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Erinnerungen eines Sportreporters: Das Ende einer Karriere
Privat & Daniel Fessl

Das Ende einer Karriere und warum Manfred Stohl im falschen Auto saß!

Peter Kleins Unterhaltung mit Jörg Pattermann war nicht nur begleitet von feinem Schmaus und Trank, sondern auch zahlreichen spannenden Rück- und Einblicken in die "goldene WRC-Epoche" des österreichischen Rallyesports, rund um Achim Mörtl, Franz Wittmann, Manfred Stohl und viele mehr ...

Peter Klein für den Motorline Paddock Corner

Die Dämmerung legte sich schon sanft über die Josefstädter Straße als uns der Wirt der Villa Maria das dritte Glas Dogenakos, eine Art Sauvignon Blanc servierte. Wir hatten köstliche Mezedes aus der Küche Kretas verzehrt und ich war überrascht, wie ruhig es auf der sonst verkehrsreichen Straße in Wien geworden ist. „Du hattest fünfzigmal einen Meisterschaftslauf gewonnen und hattest sichtlich, Anfang 2000, noch immer nicht genug“ wollte ich von Jörg Pattermann wissen. „Wenn man im Subaru derart souverän Meister wird und dann kommt Achim schon wieder mit einem neuen World Rallye Car daher, da kannst Du nicht nein sagen! Noch dazu, wenn Marcus Grönholm mit dem Peugeot 206 gerade in Schweden gewonnen hatte. Und schau mal, diesen Artikel habe ich mir aufgehoben, eine Vorschau auf die Saison 2000 in den Salzburger Nachrichten, hallo? In den SALZBURGER NACHRICHTEN, - das gäbe es heute sicher nicht mehr“ ... (siehe Foto oben)

„Ich habe Achim aber schon lange vor der letzten Saison gesagt, dass ich nicht mehr so viele Rallyes fahren kann, immerhin hatte ich ja meinen Reifenhandel in Salzburg und Rallye war für mich zwar sehr wichtig,- aber davon kann man als Amateur nicht leben. Ich hatte ihm Stefan Eichhorner empfohlen, der zuvor schon mit Wilfried Wiedner und Sepp Haider gefahren war. Die Premiere im Raum Mariazell bei der Gorbatschow-Rallye war zwar nicht schlecht, immerhin gab es in diesem Jahr gleich fünf WRC-Autos in der heimischen Meisterschaft. Wittmann und Mitterbauer jeweils mit einem Toyota Corolla, Stengg im Subaru und Sperrer mit einem Seat Cordoba. Wie schon der Subaru im Jahr zuvor, wurde auch der Peugeot von Rolf Schmidt und seiner Crew betreut und beim ersten Rennen wurden wir Dritte, was aber keineswegs zufriedenstellend war.

Dass Sperrer so überlegen gewinnen konnte, hat doch ein wenig überrascht, aber die Sensation war eigentlich der Franz! Wittmann war praktisch fünf Jahre nicht gefahren und wurde mit mehr als einer halben Minute Vorsprung vor uns Zweiter.“ Ich nickte und erinnerte mich noch sehr gut an Mariazell, an das Massenaufgebot an WRC und auch an die Sponsoren. Die Vertreter von Seat, Toyota, Peugeot und Subaru waren vor Ort, Esso klebte auf der Motorhaube des Peugeot, OMV bei Willi Stengg, Castrol, Henkell, Remus, ja sogar Aon und diverse Banken fand man im Rallyesport. „Danach gab es prompt den ersten Ausfall in Kärnten bei der Boschrallye in Wolfsberg und danach war Achim schon unter Zugzwang als wir nach Oberösterreich fuhren, in die Heimat von Raphael Sperrer. Dort zu gewinnen war nur schwer möglich und galt eigentlich als Majestätsbeleidigung“ erzählt Jörg. Ich blättere in meinem Archiv und erinnere mich an einen unglaublichen Dreikampf Sperrer – Mörtl – Mitterbauer. Willi Stengg und auch Wittmann waren chancenlos und am Ende gab es doch den klaren Sieg für Mörtl/Pattermann. Doch schon bei der nächsten Rallye erneut ein Unfall bei der Sebringrallye; in der Sonderprüfung Sparberegg. Der Einschlag unmittelbar nach der Kirche, aber vor unserer Kamera, war schon sehr heftig.

Drei Wochen später ging es wieder nach Kärnten, diesmal nach Sankt Veit an der Glan und Achim sollte doch endlich einmal als Kärntner gerade dort gewinnen. „Der Peugeot war in Bestzustand und sollte nach der Rallye wieder mal nach Ungarn, weil die Kosten mit Janos Toth geteilt wurden. Rolf Schmidt hatte diesen Deal eingefädelt,- anders wäre der Einsatz mit dem Peugeot 206 WRC gar nicht möglich gewesen.“

