaft war nicht einfach. Aber ich freue mich, hinter zwei absoluten Spitzen-Werkspiloten platziert zu sein.“

Wichtig war für Baumschlager auch, dass er vor seinem Konkurrenten Beppo Harrach landet, was ihm auch gelungen ist, mehr noch: Der Mitsubishi-Pilot wurde hinter Vaclav Pech Fünfter, was für Baumschlager besonders wichtig ist: „Normalerweise, in der ÖM, liegt ja niemand zwischen mir und Beppo, der Punkteunterschied zwischen Platz eins und Platz zwei beträgt bei uns nur zwei Zähler - umso wichtiger ist der vierte Platz von Vaclav Pech – denn das ergibt einen Punkteunterschied zwischen mir und Beppo, der am Jahresende entscheidend sein könnte.“

Harrach gewinnt Production Cup & Colin McRae-Trophy

Beppo Harrach erlebte keine unkomplizierte Jännerrallye – nachdem das Ditech Rallye Team das Setup komplett umgebaut hatte, lief es am Samstag dann weitaus besser für den Vizestaatsmeister, der sich am Samstag von Platz sieben auf Platz fünf verbessern und zudem den Production Cup der ERC gewinnen konnte – mit lediglich 1,1 Sekunden Vorsprung auf den polnischen Champion Kajetan Kajetanowicz im Subaru Impreza WRC STI R4.

Harrach wurde für seinen Kampfgeist von den ERC-Promotoren Eurosport mit der „Colin McRae Flatout Trophy“ ausgezeichnet, im Rahmen der abschließenden Pressekonferenz erklärte er: „Colin McRae war ein großer Held für mich, denn er fuhr immer Vollgas. Wir hatten gestern große Probleme, die Windschutzscheibe beschlug sich, wir waren am Ende des Tages nur Siebente – aber wir haben am Samstag weitergekämpft, haben ebenfalls Vollgas gegeben und konnten noch zwei Plätze gutmachen. Die Trophäe ist eine große Ehre für mich.“

Delecour & Blomqvist enttäuschen

Unzufrieden zeigte sich der frühere Vizeweltmeister Francois Delecour: „Wir hatten Probleme mit unserem Auto, es war eine schwierige Rallye für mich.“ Falsche Reifenwahl, Stempelfehler, Frühstart – so ging sich für den Kronos Peugeot-Piloten lediglich Platz sieben gesamt aus.

Die tschechischen Piloten Jaroslav Orsak, Jaromir Tarabus und Pavel Valousek belegten die weiteren Punkteränge der neuen ERC.

Der legendäre Stiq Blomqvist kam diesmal über Platz zwölf nicht hinaus. „Es war okay“, bilanzierte er in seiner gewohnt schmallippigen Art - unausgesprochen blieb, dass sich der von einem heimischen Konditor eingeladene Ex-Weltmeister auf Schnee und Eis weitaus wohler gefühlt hätte und er trotz seiner 66 Jahre wohl in den Top 10 hätte mitmischen können…

Österreicher zeigen auf

Als drittbester Österreicher konnte Gerhard Aigner im Mitsubishi Lancer Evo IX auf Gesamtrang 14 die Rallye beenden. Auf dem 15.Gesamtrag der ERC wird Hannes Danzinger geführt, doch absolut belegte diese Platzierung Mario Klepatsch mit 19:51 Minuten Rückstand, der Evo V-Pilot holte auch den Sieg in der Klasse 12.

Aufzeigen konnte auch Johannes Keferböck, der auf einem weiteren Evo IX den 16. Gesamtrang belegen konnte. Martin Desl wurde auf einem Evo VII absolut gerechnet Gesamt-18., Christian Riegler landete absolut gerechnet auf Platz 21.

Lokalmatador Niki Glisic (siehe Foto links) erfreute mit seiner spektakulären Fahrweise ebenso wie der erwähnte Klausner und einige weitere Piloten die Herzen der Freistädter Rallyefans…

Danzinger triumphiert in der 2WD

In der 2WD fuhr Hannes Danzinger einem klaren Sieg entgegen, während Hermann Neubauer nach einem Abflug leer ausging.

