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ORM: Rebenland-Rallye

Race Rent Austria im Rebenland: Der Gesamtsieg wird nicht angepeilt...

Race Rent Austria ist bei der Rebenland-Rallye mit drei Teams im Einsatz. Wir verraten: Warum die „Dead Pandas“ auf den Prüfungen nichts mehr essen werden. Wieso Teamchef Schmollngruber auf Michael Röck schwört. Und: Fährt der „Haussegen“ eigentlich mit im Rallye-Cockpit?

Text: Michael Noir Trawniczek
Fotos:Race Rent Austria

Der Rallyebolide nähert sich der Zeitkontrolle vor der nächsten Sonderprüfung, die Piloten sind schon in voller Montur, der Fahrer lässt das Seitenfenster herunter und begrüßt den verdutzten Funktionär mit den Worten: „Grüß Gott! Ein Big Five-Menü, eine heiße Apfeltasche und ein Cola bitte.“ Nur einer von vielen Späßen, die sich Christoph Wögerer und Simon Schmidinger seit ihrem Rallyedebüt 2012 als „Dead Panda Team“ erlaubt haben. Die Videos aus dem Cockpit des kleinen Ford Fiesta ST wurden auf Youtube recht schnell zu Klickgranaten: Der meistgesehene Clip erreichte bislang nahezu 50.000 Menschen und zeigt Copilot Schmidinger mit einer Kindergitarre den Aufschrieb intonierend, gefolgt von jenem Clip, in dem Pilot Wögerer auf der Prüfung einen Cheeseburger verspeist....

„Als die beiden als ‚Dead Pandas’ in den Rallyesport eingestiegen sind, war das eigentlich mehr in Richtung Kabarett“, erinnert sich Race Rent Austria-Teamchef Wolfgang Schmollngruber, der das humorige Duo auch heute noch betreut. Geblieben ist auch der Fiesta ST, bei der bevorstehenden Rebenland-Rallye kommt jedoch erstmals ein neues Getriebe zum Einsatz. Race Rent Austria wird beim „erneuten Saisonauftakt“ der Österreichischen Ralllye Staatsmeisterschaft (ORM) drei Wettbewerbsfahrzeuge zum Einsatz bringen.

Beim „echten“ Saisonauftakt, dem Comeback der Jännnerrallye am Beginn des Jahres stand das 2007 von Schmollngruber als „Tuning Schmiede“ gegründete Rallyeteam im gleißenden Rampenlicht: Österreichs Zukunftshoffnung und derzeitiger Junior ERC-Werkspilot Simon Wagner, der einst den Wechsel vom Rennkart ins Rallyeauto mit Race Rent Austria vollzog und schon damals bei seiner Heimrallye auf sich aufmerksam machen konnte, hätte mit dem uralten Race Rent Austria Mazda 323 GTR beinahe einen Sensationssieg errungen, wäre auf dem Weg zum Parc Ferme nicht das Getriebe kollabiert...

Bei der Rebenland-Rallye wird Race Rent Austria mit drei Teams vertreten sein: Christoph Wögerer und Simon Schmidinger im Ford Fiesta ST150 (Startnummer 53), Martin Attwenger und Angelika Letz im Honda Civic Type R sowie Michael Röck und Patrick Forstner im Ford Fiesta ST 1.6 EcoBoost. Zudem betreut das im oberösterreichischen Kemaaten bei der Ybbs beheimatete Team einen Audi S2, der von Stefan Lampl als Vorausauto pilotiert wird. In der Race Rent Austria Hospitality ist zudem auch wieder M1-„Mastermind“ Günther Knobloch vertreten, der wie viele andere das Catering des Teams schätzt.

Zurück zu den „Dead Pandas“: Im Laufe der Jahre haben Christoph Wögerer und Simon Schmidinger den Kabarettfaktor zugunsten von mehr Gewicht auf den Sport reduziert, was zwar Youtube-Klicks kostete aber auch eine Performance-Steigerung einbrachte. Für 2018 erhielt der Fiesta ein neues Getriebe mit gerader Verzahnung. Wögerer erklärt: „Damit werden die Schaltzeiten geringer, was aber auch den Körpereinsatz sportlicher gestaltet, da du so permanent am Schalten bist.“ Der Verzehr von Cheeseburgern im SP-Modus wäre demnach ohnehin nicht mehr ratsam...

