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ORM: Niederösterreich-Rallye

Wunderbare Premiere der NÖ-Rallye

Tschechischer Gast Jaroslav Orsak gewinnt knapp vor Raimund Baumschlager, Keferböck wird als Dritter punktgleich mit Aigner Vizestaatsmeister.

Bildquelle: Harald Illmer

Für mich lief alles perfekt. Es war eine sehr schöne Rallye: Schwierige selektive Prüfungen, freundliche Organisatoren und ich habe mir nach meiner Rallyepause von Prüfung zu Prüfung leichter getan – ich komme schon bald wieder zurück nach Österreich“, versprach Jaroslav Orsak, nachdem er im Ford Fiesta R5 die neue Niederösterreich-Rallye 5,3 Sekunden vor Raimund Baumschlager gewinnen konnte.
Unser Rekord-Staatsmeister war dennoch alles andere als „not amused“ - schließlich ist ihm beim Grande Finale der Österreichischen Rallye Staatsmeisterschaft 2018 quasi die endgültige Rückkehr seit seinem schweren Unfall im Frühjahr gelungen: „Am Freitagabend konnte ich zum ersten Mal seit meinem Unfall wieder vom ersten Meter an attackieren – freilich war ich am Samstagmorgen dann zu übermütig und sprang in eine Wiese, auch am Nachmittag rutschte ich nochmal von der Strecke. Vielleicht habe ich in diesen beiden Situationen den Sieg vergeben – aber heute bin ich auch mit Platz zwei happy.“
Baumschlager bedauerte auch das frühe Ausscheiden von Hermann Neubauer, der den Samstagmorgen mit einer Bestzeit begonnen hatte und auf SP3 laut eigenen Angaben wohl nicht zu schlagen gewesen wäre – doch ein Halbachsbruch vereitelte einen möglichen Dreikampf um den Sieg...

Keferböck Vizemeister

Bis zum Schluss spannend gestaltete sich das große Duell um den Vizestaatsmeister. Johannes Keferböck verlor am Freitagabend rund 25 Sekunden nach einem Dreher, holte jedoch am Samstag sukzessive auf. Keferböck und die WM-erprobte Ilka Minor ließen sich zu keinen Rechenspielen hinreißen, immer wieder betonte der Oberösterreicher, dass er nur „Spaß haben“ wolle. Am Ende wurde es noch einmal richtig knapp: Keferböck belegte im Gesamtresultat zwar Platz drei, Gerhard Aigner lag hinter dem Ungarn Joszef Trencsenyi auf Platz fünf - doch auf der Powerstage konnte Keferböck keine Zusatzpunkte holen. Aigner hingegen belegte dort hinter Orsak, Baumschlager und Maximilian Koch den vierten Platz. Weil Koch als Deutscher in Österreich nicht punktberechtigt ist (andere FIA-Zone), rückte Aigner vor und holte somit einen zusätzlichen WM-Zähler. Am Ende haben beide je 95 Zähler auf dem Konto – Keferböck profitiert also noch einmal von seinem sensationellen Sieg bei der Jännerrallye.

Ein überglücklicher Johannes Keferböck erklärte: „Unsere Strategie, nicht nachzudenken, ist aufgegangen – wir haben ein kleines Mühlviertler Märchen geschrieben: Sieg bei der Jännerrallye, Zweiter bei der Mühlstein-Rallye und am Ende Dritte bei der Niederösterreich- Rallye und Vizestaatsmeister hinter dem absolut würdigen Staatsmeister Niki Mayr- Melnhof – darauf bin ich wirklich stolz.“

Gerhard Aigner nahm es mit Fassung und meinte: „Dass wir mit einer Rallye weniger am Ende punktegleich sind, ist auch nur ein schwacher Trost für mich.“ Schon davor erklärte Aigner jedoch, dass derjenige, der schneller fährt, auch den Vizemeistertitel verdienen würde...

