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ORM: Niederösterreich-Rallye

So wurde Luca Waldherr Staatsmeister!

Luca Waldherr und Tobias „Jack“ Unterweger konnten mit dem Opel Adam R2 die ORM2WD-Staatsmeistertitel 2018 holen. Den Titel holt Luca in seiner erst 25. Rallye. Wir lassen das turbulente Erfolgsjahr 2018 noch einmal Revue passieren...

Fotos: Martin Butschell

Es ist vollbracht! Luca Waldherr krönte sich beim Grande Finale der Österreichischen Rallye Staatsmeisterschaft, bei der Niederösterreich-Rallye im Most- und Waldviertel zum Staatsmeister der ORM2WD, in der Klasse für Fahrzeuge mit zwei angetriebenen Rädern!

„Wir haben am ersten Tag, auf dem Rundkurs Bergland, voll attackiert und konnten so eine halbe Minute Vorsprung herausfahren. Am zweiten Tag haben wir uns vor allem auf das Verwalten konzentriert. Wir sind schon schnell gefahren, aber wir haben sicher nicht das letzte Hemd riskiert“, fasst Luca die Ereignisse zusammen. Eine Taktik übrigens, die Luca Waldherr und sein Copilot Tobias „Jack“ Unterweger in diesem Jahr schon des Öfteren erfolgreich angewandt haben. Dabei hat dieses für Waldherr Motor Sport so erfolgreiche Jahr 2018 ganz anders begonnen...

In den Winterwochen verbrachte Luca Waldherr mit dem Opel Adam R2 unzählige Stunden in seiner Werkstatt: „Ich habe das Auto komplett zerlegt, um es verstehen zu lernen. Dabei habe ich mir jede einzelne Schraube angesehen.“ Für die Jännerrallye wurde der Wagen dann auch nicht mehr rechtzeitig fertig. „Es war egal, denn ich hatte zu dieser Zeit noch überhaupt keine Idee, was ich heuer fahren soll“, gibt Luca offen zu.

Einige Wochen später beschließen Luca und zwei Freunde, bei der Rebenland-Rallye an den Start zu gehen. Sozusagen die Geburtsstunde des neuen Waldherr Motor Sport-Teams. „Ich finde die Rebenland-Rallye wunderschön und ich dachte mir, das sei auf jeden Fall eine gute Vorbereitung auf die Saison – wobei immer noch unklar war, was genau in diesem Jahr angepeilt werden soll. Wir haben uns einen Bus ausgeborgt, Willi Stengg hat uns ein Zelt, den Wagenheber und die Tankanlage geliehen. Wir wollten im Rebenland einfach nur Spaß haben, es gab keine wirklichen Erwartungen.“

Doch schon am ersten Tag der Rebenland-Rallye „waren wir super dabei“, erinnert sich Luca. „Wir haben sogar recht lang in der ORM2WD geführt, gingen schließlich auf Platz zwei liegend schlafen. Der zweite Tag war dann recht schwierig mit dem Regen. Doch das sahen wir als eine gute Gelegenheit für einen Regentest mit dem Adam. Am Ende holten wir den Sieg bei der Powerstage und belegten Platz zwei hinter Kristof Klausz.“

Lavanttal-Rallye

Die weitere Marschrichtung war damit jedoch immer noch nicht klar, die Nennung zur Lavanttal-Rallye erfolgte im letzten Moment. Immerhin hat sich Waldherr Motor Sport in der Zwischenzeit zu einem selbständigen Team gemausert.

Gleich auf der ersten Prüfung gelingt Luca die 2WD-Bestzeit. „Auf SP2 jedoch haben wir uns die Bremsen ruiniert – meine Burschen haben sie in der kurzen Servicezeit komplett ausgetauscht, doch weil wir etwas länger gebraucht haben, gab es zehn Sekunden Strafzeit. Am zweiten Tag fährt Martin „Max“ Zellhofer am Vormittag volle Attacke – wir gewinnen wieder die Powerstage, doch in der ORM2WD-Klasse werden wir nur Dritte hinter Zellhofer und Klausz, auf den uns lediglich fünf Sekunden fehlten. Ich muss dazusagen: „Wir sind diese Rallye mit nur sechs Reifen gefahren! Wir haben einfach nicht damit gerechnet, dass wir wieder vorne mitfahren könnten.“ Die Richtung war nun klar: „Wir haben erkannt, dass wir vom Speed her Chancen haben.“