Für Christoph Wögerer wird im Rebenland vieles neu sein: Die erste Rallye mit dem neuen Getriebe - und obwohl er in Leutschach schon mehrmals am Start war und er auch bei der ersten Rebenland-Rallye im Jahr 2009 als Aktiver dabei war, steht Wögerer vor seiner Rebenland-Premiere - als Wettbewerbspilot. Vor seiner 2012 gestarteten Pilotenkarriere nämlich saß Wögerer auf dem „heißen Sitz“ und las aus dem „Gebetsbuch“ vor. Bei der ersten Rebenland-Rallye fuhr er mit Daniel Zieser als Vorausauto mit und wechselte für ein paar Prüfungen ans Steuer. Auch im Vorjahr war Wögerer als Pilot eines Vorausautos im aktiven Feld vertreten...

Völliges Neuland wird „Cheesy“ bei seiner späten echten Rebenland-Premiere demnach nicht vorfinden: „Das ist richtig, denn ich weiß zumindest, was mich erwartet. So komme ich mit gemischten Gefühlen nach Leutschach. Denn so schön die Rebenland-Rallye mit ihrem legendären Umfeld im Weinanbaugebiet auch ist,sie hat eben auch ihre Schattenseiten. In den Kurven wird extrem viel gecuttet und es gibt sehr viel Rollsplit. Als Beifahrer habe ich das natürlich wahrgenommen, doch erst als Fahrer habe ich registriert, dass diese andauernde Gefahr, von der Strecke zu rutschen durchaus Hardcore für die menschliche Psyche sein kann.“ So will sich Wögerer bei seiner ersten Ausfahrt mit dem neuen Getriebe keinen Druck auferlegen, räumt aber ein: „Wenn wir in der 2WD halbwegs mit der Spitze mitfahren können, wäre das schon okay.“

Zwar sind die Fiesta von Wögerer/Schmidinger und Michael Röck/Patrick Forstner grundverschieden: Ersterer verfügt über einen Zweiliter-Saugmotor und damit über Kraft und infernalischen Sound, zweiterer ist ein 1,6 Liter-Turbomotor und nach dem seriennahen M1-Reglement aufgebaut. Doch genau darum schätzt Wolfgang Schmollngruber: „Die beiden werden nicht allzu weit auseinander liegen - der eine hat mehr Technik, der andere mehr Leistung zur Verfügung.“

Pilotiert wird der M1-Fiesta vom Ford Racing Rookie 2016, dem 21-jährigen Michael Röck, der im Vorjahr in seiner allerersten Rallyesaison auf den großen Erfahrungsschatz Schmollngrubers setzte und den gewonnenen Ford Fiesta ST1.6 EcoBoost von Race Rent Austria einsetzen ließ. Mit dem seriennahen Fahrzeug konnte Röck seine Debütsaison im Österreichischen Rallye Cup (ORC) auf dem zweiten Gesamtrang abschließen, bei der Lavanttal-Rallye, seiner zweiten Rallye überhaupt, feierte der Youngster gleich einmal den Klassensieg...

Schmollngruber gerät beim Thema Röck ins Schwärmen: „Michael ist höchstmotiviert - man könnte ihn fast mit den Wagner-Brüdern vergleichen, die ja ihr gesamtes Leben auf den Rallyesport ausgerichtet haben. Michael ist immer bei uns in der Werkstatt dabei und man sieht ihn durchaus auch in seiner Box mit der Drahtbürste Bremssättel putzen.“ Diese 45 Quadratmeter großen Boxen in den „heiligen Race Rent Austria Hallen“ bietet das Team jenen Piloten an, die ihre eigeenen Autos dort einstellen und an ihnen arbeiten wollen.

Den M1-Fiesta zu behalten und mit dem bereits vertrauten Auto weitere Erfahrungen einzusammeln, hält Schmollngruber für eine gute Entscheidung: „Mit dem M1-Fiesta bleiben die Kosten pro Kilometer in einem überschaubaren Rahmen und so kann Michael in seiner zweiten Saison günstig weitere Erfahrungen sammeln. In seinem ersten Jahr ging es lediglich darum, sich mit dem Rallyesport vertraut zu machen und Routine zu erlangen. Er hatte im Vorjahr auch verschiedene Copiloten und hat für heuer eine sehr gute Wahl getroffen.“

