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Der Kandidat mit den besten Chancen

Eine Verkühlung bringt ihn zum Rallyesport, Frösche im Quattro schrecken ihn auch nicht ab. Die bewegte Karriere des Beppo Harrach im motorline.cc-Portrait.

Michael Noir Trawniczek
Fotos: Daniel Fessl/motorline.cc

Was der Vater macht, begeistert – oder auch nicht. Der junge Beppo Harrach jedenfalls interessiert sich überhaupt nicht für den Rallyesport, den sein Vater Ernst betreibt. Motocross findet der 12-jährige viel cooler. Sieben Jahre später jedoch entscheidet das Schicksal: „Ich hatte mit 19 einen schweren Unfall, habe mir zwei Wirbel gebrochen, Motocross war somit Essig.“

Einer Grippe haben es die heimischen Rallyefans zu verdanken, dass Beppo Harrach doch noch ins Rallyeauto fand: „Mein Vater war als Vorausauto bei der Eis- und Schnee-Rallye, der Vorgängerin der Jänner-Ralllye vorgesehen, wurde aber krank. Er hat mir die Schlüssel in die Hand gedrückt und sagte: ‚Bitte fahr du das Vorausauto, die erwarten dich dort – hab viel Spaß und mach nichts kaputt.’“

„Ich bin dort hin gefahren und hatte dann wirklich viel Spaß – und habe das Gerät richtig entsorgt, ich bin nämlich in eine Garage hinein gefahren, auf der letzten Prüfung, es war richtig schnell. Ich habe das Garagentor abgeräumt und den Wagen perfekt eingeparkt. Am Auto war nicht so viel kaputt, aber mein Schock war groß. Das war ein ehemaliges Gruppe B-Auto, ein Peugeot 216 und ein Traumauto – und ich habe das kaputt gemacht!“

“Bist du deppert, war das geil!“

Danach kommt Harrach nicht mehr los: „Ich habe zum einen gedacht: ‚Bist du deppert, war das gefährlich!’ und zum anderen aber immer wieder: „Bist du deppert, war das geil!’ Das war so ein Hin und Her und irgendwann hat die Geilheit gesiegt und ich habe meinen Vater ewig lang gequält und wollte das unbedingt wieder machen.“

Der Vater lehnt zunächst ab – doch ein halbes Jahr später lässt er sich erweichen: „Wir haben einen alten Audi 90 Quattro gekauft, ein totales Wrack, der stand in Griechenland und da sind die Frösche drinnen gesessen. Es war kein Sitz drinnen, kein Motor, nichts.“

Beim Debüt, beim Rallyesprint auf des Vaters Gründen sei er „richtig schnell“ gewesen, erzählt Harrach. „Und zwar genau acht Kilometer lang - dann habe ich mich rausgedreht. Ich musste also lernen, dass man im Rallyesport immer nur der schnellste ist von denen, die auch durchkommen.“

Doch bald stellen sich erste Ergebnisse ein: 1999 wird Harrach bei der Wachau-Rallye Dritter, im Jahr darauf wird er „Rookie of the year“, gewinnt die Rallye Challenge. 2001 steigt er auf Mitsubishi um und wird Vizestaatsmeister der Gruppe N.

“Der schlimmste Augenblick meines Lebens“

2002 wird die Gruppe N-Weltmeisterschaft in Angriff genommen, gleich bei der ersten Rallye belegt Harrach Platz fünf, danach jedoch häufen sich die Ausfälle. In Österreich gewinnt er den Rallyesprint, doch 2002 wird das schlimmste Jahr seiner Karriere.

Bei einem schweren Unfall während der Wechselland-Rallye stirbt seine Co-Pilotin Jutta Gebert. Auf seiner Website vermerkt Harrach: „Das war der schlimmste Augenblick meines Lebens. Bei diesem Unfall habe ich einen Freund und meine Co-Pilotin in einer Person verloren. In dem Moment habe ich mein ganzes Leben in Frage gestellt. Die einzige Möglichkeit für mich damit umzugehen, war wieder in ein Rallyeauto einzusteigen und für uns beide zu siegen. Ich werde sie nie vergessen.“

Mit Andreas Schindlbacher, bis heute sein Co-Pilot, absolviert Harrach 2003 die JWRC, die beiden erringen in Österreich den Staatsmeistertitel der Gruppe N. 2004 wird Harrach Vizestaatsmeister der Gruppe A, 2005 versucht er sich wieder in der WM.

Erdgas-Ära

Ab 2006 wird Beppo von Manfred Stohl für dessen OMV-Erdgasprojekt als Pilot engagiert. Gemeinsam schreibt man Geschichte, erringt den ersten Sieg mit einem Erdgasauto – doch Ende 2008 trennen sich die Wege der beiden…

2009 ist Harrach mit dem Aufbau seiner neuen Rallyeschule „Drift Company“ beschäftigt, gewinnt „nebenbei“ den Rallyesprint. Ein vorerst letzter Versuch in der WM, bei der Polen-Rallye, endet mit einem Ausfall.

Auf seiner Website ist unter „Ziele“ vermerkt: „Werksengagement in der Rallye-WM“. Harrach muss lachen – und erklärt: „Früher hatten wir sechs Werksteams in der WM, da gab es also auch zwölf Werks-Cockpits, die Piloten wurden bezahlt – heute werden gerade einmal zwei Piloten bezahlt, der Rest zahlt ein.“

Das große Ziel, der Job als Werkspilot, hat sich also nicht eingestellt – wovon lebt Beppo Harrach, was macht er an einem „normalen“, Rallye-freienTag? „Zum einen betreibe ich eben meine Rallyeschule – zum anderen bin ich seit 1. 1. 2010 auch in der Land- und Forstwirtschaft tätig. Ich fahre zwar keinen Traktor, aber ich treffe Entscheidungen und muss auf dem Gebiet auch noch sehr viel lernen, gemeinsam mit unseren Angestellten.“

“Nicht am Rhythmus rumeiern!“

Am kommenden Wochenende könnten sich Beppo Harrach und Andreas Schindlbacher mit dem neuen DiTech Racing Team zu Vizestaatsmeistern küren. Obschon er in der Tabelle nur Platz vier belegt, hat Harrach aufgrund der Streichresultate die besten Chancen: „Richtig, die anderen beiden Jungs haben noch keine Streichresultate und verlieren zumindest zehn oder elf Punkte. Das heißt: Wenn ich durchkomme, sollte es klappen.“

Einfach über die Prüfungen zu rollen, sei jedoch keine Lösung: „Du hast als Rallyefahrer deinen eigenen Rhythmus - und wenn du beginnst, an deinem Rhythmus herum zu eiern, dann wird das eine schwere Geburt. Ausfallen darf ich nicht, technisch dürfen keine Probleme auftreten – wenn das passt, schaffen wir es.“

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