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Rücktritt: Elke Aigner im Etappenziel

Elke Aigner übernimmt das elterliche Autohaus und beendet für viele überraschend ihre Rallye-Karriere. Ein kurzer Rückblick auf elf erfüllte Jahre als Copilotin - und auf 17 spannende Begegnungen, 17 FahrerInnen, 17 einzigartige Menschen: „Ich werde sie alle nie vergessen!“

Michael Noir Trawniczek
Fotos: Robert May, Rene Strasser, Daniel Fessl

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„Am Ende eines jeden Tages ist nur wichtig, dass ein schöner Moment dabei war, der dich lächeln ließ“, schreibt Elke Aigner im April 2017 auf ihrem Facebook-Profil - das Foto darunter zeigt eine lächelnde Elke im Cockpit eines Rallyeboliden. „Genau so!“, jubelt Elke im Juni 2017 - zu sehen ist das Ford Fiesta World Rally Car von Gerwald Grössing bei einem Schottertest im Vorfeld der Schneebergland-Rallye, es ist der erste gemeinsame Einsatz von Grössing und Aigner. Elke fügt hinzu: „Und dann merke ich, wie sehr ich dich liebe, du liebes Rallyegefühl.“

Von genau diesem „lieben Rallyegefühl“ verabschiedet sich Elke Aigner, für viele sicher überraschend, lediglich drei Monate nach der oben zitierten Liebeserklärung - und sie tut es mit fühlbar schwerem Herzen: „Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Doch ich muss jetzt einen großen Schritt in meinem Berufsleben wagen, werde den elterlichen Betrieb, ein Autohaus übernehmen. Man könnte sagen, dass ich jetzt, mit 30, gezwungen bin, erwachsen zu werden. Ich trete in die Fußstapfen meiner Eltern und trage damit auch die Verantwortung für unsere Mitarbeiter - das möchte ich nicht auf die leichte Schulter nehmen.“

Das relativ abgedroschene „Aufhören wenn es am schönsten ist“ trifft den Nagel zwar auf den Kopf, doch der ist bekanntlich dann doch ein Stück vom Herzen entfernt. Soll heißen: Streng pragmatisch gesehen kann man die elf Jahre andauernde Karriere der Rallye-Copilotin Elke Aigner als einen stetig anhaltenden Aufstieg skizzieren, mit Gerwald Grössing als Krönung. Schließlich gehört der Vizestaatsmeister 2013 zur Spitze der heimischen Rallye-Staatsmeisterschaft, und: Er pilotiert ein World Rally Car. Was Elke auch nach ihrem Rücktritt schwärmen lässt: „Mit Gerwald war es eine ganz eigene Geschichte. Es ist unglaublich, welcher Speed an der ORM-Spitze gefahren wird. Das ist dann doch eine ganz eigene Liga. Natürlich ist es schade, dass ich mit Gerwald nur zwei Rallyes fahren konnte und ich habe auch überlegt, noch eine letzte Rallye zu fahren - doch ich musste und wollte ganz einfach einen Schlussstrich ziehen.“

Warum das „Aufhören wenn es am schönsten ist“ letztendlich doch nicht trifft: „Es gab keine ‚schönste Phase’, es war immer ein wunderbares Abenteuer. Alle meine Fahrer waren außergewöhnlich, sie alle waren einzigartig und ich konnte auch von jedem etwas lernen.“ Die spontane Frage, wie vielen Fahrern und Fahrerinnen sie in den elf Jahren aus dem „Gebetsbuch“ vorlas, kann Elke nicht beantworten: „Da muss ich nachschauen.“

Wohl aber erinnert sich Elke an ihren ersten Einsatz: „Das war mit Hubert Kapeller bei der Herbstrallye Leiben im Jahr 2006.“ Die Liebe zum Rallyesport wurde jedoch schon sehr viel früher entfacht - die „Schuld“ daran trägt Franz Sonnleitner, der bei seinen sporadischen Einsätzen stets zu den Schnellsten gehört und ein kleines, aber feines Rallyeteam betreibt: „Er ist ein guter Freund von mir und so habe ich schon früh alles rund um sein Rallyeteam mitbekommen. Und wenn man einmal bei einer Rallye war, ist man infiziert. Bei Franz habe ich immer bewundert, dass er mit wenig Geld so viel auf die Beine stellen konnte.“

Als „sportliches Highlight“ ihrer Karriere nennt Elke Aigner den Einsatz mit Fabian Ennser bei der zur Rallye-Weltmeisterschaft zählenden Deutschland-Rallye 2013: „Ganz einfach, weil es die Weltmeisterschaft war.“

Den größten Eindruck hinterließ ein gemeinsamer Einsatz mit Aaron Burkart bei den Gruppe B-Legenden in Saalfelden: „Wir fuhren mit einem ehemaligen Auto von Colin McRae - und dort waren so unglaublich viele Fans! Da waren so viele Leute auf der Straße, wie man es nur von den Videos aus der alten Rallyezeit kennt. Das wird für mich immer unvergesslich bleiben.“