Ich blättere in meinem Archiv, tatsächlich fuhr Toth vier Rennen in Ungarn und wurde prompt Meister. „War Achim eigentlich nervenstark, konnte er mit Stress umgehen und was warst Du eigentlich für ihn?“ wollte ich von Jörg wissen und dieser erzählt: „Achim war immer neugierig, wollte immer seine Grenzen ausloten, er fuhr mit Walter Röhrl die 23 km lange Nordschleife auf dem Nürburgring, wir haben gemeinsam den „Schrieb" verfeinert und ich war eine Art Mentor für ihn. Er war immer bereit, für den Erfolg viel zu geben - oft waren ihm 100 % zu wenig und in Kärnten gab er 105 %. Der Einschlag mit der Fahrerseite an einem Baum war brutal, ich war geschockt als ich Achim bewusstlos sah, das Blut rann ihm aus dem Ohr in den Hals und es dauerte mir eine Ewigkeit, bis ein Hubschrauber zur Unfallstelle geflogen kam. Schon am nächsten Tag gab unser Pressebetreuer Hofstädter Entwarnung, „nur schwere Prellungen“ bei Achim – doch fünf Tage später fühlte ich mich schlecht und bei einer privaten Untersuchung samt EKG wurde ein Herzinfarkt festgestellt. Nach einer Woche Spitalaufenthalt kam die Diagnose „Schock-Herzinfarkt nach Unfall“. Erst Jahre später wurde bei mir ein angeborener Defekt in der Brust festgestellt – der letzte Unfall mit Achim hatte also nichts damit zu tun. Dennoch war es mit dem aktiven Rallyefahren vorbei – die sportliche Karriere war zu Ende, auch war mir meine berufliche Zukunft, meine Verantwortung für die Familie einfach wichtiger.

Aber es bleiben die Erinnerungen an glanzvolle Triumpfe …“

Achim allerdings stieg knapp drei Monate später wieder in den Peugeot, diesmal mit Stefan Eichhorner und bewies im Oktober 2000 mit einem eindrucksvollen Sieg in Admont, dass er auch schwere Unfälle gut verkraften konnte …“

Weltmeister Stohl – was nun?


Man wusste beim Hauptsponsor nicht so recht, was dieser WM-Titel nun tatsächlich wert war und bei einer großen Feier und der Zentrale der OMV erzählte mir Generaldirektor Schenz, dass man selbstverständlich mit Stohl weitermachen würde. Also begann die neue Saison in Monte Carlo – mit dem alten Gruppe N-Mitsubishi. Der 10. Gesamtrang wurde wie selbstverständlich kommentiert und man beschloss, für den deutschen Meisterschaftslauf Berlin-Brandenburg erstmals ein Toyota Corola WRC anzumieten. Nach wie vor war Peter Müller Stohl`s ständiger Begleiter,- doch zum Gesamtsieg fehlten am Ende vier Gänge. Stohl rollte im zweiten Gang über die letzten beiden Sonderprüfungen und so blieb nur Rang Zwei hinter dem deutschen Meister Mathias Kahle.

Top Run bot sich mit dem Fiat Punto als Semi-Werksteam an – doch dafür war Co-Pilot Müller einfach zu schwer und so musste Peter`s austrainierte 85 Kilo der knapp 50 Kilo schweren Ilka Petrasko weichen. Die Premiere bei der Akropolisrallye endete bei der Rückfahrt von der Präsentation in Athen im Straßengraben. Eine Kurzschlusshandlung von Manfred bescherte Ilka ein gebrochenes Bein und so musste Peter Müller wieder ran. Finnland bescherte den nächsten Ausfall, diesmal fehlte ein Reservereifen mehr im Auto. Doch dann ein weiteres Mal ein Einsatz mit einem Toyota WRC bei der OMV-Rallye im Raum Aspang und 2001s gab bekanntlich Franz Wittmann ein viel bejubeltes Comeback im Corolla WRC.

Im ORF wurde im aktuellen Sport, im Sport-Bild und im Magazin DRIVE ausführlich über das Duell Sperrer gegen Wittmann berichtet – und dass Stohl nur 16 Sekunden hinter dem Altmeister als Dritter ins Ziel gekommen war, noch deutlich vor Baumschlager im neuen Focus WRC 2001. Schon am Anfang der Saison hatte Raphael Sperrer verlauten lassen „wann der alte Franz noch einmal Meister wird, geb ich meinen Schein ab" – eine Provokation, die sich der Altmeister nicht bieten lassen wollte.

Aber weiter mit Stohl, der in Neuseeland fast schon wie gewohnt mit Peter Müller die Gruppe N gewann, doch vier Monate nach ihrem Beinbruch kehrte Ilka in San Remo wieder als Co-Pilotin im Punto zurück.

Aber der Fiat brachte einfach kein Glück und war sicher kein Auto nach Stohl's Geschmack. Kaputte Antriebswelle in Italien, ein 22. Rang auf Korsika und in Cardiff, beim letzten WM-Lauf rutschte Stohl schon in der vierten Sonderprüfung in den britischen Wald. Nein, der Fiat war einfach nicht das Auto für den Gruppe N-Weltmeister. Und dennoch gab es Ende des Jahres noch ein Erfolgserlebnis für Manfred Stohl! Und die Geschichte der 21. Int. Waldviertelrallye 2001 ist sicher annähernd so spannend, wie ein Krimi von Tom Clancy. Über das Duell Wittmann gegen Sperrer, über die Entstehung und den klugen Schachzug des Altmeisters, über ein wenig Unfairness gegen Raphael Sperrer und dem letztendlich verdienten Gesamtsieg von Stohl samt Meistertitel von Wittmann erzähle ich nächste Woche.
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