Einen sensationellen Auftritt lieferte Lokalmatador Michael Kogler. Am Freitagabend der spektakuläre Überschlag über die Ziellinie des live auf ORF Sport + übertragenen Rundkurs Bergland, am Samstag dann überlegen das Feld der ORM2WD dominierend, sämtliche 2WD- Bestzeiten gingen an ihn. Koglers Resümee: „Ich habe noch nie mit einer Rolle eine Rallye gewonnen – das macht es irgendwie doppelt cool.“

Doppelt auch die Ausbeute des Melkers: Denn neben dem ORM2WD-Tagessieg konnte er auch vorzeitig den Alpe Adria Rally Cup für sich entscheiden. Kogler nickte: „Ich habe mir vorgenommen, dass ich meine Heimrallye gewinne – dass ich dann auch den Alpe Adria Rally Cup gewonnen habe, ist beinahe eine Entschädigung für den verlorenen Staatsmeistertitel des Vorjahres.“

Waldherr ORM2WD-Staatsmeister

Schließlich war Kogler am Ende auch weit vor dem neuen Staatsmeister der ORM2WD, Luca Waldherr, der am Ende „bei jedem seltsamen Geräusch im Auto hellhörig“ wurde. Der Opel Adam R2-Pilot gestand: „Nachdem wir im Schneebergland 40 Punkte hinten lagen, hat keiner mehr damit gerechnet, dass wir Staatsmeister werden. Aber nachdem wir die Weiz- und die Wechselland-Rallye gewonnen haben, war klar: Jetzt müssen wir Staatsmeister werden! Ich bin stolz auf mein kleines Team, beim ersten Lauf waren wir gerade einmal zwei Leute ohne Zelt – jetzt sind wir schon mehr und heute werden sicher noch ein paar Bierkisten aufgemacht.“
Schon am Vormittag hatte sich Willi Stengg aus dem Titel-Dreikampf der ORM2WD verabschiedet, nachdem er mit seinem Adam frontal gegen einen Baum krachte. So war der Weg frei für den hervorragend fahrenden Christoph Zellhofer, der sich im Suzuki Swift S1600 nicht nur zum Vizestaatsmeister der ORM2WD kürte, sondern auch die Junioren Staatsmeisterschaft und den Österreichischen Rallye Cup 2000 für sich entscheiden konnte – letzteren übrigens vor seinem Vater Martin „Max“ Zellhofer, der die Rallye auf Platz 14 beenden konnte.

Apropos Cup: Den Österreichischen Rallye Cup hat Martin Kalteis schon vor dem Finale für sich entschieden – nachdem er am Freitagabend wegen einer zu wenig absolvierten Runde fünf Strafminuten aufgebrummt erhielt, zog er es vor, den Mitsubishi abzustellen, aus Budgetgründen.
Die Historische Rallye Staatsmeisterschaft konnte sich Anton Reisenhofer (Opel Ascona B) mit dem zweiten Platz hinter Porsche-Pilot Jürgen Aigner sichern. Für ihn ist es der zweite Staatsmeistertitel, der erste auf vier Rädern: „1978 konnte ich im Motocross bereits einmal Meister werden – im Auto ist es meine Premiere!“ Christian Eberherr gratulierte und war auch mit dem Vizemeister zufrieden.

Im Historischen Rallye Cup stand Günther Königseder bereits als Cupsieger fest – er feierte erneut einen Sieg vor Lada-Pilot Martin Gattringer und Markus Oßberger (Audi Coupe quattro). Oßberger belegte hier noch den zweiten Jahresendrang, tröstete sich aber mit dem vorzeitigen Titelgewinn in der Austrian Rallye Challenge Historic.
Beachtlich die Leistung von Andreas Aigner, dem im M1-Subaru auf SP4 sogar die fünftschnellste Zeit gelungen ist. Nachdem er am Freitagabend zehn Kilometer mit Plattfuß zurücklegen musste, arbeitete sich der PWRC-Weltmeister 2008 vor bis auf Rang neun.
Die Alpe Adria Rally Trophy konnte sich – schon vor dem Finale in Dobersberg – Bernd Zanon sichern (231 Punkte). Doch der Italiener sagte schon vor der Rallye: „Wenn ich früher gewusst hätte, dass mein Konkurrent Gerald Rigler nicht starten kann, wäre ich auch nicht gefahren. Dann hätten wir uns das im Finale auf der Strecke ausgemacht...“ Rigler (157 Punkte) verlor seinen zweiten Rang an den Ungarn Dani Fischer (161), doch er kann den zweiten Platz in Dobersberg noch zurückerobern.

Im Alpe Adria Rally Cup feierte wie erwähnt Michael Kogler (282 Punkte) den Gesamtsieg, Simone Boscariol erlitt bei der Niederösterreich-Rallye einen Ausfall, bleibt daher bei 215 Zählern. Peter Schöller konnte trotz seines Ausfalls den dritten Rang halten, könnte den in Dobersberg aber noch verlieren...
In der Austrian Rallye Challenge hatte Riccardo Holzer die Nase vorne – doch auch Martin Pucher konnte mit dem zweiten Platz in seiner Klasse gut abräumen, zumal dort mehr Starter als bei Holzer fuhren.
In der Austrian Rallye Trophy konnte Michael Kogler mit seinem Tagessieg mit dem abwesenden Gerald Rigler gleichziehen – beide haben nun 45 Punkte auf dem Konto.