Schneebergland-Rallye

Was das kleine Team allerdings nicht zur Verfügung hat: ein Schotterfahrwerk für die Schneebergland-Rallye. Luca schmunzelt: „Wir haben wieder einmal Willi (Stengg, Anm.) gefragt und er hat uns eines geborgt. Damit fuhren wir zunächst den Waldviertel Rallyesprint als Vorbereitung – das war insgesamt erst meine zweite Schotterrallye und wir beendeten den Sprint als zweitschnellstes 2WD-Team.“

Zur Schneebergland-Rallye fuhr Luca voll motiviert, aber wegen der mangelnden Erfahrung auf Schotter „ohne jede Erwartung“. Doch wieder überrascht sich der Niederösterreicher selbst – und erneut mit einer Bestzeit auf SP1. Und: „Die Prüfung war sechs Kilometer lang und wir hatten sechs Sekunden Vorsprung auf Klausz, wir waren also eine Sekunde am Kilometer schneller als der zu dem Zeitpunkt Führende der ORM2WD. Auf der 30 Kilometer langen SP2 leuchtet nach 15 Kilometern die Batteriespannung auf, die Servolenkung geht verloren, wir haben keinen Kühlerlüfter und damit steigt die Motortemperatur. So sind wir die letzten 13 Kilometer einfach nur drübergerollt.“ Was Waldherr extrem verdutzt: „Trotzdem hatten wir wieder die Bestzeit!“ Im Service arbeitet das kleine Team daran den Schaden zu beheben. Aber: „Die Lichtmaschine war kaputt, wir wollten mit einer zweiten Batterie überbrücken – doch das hat nicht funktioniert. Wir mussten den Adam in Führung liegend abstellen!“

Nach der vierten von sieben Rallyes liegen Waldherr/Unterweger satte 33 Punkte hinter dem Tabellenleader auf Platz vier der ORM2WD-Tabelle. Luca erinnert sich: „Das hat mich extrem demotiviert. Ich sagte: Wir schauen nicht mehr auf die Meisterschaft! Doch dann hat meine Freundin Julia immer wieder gesagt, dass ich doch noch weiterfahren soll. So haben wir das Auto wieder revidiert, dabei das Fahrwerk wieder zurückgetauscht und schließlich festgestellt, dass der Adam einen Getriebeschaden hat. Insgesamt musste ich bei dieser Revision 10.000 Euro investieren. Doch dafür war der Adam wieder in einem Top-Zustand.“

Wieder einmal wird im Hause Waldherr überlegt, wie es weitergehen soll. Luca erzählt: „Meine Leute haben gemeint: ‚Wir haben ein Ziel! Wenn wir jede Rallye gewinnen – dann besteht die Chance, doch noch Staatsmeister zu werden!‘ Ich sagte: ‚Okay, wir fahren nach Weiz!‘“

Bei der Rallye Weiz ist Kristof Klausz nicht am Start. Luca: „Das war eine Chance – und die habe ich so richtig genutzt. Wir haben einen Start/Ziel-Sieg gefeiert, auf der Powerstage jedoch nur einen Punkt an Land gezogen, Willi (Stengg, Anm.) wurde Zweiter, Christoph (Zellhofer, Anm.) belegte Platz drei. Vor der Wechselland-Rallye lagen die Top 4 der ORM2WD innerhalb von 13 Punkten.“

Wechselland-Rallye

Luca Waldherr erinnert sich: „Die Wechselland-Rallye, meine große Heimrallye, von einer Firma gesponsert, die auch mein Sponsor ist - zwei Prüfungen vor der Haustür – da zählt nur der Sieg!“

Doch beim Test im Vorfeld der Rallye kommt die große Katastrophe: Motorschaden! Luca betont: „Es ist mir wichtig, mich auch heute nochmal bei Willi Stengg zu bedanken – denn er hat uns ohne mit der Wimper zu zucken einen Motor geborgt.“

Waldherr/Unterweger beginnen die Rallye mit der bereits obligatorischen 2WD-Bestzeit, zugleich vierte Gesamtzeit vor zwei R5-Boliden. „Danach gab es zwischen Willi, Kristof und mir einen richtigen Sekundenkampf, wobei Kristof dann vorzeitig ausgeschieden ist“.

