Autowelt

Inhalt

Volvo V90 T6 AWD Geartronic Inscription - im Test Volvo V90 2017

Länge läuft

Volvo steht seit langem für große Edel-Kombis. Kürzlich wurde mit dem V90 ein neues Flaggschiff vom Stapel gelassen. Wir testen den T6 mit 320 PS.

Text und Fotos: Johannes Toth

Hier geht's zu den Bildern

Der neue Große von Volvo flößt Respekt ein, der Maximal-Kombi V90 überzeugt schon rein optisch. Über das Design bekommen wir von allen Seiten nur lobende Worte zu hören. Aber das schwierigste am guten Design ist die Reduktion auf das Wesentliche, ohne langweilig zu werden – was die Schweden immer schon sehr gut beherrschten.

Der Hang zur Minimalisierung hält auch im Innenraum an. So sind die Bedienknöpfe auf ein Minimum reduziert und die meisten Funktionen lassen sich über das zentrale, hochformatige Display steuern. Dieser riesige Touchscreen ist leider die einzige Eingabemöglichkeit.

Auf eine Einknopf-Wählrad-Bedienung müssen Volvo-Fahrer verzichten. Das führt mitunter zu Fehleingaben, die nicht immer mit einem Back-Button revidierbar sind und dadurch mehr vom Straßengeschehen ablenken, als wünschenswert wäre.

Die individuellen Konfigurationsmöglichkeiten des Fahrzeugs via Display – vor allem in der von uns gefahrenen Inscription-Topausstattung – sind allerdings enorm. Die dazu nötigen Knöpfchen und Schalter hätten wohl am gesamten Armaturenbrett nicht ausreichend Platz. Unzählige fahrerorientierte Einstellungen lassen sich für drei Personen fahrzeugschlüsselbasierend speichern bzw. im Gastmodus auf neutral stellen.

So merkt sich der V90 die Spiegeleinstellung, die Sitzeinstellung oder zum Beispiel den Drive-Modus fahrerspezifisch. Wobei der Fahrmodus über ein Rollrad in der Mittelkonsole bedient wird und die Einstellungen Eco, Comfort, Dynamic und Individual kennt. Dadurch werden Lenkung, Bremsen oder das Ansprechverhalten des 8-Gang-Automatikgetriebes verändert. Im Dynamic-Modus wird überdies die Leerlaufdrehzahl angehoben, um ein prompteres Beschleunigen aus dem Stand zu ermöglichen.

Weitere Design-Highlights sind der rahmenlose Innenspiegel oder die Metallgitter der Lausprecher und der Dekorblenden. Allein die Türöffner sind ein Genuss: Hier haben wir ein ordentliches Stück Metall in der Hand. Elegant auch der Verzicht auf einen Start/Stop-Knopf. Der wird ersetzt durch einen Drehschalter. Schade nur, dass beim Motorabstellen nicht automatisch die Park-Stellung des Getriebes reinspringt, anstatt eine Wegroll-Warnung im Display zu zeigen.

Die optional lederbezogenen Sitze sind relativ straff, aber bestens langstreckentauglich und beweisen mit einer kleinen angenähten Schwedenfahne, daß die chinesischen Volvo-Eigentümer generös sind.

Der Beifahrersitz lässt sich auch via Screen vom Fahrer bedienen. Klingt im ersten Moment kurios, ist jedoch im echten Leben manchmal sehr praktisch, wenn beispielsweise die beste aller Schwiegermütter sich wieder mal über eine unbequeme Sitzposition mokiert.

Volvotypisch lassen sich die hinteren Kopfstützen vom Cockpit aus vorklappen – was der Übersichtlichkeit dient, aber auch gegen vorlaute Mitfahrer eingesetzt werden kann.

Trotz seiner Größe – 4,94 Meter Länge und 1,88 Meter Breite – ist das Auto gut überschaubar. In engen Rangiersituationen sind die aufpreispflichtigen, hochauflösenden Rundum-Kameras um rund 1.300 Euro trotzdem hilfreich.

Sicherheit sowieso. Volvo hat sich vorgenommen, daß ab dem Jahr 2020 kein Mensch mehr bei einem Verkehrsunfall in einem Volvo ums Leben kommt. Auf dem Weg dorthin begleiten uns unzählige optionale, aber auch serienmäßige Assistenten. Diese Entwicklung geht paralell und immer weiter in Richtung autonomes Fahren.

Woran in Göteborg noch ein bisschen gefeilt werden könnte, ist das Spracheingabesystem. Das Telefon hat uns nicht immer richtig verstanden – und nein, es lag nicht an unserem Nuscheln. Kann halt insofern peinlich werden, als das Telefonsystem ungebeten und nicht mehr stopbar jemanden anruft, der seit Jahren unkontaktiert im Telefonspeicher schlummert.

Empfehlenswert ist das Lichtpaket um rund 900 Euro. Die adaptiven Voll-LED-Scheinwerfer lassen den Lichtkegel des Fernlichts im seitlichen Bereich entgegenkommender oder vorausfahrender Fahrzeuge bestehen. Es wird nur der Teil des Fernlichtkegels abgeblendet, der das jeweilige Fahrzeug direkt erfassen würde. Abgesehen von der mächtigen Leuchtweite beeindruckt, dass die Reaktionsgeschwindigkeit der Ab-/Aufblendfunktion in drei Stufen einstellbar ist.