Eines muss, vielleicht auch gegen den Willen von Elke Aigner, gesagt werden: Der „Rallyezirkus“ verliert eine schillernde Persönlichkeit. Nicht nur optisch. Man wird sich erinnern an ihre Zielstrebigkeit - auf der Suche nach der absoluten Perfektion, etwas sehr Nützliches im Leben einer Rallye-Copilotin, oder auf den Punkt gebracht: der Schlüssel zum Erfolg. Elke war stets auch gesegnet mit großem Selbstvertrauen - der Regionalzeitschrift „Tips“ etwa verriet sie beiläufig, in einem Nebensatz: „Ich mache meinen Job grandios!“ Zugleich konnte man erkennen: Elke ist keine, die an der Oberfläche verweilt. Immer dem Glück und einem erfüllten Leben auf der Spur. Eine weitere Leidenschaft der Elke Aigner darf bleiben: der Reitsport. Oder auch: Koksi und Toni bleiben im persönlichen Parc ferme. Elke lacht: „Meine Pferde - das sind meine Kinder...“

Und jetzt tun wir, was 17 Rallyepiloten und Rallyepilotinnen vor uns ebenfalls getan haben: Wir übergeben das Heft an Elke Aigner - und sind gespannt, was ihr zu den „17 Lebensgefährten im Rallyecockpit“, in chronologischer Abfolge, so einfällt...

Hubert Kapeller
„Hubert war mit Abstand mein chaotischter Fahrer - mit ganz viel Herzliebe zu seinem Fiat.“

Mario Klammer
„Mit und von Mario habe ich ziemlich viel gelernt, unter anderem Geduld.“

Alexander Tazreiter
„Alexander ist bis dato ein sehr wichtiger Mensch für mich. Grundauf ehrlich - auf ihn konnte ich immer zählen.“

Franz Sonnleitner
„Durch Franz hab ich diesen Sport lieben gelernt. Franz war für mich das beste Beispiel für ‚Genie am Rande des Wahnsinns‘"

Ernst Harrach
„Ganz großes Kino! Ernst hat mir Geschichten erzählt und mir damit Einblicke in die ‚alte Rallyeszene‘ ermöglicht! Von ihm habe ich soviel gelernt! Ein total bewundernswerter Mensch!“

Andreas Kainer
„Mein Youngster! Mit Andi habe ich definitiv am meisten erlebt. Eine wahnsinnig tolle Persönlichkeit. Ich habe diesen jungen, ehrgeizigen Burschen sehr in mein Herz geschlossen.“

Robert Pritzl
„Robert war für mich ein Mensch mit mächtig viel Lebenserfahrung! Ich habe dank ihm menschlich auf einmal so manches anders betrachtet.“

Viktoria Hojas
„Meine Vicky! Durch diese Powerlady habe ich bestimmt fünf Jahre von meinem Leben verloren - durch meinen Angstschweiß! Ihre Zielstrebigkeit, und dabei trotzdem das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren, bewundere ich jetzt noch.“

Aaron Burkart
„Aaron ist einer der coolsten Socken, die ich kennenlernen durfte! Toller Mensch, tolle Person.“

Fabian Ennser
„Fabian war der ‚Ungestresste‘. Er war immer supercool, für mich war das zeitweise fast schon etwas zuviel! Auch davon konnte ich mir letztendlich ein kleinwenig abschauen!“

Dominik Dinkel
„Mein super Deutscher! Mit ihm passte auf Anhieb die Chemie! Ein beeindruckender Mensch!“

Melanie Schulz
„Meli war meine zweite Dame in der Runde. Eindrucksvoll fand ich ihre Entschlossenheit, sich andauernd verbessern zu wollen und alles, was sie irgendwo hörte aufzufassen und umsetzen zu wollen.“

Simon Wagner
„Simon ist der absolute Perfektionist. Seine ruhig Art, zusammen mit meinen Energien, harmonierten spitze zusammen.“

Ernst Haneder
„Von Ernst wurde ich bei unseren Rallyes stets mit leckeren Sachen seiner Bäckerei verwöhnt. Hut ab vor seiner tollen Familie! Bei Ernst konnte ich aufgrund seiner langjährigen Erfahrung vieles mitnehmen.“

Andreas Wittmann
„Durch Andi hatte ich Einblicke in eine Rallye, in seine Rallye - in der Spaß an oberster Stelle stand. Andi ist ein Mensch, der immer gut drauf war, mich immer zum lachen brachte und in allem das Positive sah. Irrsinnig einzigartige Persönlichkeit.“

Christian Schuberth-Mrlik
„Der Ruhepol. Christian und ich harmonierten grandios. Imponierend, wie er sein Leben in allen Lebenslagen meistert.“

Gerwald Grössing
„Zum Abschluss genoss ich meine letzten zwei Rallyes mit Gerwald. Er war der Forderndste in dieser Runde. Er war so etwas wie mein Bruder. Ein Mensch sondergleichen. Zeitweise eine tickende Zeitbombe - und dann wieder komplett weich.“

„Einzigartig, so wie jede von diesen Persönlichkeiten! Keinen einzigen von ihnen möchte ich vergessen! Sie haben alle mein Leben enorm bereichert und ich danke ihnen von ganzem Herzen, so vieles durch sie gelernt zu haben!“

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