In der Junior ARC hätte Fabian Bartel-Huemer vorzeitig den Sack zumachen können – doch der Jungpilot musste nach einem Ausritt auf SP3 abstellen: Kühlerschaden.

Beachtlich die Leistung von Rookie Julian Martin. Bei seiner ersten Rallye konnte der 20Jährige im Mitsubishi Lancer Evo V den tollen 16. Gesamtrang erzielen. Auf der letzten Prüfung brillierte er gar mit der neuntschnellsten Zeit. „Damit hätte ich nicht gerechnet“, zeigte sich der Youngster selbst erstaunt....
Zufrieden zeigten sich auch die Veranstalter der neuen Niederösterreich-Rallye – Gottfried Kogler und Helmut Schöpf zogen ein positives Resümee: „Als Veranstalter gibt es einige Punkte, die uns wichtig sind: Zum einen ist die örtliche Wirtschaft zum Teil extrem hinter uns gestanden, zum anderen hatten wir hier sehr viele Helfer aus ganz Österreich und vor allem aus der Region. Wir hatten hier wirklich viele Zuschauer und Fans an der Strecke und auch das Echo der Fahrer war durchwegs positiv – in dem Sinn, dass es sich bei diesen Sonderprüfungen um sehr anspruchsvolle Strecken handelt. Unser Dank gilt all den Helfern, den Sponsoren, den Fans, den Piloten und den Medien, die uns allesamt tatkräftig unterstützt haben.“

Ergebnis Niederösterreich-Rallye nach 9 Sonderprüfungen

1. Jaroslav Orsak/Ondrej Krajca (CZ/CZ, Ford Fiesta R5) 1:23:02,2 Min
2. Raimund Baumschlager/Pirmin Winklhofer (A/D, Skoda Fabia R5) +5,3 Sek 3. Johannes Keferböck/Ilka Minor (A/A, Skoda Fabia R5) +2:52,0 Min
4. Jozsef Trencsenyi/Gabor Verba (H/H, Skoda Fabia R5) +2:58,7
5. Gerhard Aigner/Marco Johannes Hübler (A/A, Ford Fiesta R5) +3:14,5
6. Patrik Rujbr/Jan Rysanek (CZ/CZ, Skoda Fabia R5) +4:49,3
7. Michael Kogler/Andre Kachel (A,D, Citroen DS3 R3) +6:23,0
8. Maximilian Koch/Lisa Brunthaler (D/D, Skoda Fabia R5) +7:26,5
9. Andreas Aigner/Jürgen Rausch (A/A, Subaru Impreza WRX STI M1) +7:55,2
10. Bernd Zanon/Denis Piceno (I/I, Peugeot 208 R5) +8:11,7
11. Luca Waldherr/Tobias Unterweger (A/A, Opel Adam R2) +8:16,8
12. Christoph Zellhofer/Thomas Schöpf (A/A, Suzuki Swift S1600) +8:27,1
13. Zdenek Pokorny/Richard Lasevic (CZ/CZ, Skoda Fabia R5) +8:47,9
14. Martin Zellhofer/Jürgen Heigl (A/A, Suzuki Swift S1600) +9:19,8
15. Riccardo Holzer/Mario Palmsteiner (A/A, Mitsubishi Lancer Evo 6.5) +9:27,2

Bestzeiten

SP1: Baumschlager, SP2: Neubauer, SP3: Orsak, SP4: Baumschlager, SP5: Baumschlager, SP6: Koch, SP7: Orsak, SP8: Baumschlager, SP9: Orsak.

Powerstage ORM

1. Baumschlager 3, 2. Orsak 2, 3. Koch (keine Punkte), 4. Aigner 1. Powerstage ORM2WD: 1. Kogler 3, 2. C. Zellhofer 2, 3. Waldherr 1.

Die wichtigsten Ausfälle

Stockinger (Motorschaden, SP1), Kalteis (Aufgabe nach SP1), Bartel-Huemer (Kühlerschaden nach SP3), Neubauer (Halbachsbruch SP3), W. Stengg (Unfall SP4), Leitner (Defekt ZK6), Boscariol (Defekt SP7).

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