Erfreut hat uns weiters der adaptive Tempomat, der vor allem allgegenwärtige Stau-Situationen sehr entspannend macht. Dieser Assistent bremst in angepasstem Abstand zum Vordermann, hält selbst an und fährt nach kurzem Stop selbstständig weiter. Einziges Manko ist die Verstellbarkeit ausschließlich in Fünf-km/h-Sprüngen.

Einen neuen Volvo V90 kann man sich bereits ab 43.300 Euro in die Garage stellen. Das ist nicht viel Schotter für so viel Metall. Die Basisaustattung Kinetic D3 kommt mit manuellem 6-Gang-Getriebe und 150 Diesel-PS. Wer mehr Saft zum Überholen möchte, greift zu unserem V90 T6. Der fährt serienmäßig mit Allrad und 8-Gang Automatik vor.

Volvo hat das Downsizing-Konzept über die gesamte Fahrzeugflotte gezogen und baut nur mehr Motoren mit maximal 1.969 ccm. So kitzeln die Volvo-Ingenieure 320 PS und 400 Nm aus dem verhältnismäßig kleinen Motor.

Das reicht für 6,1 Sekunden auf 100 km/h und ein maximales Reisetempo von 250 km/h. Wenn man die Leistung im Ernstfall wirklich abruft, wird der 4-Zylinder aber auch schon mal lauter und brummiger, als man das in so einem Auto erwartet.

Sei´s drum. Der T6 kostet in Topausstattung "Inscription" inklusive Nappaledersitzen 74.687 Euro. Mit Voll-LED-Scheinwerfern, 20-Zöllern, elektrischer Heckklappe, Headup-Display, Keyless Go, Bowers & Wilkins Soundanlage sowie einigen Kreuzerln mehr stehen plötzlich 98.204 Euronen unterm Strich – also auch in diesem Punkt auf Augenhöhe mit deutscher Konkurrenz.

Noch ein paar Zahlen für Statistiker: Das Leergewicht liegt bei 1.924 kg, das Gepäckraumvolumen bei 560-1.526 Litern und der kombinierte Norm-Verbrauch bei 7,4 Liter auf 100 km. Im Testbetrieb kamen wir auf 9,5 Liter.

Plus
+ reduziertes und trotzdem sehr ansprechendes, eigenständiges Design
+ souveräne Fahrleistungen und Traktion
+ sehr viele Bedienelemente individuell einstellbar
+ interessanter Einstiegspreis für das Basismodell
+ fast durchgängig hochwertige Materialien

Minus
- gewöhnungsbedürftige Einstellungen in Untermenüs
- der 4-Zylinder-Motor wirkt fallweise akustisch angestrengt

Resümee
Zum verhältnismäßig günstigen Einstiegspreis gibt es ein tolles Auto. Wenn es aber ein bisschen mehr sein soll, wird es wie überall rasch teurer. Der V90 T6 ist ein fescher, langer Cruiser, der auch mal Dampf machen kann, wenn der Herr Architekt eilig zur nächsten Baustelle muss. Definitiv ein neuer Hecht im Teich der saturierten deutschen Premium-Konkurrenz.

Weitere Testdetails:

Preise, Ausstattung & Technik
Drucken

Ähnliche Themen:

26.04.2017
Herbie trägt Zahnspange

Das große Krabbeln klappt auch oben ohne. Wie sich der offene VW Beetle als Kraxel-Version Dune mit 150-PS-Turbobenziner schlägt, klärt der Test.

24.04.2017
Elektro-Avantgarde

Ausgewachsenes, siebensitziges SUV trifft Elektroantrieb: Was viele Hersteller nur als Studie zeigen, baut Tesla in Serie. Model X 90D im Test.

24.04.2017
Blitzsauber

Der Opel Ampera-e ist bald bestellbar und hat auf dem Papier die Nase gegenüber der Elektro-Konkurrenz vorn. Wie gut er ist, zeigt der erste Test.

Traum in Rot Coys: Ferrari 275 GTB/4 unterm Hammer

Wer bietet mehr? Ein Ferrari 275 GTB/4 von 1966 kommt jetzt unter den Hammer. Der Schätzwert liegt bei umgerechnet 2,4 bis 3,0 Millionen Euro.

Formel 1: News Ferrari-Boss suggeriert Lebenszeit-Vertrag

Sergio Marchionne meint, Sebastian Vettel könne "solange er will" bei der Scuderia bleiben - Verhandlungen im Vorjahr scheiterten an sportlicher Form.

Rallycross-WM: News Silverstone: Hirvonen testet RX-Strecke

Zum offiziellen Launch der neuen RX-Strecke in Silverstone wird neben Petter Solberg auch Mikko Hirvonen im Auto sitzen - Wichtige Testzeit für JR Motorsport.

Auto mit Pfeil Skoda Karoq: Weltpremiere

Der Skoda Karoq - Nachfolger des Yeti im Segment der kompakten SUV - feierte seine Weltpremiere in Stockholm. Erste Bilder und Infos.