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Kia Carens 1.7 CRDi Platin - im Test Kia Carens 2017

Wundertüte

Der Kia Carens erhielt kürzlich ein optisches wie technisches Facelift. Wir testen den kompakten Siebensitzer mit 141 Diesel-PS und Topausstattung.

Text und Fotos: Ralf Schütze/mid

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Es gibt Autos, denen traut Otto Normalverbraucher nicht allzu viel zu. Doch bieten manche von ihnen ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis und überraschende Tugenden, die nicht nur mit Kosten zu tun haben. So zum Beispiel der siebensitziger Kompakt-Van Kia Carens.

Zugegeben: Der Name erinnert irgendwie an Karies, obwohl er sich doch vom englischen "care" (pflegen, behüten, sich kümmern) ableitet. Fast völlig schmerzfrei hingegen verlief unser Praxistest mit dem Koreaner. Der insgesamt überraschend positive Eindruck passt zum Kia-Slogan "The Power to Surprise" und kommt dem Öffnen einer prall gefüllten Wundertüte gleich.

Der Kia Carens überzeugt als wandlungsfähiges Familienauto, wie man es von einem Siebensitzer seiner Klasse erwarten kann. Praktische Details wie Klapptische an den Rückenlehnen oder zahlreiche Ablagen versüßen den fahrerischen Alltag. Der Carens ist innen auffällig ruhig, das Komfort-Niveau auf den vorderen Sitzen sehr hoch, dahinter gut bis ausreichend - mehr geht kaum bei sieben Sitzen auf 4,53 Meter Fahrzeuglänge.

Beim Verbrauch legt sich der Kia ins Zeug. Dass er im gemischten Normalbetrieb aus Stadtverkehr, Landstraßen und Autobahn mit 6,6 Liter auf 100 Kilometer auskommt und ihm bei schonender Fahrweise auch 6,1 Liter genügen, ist ihm angesichts der 4,5 Liter Normverbrauch ohnehin zuzutrauen.

Überraschend jedoch: Selbst bei konstant 130 km/h auf der Autobahn gönnt er sich mit 6,5 Liter nur unwesentlich mehr. Bei Überholmanövern oder sonstigem Beschleunigen erweist sich der Vierzylinder-Diesel als ausreichend kraftvoll und lässt sich auch aus 1.500/min im fünften Gang bereitwillig zum Hochdrehen bitten. Kein Wunder, denn immerhin 340 Nm Drehmoment schieben in solchen Situationen spürbar an.

Nur beim Kaltstart gibt sich der CRDi zunächst mürrisch und verrichtet die ersten Kilometer deutlich hörbar - eine akustische Eigenheit, die im Warmzustand völlig verschwindet, denn insgesamt klingt das Aggregat auch dank guter Lärmdämmung im Innenraum äußerst dezent.

Die Start-Stop-Automatik funktioniert schnell genug, die Sechsgang-Handschaltung aber könnte knackiger sein. Beim Standardsprint auf 100 km/h vergehen 10,4 Sekunden. Wer's drauf anlegt, kann mit dem Carens 1,7 CRDi flott Kilometer fressen - und ist trotzdem auch auf der Langstrecke stets komfortabel unterwegs - dank passgenauer Sitze und entspannter Ergonomie.

Äußerst lobenswert: Endlich einmal ein Auto, das nicht nur am Armaturenbrett und in der Mittelkonsole mit Soft Touch-Kunststoff die haptischen und optischen Sinne verwöhnt. Das sich edel anfühlende Material schmeichelt auch an den Türverkleidungen, was eine rühmliche Ausnahme darstellt.

Bei den meisten Fahrzeugen setzten sich spätestens hier die Controller durch, was zu uncharmantem Hartplastik führt. Beim Durchplanen des Carens-Interieurs hat Kias Kostenhüter erst bei der unteren Mittelkonsole der Mut verlassen, aber darüber kann man angesichts des größtenteils hochwertigen Innenraums hinwegsehen.

Für einen 4,53 Meter langen Siebensitzer wirkt der Kia Carens recht agil. Auch der Wendekreis von elf Metern erweist sich beim Rangieren oder Einparken als angenehm. Weniger lobenswert fällt die Übersichtlichkeit aus.

Zwar ist die vordere A-Säule, die die Windschutzscheibe links und rechts abgrenzt, zweigeteilt. Dennoch ist die stärkere der beiden Teil-Säulen so massiv, dass sie schon mal ein herannahendes Auto im Kreisverkehr empfindlich lang verdeckt.

Die Rundumsicht beim Einparken verliert ihren Schrecken dank der Rückfahrkamera, die einen guten Überblick nach hinten verschafft. Das Raumgefühl ist auch bei siebensitziger Bestuhlung angenehm. Auf den ausklappbaren, hintersten zwei Sitzen in Reihe drei herrscht klassenüblich nur bequem Platz für bis zu zwölfjährige Kinder - das können andere Viereinhalb-Meter-Vans aber auch nicht besser.

Der Kia Carens ist auf breiter Front eine positive Überraschung. Während er mit vielen Tugenden überzeugt, kann man drei Dinge von den Koreanern inzwischen zuverlässig erwarten.

Erstens: Unter der Führung von Peter Schreyer wirkt das Design der Kia-Modelle immer überzeugender, inklusive der markentypischen "Tigernase", die Schreyer als Erkennungsmerkmal etabliert hat.

Zweitens: Wer einen Wiederverkauf in Betracht zieht, kann inzwischen auf gute Werte für Kia-Modelle setzen, denn immer mehr bewährt sich die Sieben-Jahres-Garantie der Marke.

Drittens: Das Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt voll und ganz. Die von uns getestete, höchste Ausstattung "Platin" (in Deutschland: "Spirit" mit etwas anderen Features) kostet beim Carens 1,7 CRDi ab 32.890 Euro (D: 30.290 Euro).

Enthalten sind Lederpolsterung, Navi, JBL-Soundsystem, E-Fahrersitz, Verkehrszeichen-Erkennung, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, beheizbares Lenkrad, 18-Zoll-Alufelgen, dunkel getönte hintere Scheiben, Rückfahrkamera samt 4,2-Zoll-Touchscreen, Xenon-Scheinwerfer und vieles mehr. Die dritte Sitzreihe kostet 800 Euro Aufpreis, ein Paket an Assistenzsystemen (Totwinkel-, Querverkehrsassistent, Fahrspurwarner und Verkehrszeichen-Erkennung) ist inklusive Panoramadach um 2.200 Euro zu haben.

Fünftüriger, siebensitziger Kompakt-Van, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Meter: 4,53/1,81/1,61/2,75, Leergewicht: 1.600 kg, zul. Gesamtgewicht: 2.250 kg, max. Zuladung: 659 kg, Kofferraumvolumen: 492 bis 1.650 l, Tankinhalt: 58 l.
Antrieb: Vierzylinder-Reihen-Turbodiesel, Hubraum: 1.685 ccm, Leistung: 104 kW/141 PS bei 4.000/min, max. Drehmoment: 340 Nm bei 1.750-2.500/min, Beschleunigung 0 bis 100 km/h: 10,4 s, Höchstgeschwindigkeit: 193 km/h, Normverbrauch: 4,5 l pro 100 km, CO2-Ausstoß: 118 g/km, Sechsgang-Schaltgetriebe, Frontantrieb.
Österreich-Preis: 32.890 Euro (Deutschland: 30.290 Euro, als "Spirit")

Weitere Testdetails:

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