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ERC/ORM: Jännerrallye 2013

Was die Beteiligten zum Gassner-Startverbot sagen

Hermann Gassner senior fährt oft und gern in Österreich – doch in Freistadt wurde er nicht zugelassen. motorline.cc bringt die Stimmen zum Startverbot.

Michael Noir Trawniczek
Fotos: Gassner Motorsport/rallyfoto.at & RBHahn, motorline.cc

Hermann Gassner senior und zwei weitere tschechische Teilnehmer, Marcel Tucek und Jiri Petrasek, wurden nicht zur Jännerrallye zugelassen. Die offizielle Begründung der FIA-Sportkommissare lautete, dass die Teilnehmer bei der technischen Abnahme ein nicht homologiertes, dem Anhang J des FIA-Sportreglements 2013, Artikel 251.2.1.8 entsprechendes Fahrzeugmodell präsentiert haben und sie daher keine Starterlaubnis erhalten.

Konkret ging es bei den Fällen um die Fahrgestellnummer, welche laut der Entscheidung der FIA-Sportkommissare Anita Passalis (FIA Chairperson), Tomas Kunc (FIA Steward) und Dietmar Hinteregger (ASN Steward) nicht der Homologation entsprach.

Hermann Gassner akzeptierte die Entscheidung – gegenüber motorline.cc erklärt er: „Ich hätte unter Berufung fahren können, doch mir tat es dann schon um die Kosten leid, die dabei entstanden wären, wenn ich dann zur Berufungsverhandlung hätte fahren müssen.“

Gassner möchte aber beweisen, dass sein Mitsubishi Lancer Evo X homologiert gewesen sei: „Ich finde, dass die Entscheidung ungerechtfertigt ist. Das betreffende Fahrzeug ist mein allererster Evo X, mit dem ich seit 2008 an Rallyes teilgenommen habe."

"Mir wurde von einem FIA-Delegierten erklärt, man habe eine Email aus Japan erhalten – das habe ich nicht glauben können, ich wollte diese Email sehen, doch das wurde mir verweigert.“

Gassner, der mit seiner Rallyeschmiede Gassner Motorsport fest im Rallyesport verankert ist, möchte im Interesse seiner Firma und deren Ansehen die Angelegenheit klären – er werde, sobald er entsprechendes Beweismaterial zusammengestellt habe, auch die Medien informieren, erklärt er gegenüber motorline.cc.

motorline.cc hat bei Dietmar Hinteregger, dem Vorsitzenden des OSK-Rallyekollegiums, der bei der Jännerrallye als einer der drei Stewards im Einsatz war, nachgefragt.

Hinteregger erklärt: „Dass Herr Gassner mit diesem Fahrzeug bereits mehrere Rallyes gefahren ist, mag durchaus stimmen. Fakt ist jedoch, dass die FIA-Techniker vom Hersteller Mitsubishi aus Japan eine Liste erhalten haben, auf welcher homologierte, aber auch nicht homologierte Fahrgestellnummern eingetragen waren.“

Auf dieser Liste gab es zwei Spalten: Homologiert/Nicht homologiert. Hinteregger fügt hinzu: „Bei vielen, vor allem bei nationalen Rallyes wird die Karosserienummer lediglich mit der Fahrzeugzulassung abgeglichen, doch bei einer FIA-Veranstaltung wird eben auch genauer kontrolliert. Ich habe die betreffende Liste mit eigenen Augen gesehen – und die Fahrgestellnummern der Autos von Herrn Gassner und den beiden tschechischen Teilnehmern wurden als nicht homologiert angegeben. Da kann es leider nur eines geben, nämlich ein Startverbot. Wenn Herr Gassner sagt, er habe schon mehrere Rallyes mit diesem Fahrzeug absolviert, bedeutet das streng genommen, dass er auch bei diesen Rallyes nicht dem Reglement entsprochen hat.“

Einer der tschechischen Teilnehmer sei schockiert gewesen, erzählt Hinteregger, der Fahrer erklärte, er habe das Auto gekauft und sei im Glauben gewesen, dass es dem Reglement entspricht. Hinteregger: „Das ist natürlich alles andere als leicht, so etwas zu verdauen, das kann ich schon verstehen. Man ist dann auch an uns herangetreten mit der Frage, ob wir die betreffenden Fahrzeuge nicht kurzfristig in das nationale Feld verschieben können – wir überlegen uns hier auch eine Lösung für die Zukunft, doch auch für das nationale Feld benötigt man zumindest eine nationale Homologation und so kurzfristig konnte diese nicht ausgestellt werden.“

Hinteregger schließt seine Stellungnahme mit einem Ratschlag ab: „Jene Leute, die Rallyefahrzeuge aufbauen, sollten sich bitte intensiver mit der Materie auseinandersetzen. Es ist für niemanden angenehm, wenn ein Fahrzeug nicht dem Reglement entspricht und wir es dann nicht zulassen können.“

Auch Hermann Gassner senior, der oft und gerne in Österreich startet, findet am Ende seiner Stellungnahme noch versöhnliche Worte: „Ich mache dem Veranstalter der Jännerrallye keinen Vorwurf und ich möchte im nächsten Jahr auf alle Fälle wieder in Freistadt fahren.“

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