An der Seite von Michael Röck wird Patrick Forstner Platz nehmen, der zuletzt bei Daniel Wollinger tätig war und damit echtes Top-Level einbringt. Denn genau das, eine Steigerung seiner Performance, ist das Ziel des Michael Röck: „Das erste Jahr war natürlich eine große Herausforderung - da war ich mit Race Rent Austria auf der sichere Seite, das Team hat mir in meinem Rookiejahr sehr viel geholfen, da ich mir jederzeit von erfahrenen Leuten Tipps holen konnte.“ Die Möglichkeit, eine Box in der Firmenhalle anzumieten, hat dabei wohl auch eine Rolle gespielt: „Ich studiere in Graz Fahrzeugtechnik und so ergänzt sich das gut. Mein Ziel ist es, später einmal im Motorsport als Entwickliungsingenieur zu arbeiten.“

Bei der Rebenland-Rallye wird Michael an jenen Ort zurückkehren, an dem er im Vorjahr seine erste Rallye fuhr und dabei gleich einmal eine echte Challenge vorfand: „Du besichtigst die Prüfungen, doch dann fährst du die Rallye und auf der SP sieht alles ganz anders aus. Es war wirklich schwierig, auf dem vielen Split das Auto auf der Straße zu halten. Heuer weiß ich bereits, was mich erwartet.“

Was Michael Röck ganz besonders freut: „Wir konnten die Sponsoren aus dem Vorjahr allesamt mitnehmen und auch neue Partner für unser Projekt gewinnen. Das ist kerine Selbstverständlichkeit und da bin ich schon sehr dankbar dafür.“

So sieht es auch Martin Attwenger, der selbständig tätige Geschäftsmann im Bereich Fensterbau- und Montage konnte einen seiner Partner für das Rallyeprojekt gewinnen. Der 2010 über den Suzuki Swift Cup in den Rallyesport eingestiegene Attwenger setzt seit dem Vorjahr auf einen von ihm selbst aufgebauten Honda Civic Type R, den er von Race Rent Austria einsetzen und betreuen lässt.

Warum es unbedingt ein solches Fahrzeugmodell werden musste, kann Attwenger gut erklären: „Ich nahm früher in einem Honda Integra auf einer Rundstrecke am Freien Fahren teiil und hatte dadurch einen guten Zugang zu Honda. Beim Civic gefälllt mir einfach das Grundkonzept, das meiner Meinung nach sehr gut in den Rallyesport passt.“ Den Wagen hat Attwenger eigenhändig komplett neu aufgebaut - allerdings kam er seit der Rallye Zwettl im Vorjahr so gut wie nicht mehr zum Fahren: „Wir wollten die Niederbayern-Rallye bestreiten und hatten dort an unserem nagelneuen Motor einen Motorschaden. Jetzt ist wieder ein komplett neuer Motor im Auto. Ich hofffe natürlich, dass jetzt alles passt - als sportliches Ziel würde ich die vordere Hälfte der 2WD anpeilen, mit einem Top 15-Platz in der ORM2WD wären wir durchaus zufrieden.“

An seiner Seite liest mit Angelika Letz wieder seine Lebengefährtin aus dem „Gebetsbuch“. Wie verhält es sich mit dem viel zitierten „Haussegen“, wenn das „Haus“ mit „150 über Kuppe voll“ durch den Wald fliegt? Ist die Vertrautheit einer Lebensgemeinschaft nur ein Vorteil? Oder kann es auch nachteilige Aspekte geben? Martin lacht: „Naja, es gibt schon auch einen Nachteil, glaube ich zumindest. Man folgt vielleicht manchmal nicht so, wie es sonst der Fall wäre.“ Doch schnell fügt Attwenger hinzu: „Das passt schon. Angelika macht ihren Job wirklich gut, nein sehr gut! Und wir alle freuen uns schon sehr, dass es endlich wieder losgeht.“ Womit der „rasende Cockpitsegen“ schon im Vorfeld „geradegestellt“ ist...

Die drei Race Rent Austria-Teams scharren bereits in den Startlöchern und studieren weiter emsig Wetterprognosen und Temperaturwerte. Teamchef Wolfgang Schmollngruber erklärt: „Einige der Rebenland-Prüfungen befinden sich in hohen Lagen - da wurden zuletzt noch große Mengen Schnee gesichtet. Wie auch immer: Wir sind bereit für die Rebenland-Rallye.“

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