Doch auch Danzinger erlebte auf der vorletzten Sonderprüfung noch eine Schrecksekunde in Form eines Reifenschadens, der Schlager Clio-Pilot konnte aber aufgrund seines hohen Vorsprungs seinen ersten ERC-Klassensieg sichern.

Elwis Chentre im Skoda Fabia R2 landete mit rund sechs Minuten Rückstand auf Danzinger auf Platz 2 der 2WD, ein ungarischer Honda Civic-Pilot wurde Dritter der Zweiradwertung.

Einen Podiumsplatz der 2WD hätte neben dem unglücklichen Hermann Neubauer auch Raphael Sulzinger verdient, der im Ford Fiesta R2 anfangs sogar mit den R3-Piloten mithalten konnte, dann aber aufgrund von technischen Problemen auf Platz vier der 2WD zurückfiel.

Zahlreiche Ausfälle

Die schwierige 30. Jännerrallye forderte zahlreiche Ausfallsopfer: Mario Saibel fiel auf SP 1 mit Technikdefekt aus, Michael Böhm wurde auf SP 2 ein Opfer der Elektronik, Walter Mayer mit Unfall auf SP 2.

Jungtalent David Glachs ärgerte sich über seinen Abflug auf SP 3, auch Ernst Haneder verunfallt auf dieser Prüfung. Aaron Burkart musste auf der gleichen SP seinen Lancia abstellen, Kris Rosenberger ereilte ein Defekt auf SP 4, Martin Semerad musste nach SP 8 wegen Problemen mit der Elektronik) aufgeben, Michal Solowow ereilte auf der gleichen SP ein technischer Defekt), Antonin Tlustak musste nach SP 10 wegen gesundheitlichen Gründen aufgeben.

Traurig auch der Unfall von Martin Fischerlehner auf SP 12, denn der frühere Radrennfahrer konnte bis dahin mit tollen Zeiten glänzen. Wie bereits erwähnt sah auch Hermann Neubauer keine Zielrampe, da er auf SP 14 von der Strecke abkam, Jan Cerny flog schließlich auf der letzten Prüfung ab.

Simon Wagner das Talent der Zulunft

Mächtig aufzeigen konnte der erst 19-jährige Simon Wagner, der im Evo III am Freitag auf SP 3 die absolute Bestzeit markieren konnte. Nach einer Zeitstrafe und einem Abflug musste er die Fahrt am Samstag unter Superally fortsetzen, um weitere wichtige Kilometer im Rallyeboliden abzuspulen.

Wagner meinte am Ende der Rallye: „Eine SP-Bestzeit auf einem Evo III als 19-jähriger sollte doch eigentlich ausreichen, um die nötigen Sponsoren zu finden, damit ich weitere Rallyes bestreiten kann. Ich habe zwar ein Werkscockpit im Tourenwagen, doch mein Herz gehört dem Rallyesport.“ Ein besseres Schlusswort gibt es nicht…

Staber zieht positive Bilanz

OK-Chef Ferdinand Staber zog eine positive Schlussbilanz, die 30. Jännerrallye als Auftakt zur neu erstarkten Europameisterschaft konnte sich sehen lassen: „Wir haben wieder enorm viele Zuschauer gehabt, sie alle waren trotz des miesen Wetters gekommen, um bei diesem EM-Auftakt dabei zu sein. Vordergründig war für uns die Sicherheit an der Strecke, diesbezüglich hat alles vorzüglich geklappt."

"Darüber hinaus gab es sportlich viele spannende Höhepunkte, dies schon allein durch die erstklassige Besetzung. Damit war es möglich den vielen Fans Rallyesport der Extraklasse zu bieten. Sehr gut von den Fans angenommen wurde wieder der aufgelegte Rallyepass der nicht nur den Organisationsablauf beschleunigte, sondern dem Fan auch mehr gezielte Informationen brachte."

"Mein Dank gilt all unseren Sponsoren, die wesentlich dazu beigetragen haben, die Veranstaltung zu unterstützen. Neben dem Dank an die Fans gilt ein spezieller Dank dem Rallyeclub Mühlviertel. Allen Helfern und Funktionären, stellvertretend seien hier Uwe M. Schmidt, Walter Lumetzberger und Peter Schöller erwähnt, ist zu danken. Sie haben vollsten Einsatz gezeigt, auf solche Leistungen kann man mit Recht stolz sein.“

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