Der Samstag beginnt mit dichtem Regen. Luca erläutert: „Wir haben den Tag wieder taktisch begonnen und Willi im Regen 25 Sekunden aufgebrummt. Danach haben wir den Vorsprung wieder super verwaltet. So feierten wir im Wechselland den Heimsieg mit zwei zusätzlichen Powerstage-Punkten und lagen in der ORM2WD in Führung – damit hätte ich nie gerechnet.“

Die Taktik. Das Gespür dafür, zur rechten Zeit das Richtige zu tun, attackieren oder verwalten – all das ist ein Ergebnis der Teamwork Luca Waldherr/“Jack“ Unterweger. Luca verrät: „Jack versteht mich! Entweder pusht er mich oder er sagt, dass wir Tempo rausnehmen können. Ich harmoniere im Auto bestens mit Jack! Wir sind jetzt schon drei volle Saisonen gemeinsam gefahren und ich bin stolz darauf einen so tollen Copiloten an meiner Seite zu haben!“

Niederösterreich-Rallye

Vor dem Grande Finale bei der Niederösterreich-Rallye zerlegen Luca Waldherr und sein Team, mittlerweile fünf Mitglieder, den Opel Adam R2 erneut: „Wir haben jede Schraube durchgecheckt und den alten Motor wieder eingebaut.“

Am Freitagnachmittag folgt die taktische Besprechung mit Tobias Unterweger: „Die Top 3 der ORM2WD lagen innerhalb von nur drei Punkten – es war also klar: Wer bei dieser Rallye als Erster ins Ziel fährt, ist Meister. Vor dem 30 Kilometer langen Rundkurs Bergland war uns klar: Je länger eine Prüfung ist, umso besser liegt sie uns. Daher war für uns sonnenklar: Wir müssen auf SP1 richtig riskieren!“

Die Rechnung geht einmal mehr auf: 25 Sekunden beträgt der Vorsprung von Waldherr/Unterweger auf die Titelkontrahenten. Am zweiten Tag steht somit Vorsprung halten auf dem Programm. Doch als Willi Stengg auf SP2 satte 8 Sekunden schneller ist als das Waldherr-Duo, ändert man kurzfristig die Taktik: „Wir sagten: Okay, wir müssen wieder attackieren!“ Prompt sind jetzt Waldherr/Unterweger 8 Sekunden vor Stengg. Luca erklärt: „Uns wurde klar, dass unsere Titelkontrahenten 105 Prozent geben, sie werden uns das Siegen nicht leicht machen – Willi hatte dann leider den Unfall, zum Glück ist den beiden nichts passiert.“

Luca fügt hinzu: „Es war eine schwierige Rallye für mich. Wir haben eine halbe Minute Vorsprung mit Hirn verwaltet. Am Ende wurden daraus zehn Sekunden Vorsprung auf Christoph Zellhofer und ein Powerstage-Punkt - damit sind wir Staatsmeister 2018 geworden!“

Staatsmeister in der 25. Rallye

Auch ein paar Tage danach sagt Luca Waldherr: „So ganz kann ich es noch immer nicht realisieren…“. Ein Einsatz steht jedenfalls heuer noch am Programm: Das Race Of Austrian Champions. Über den Winter wollen wir das Auto dann erneut komplett zerlegen und von Grund auf alles neu zusammenbauen.“ Konkrete Pläne hegt Luca Waldherr noch nicht für 2019: „Ich möchte mich fahrerisch weiterentwickeln. Die Barum-Rallye möchte ich auf jeden Fall fahren – und natürlich auch meine Heimrallye, die Wechselland-Rallye. Darüber hinaus habe ich mir jedoch noch keine Gedanken gemacht.“

Luca erklärt: „Es war ein Projekt von mir: Irgendwann Staatsmeister werden! Es hat in der dritten vollen Saison funktioniert. Die Niederösterreich-Rallye war erst meine 25. Rallye. Ich möchte mich bei meiner Familie und meinen Freunden bedanken und für die tolle Kooperation mit Stengg Motorsport rund um Willi Stengg. Weiters ist es mir wichtig mich bei allen Sponsoren, auch jenen, die nicht mehr an Bord sind, ganz herzlich zu bedanken. Sie alle haben meine bislang so tolle Karriere erst möglich gemacht. Ich hoffe natürlich, dass alle, vor allem nach unserem Staatsmeistertitel, weiter an Bord bleiben und noch ein paar neue dazukommen.“

ORM2WD Endstand 2018:

1. Luca WALDHERR (NÖ/Opel Adam R2) 110
2. Christoph ZELLHOFER (NÖ/Suzuki Swift S1600) 107
3. Willi STENGG (St/Opel Adam R2) 88
4. Kristof KLAUSZ (H/Peugeot 208 R2) 73
5. Max ZELLHOFER (NÖ/Suzuki Swift S1600) 39
6. Christoph LIEB (St/Opel Corsa OPC) 36
7. Enrico WINDISCH (St/Citroen C2 R2) 34
8. Michael KOGLER (NÖ/Citroen DS3 R3) 28
9. Manuel PFEIFER (ST/Opel Corsa OPC) 25
10. Michael RÖCK (ST/Ford Fiesta ST150 M1) 21

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