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55 Jahre Citroen DS - ein Rückblick

Die französische Stilikone

Die Citroen DS trägt ihren Spitznamen die "Göttin" zurecht. Denn das Meisterwerk schwebte im wahrsten Sinne über den Dingen.

mid/wa

Im Jahr 1955 wurde im Pariser Grand Palais ein Auto enthüllt, das mit einem Schlag die gesamte Konkurrenz um 20 Jahre älter aussehen ließ: die Citroen DS. Sprachloses Staunen bei den Umstehenden wie bei den anderen Herstellern war die einzig angemessene Reaktion auf die automobile Neuheit.

Die Premiere in Paris - Stadt der Liebe und Firmensitz in einem - war perfekt. Eine Stilikone war geboren.

Die DS verfügte über buntes Blech, wo zuvor nüchternes Schwarz und über Jahrzehnte unveränderte Formen dominiert hatten, gegossen in eine Hülle, die man eher in einem Science-Fiction-Roman erwartet hätte als auf dem Messestand eines französischen Autoherstellers.

Die Sensation war perfekt: Bis heute sorgt die Erinnerung bei jenen, die dabei waren, für Gänsehaut. Bereits am ersten Abend sollen 12 000 Bestellungen eingegangen sein.

Geschaffen und geprägt wurde der automobile Meilenstein von dem Ingenieur André Lefebvre und dem Designer Flaminio Bertoni. Sie hatten mit der DS ihr Meisterstück abgeliefert - fern des kleinlichen Gezänks um Kosteneffizienz, Plattform-Design oder massentauglichem Einerlei der Form, was heute für eine erschreckende Gleichförmigkeit der Autos sorgt.

Die Form der DS wird von den verwendeten technischen Lösungen bestimmt, und ihre Linien verleihen der Verbindung von Nützlichkeit und Harmonie, von Funktion und Ästhetik einen ganz eigenen Ausdruck. Ihr die doppeldeutige Bezeichnung "DS" zu geben, geschah also völlig zu Recht. Denn im Französischen wird aus dem Kürzel DS die "déesse" und somit die Göttin.

Übrigens begann bei Citroen damit eine ganze Reihe von Modellen, hinter denen zumeist mit zweibuchstabigen Bezeichnungen ein Wortspiel versteckt war: "ID" stand für "idée", "LN" für "Hélène", "LNA" für "Helena", und der als Ente bekannte "2CV" könnte mit "zwei Pferde" für "deux chevaux" übersetzt werden.

Während jedoch der 2CV als günstiges Studentenmobil galt, schwebte die DS im wahrsten Sinne über den Dingen. Unter anderem wegen der stromlinienförmigen Karosserie und des sensationellen hydropneumatischen Fahrwerks, das für bis dato ungekannten Komfort sorgte und wohl auch dem französischen Präsident Charles de Gaulle das Leben rettete.

Der bekennende Liebhaber der DS nutzte zu allen offiziellen Anlässen die Göttin - die ihn am 22. August 1962 aus einem Maschinengewehrhinterhalt in Petit-Clamart bei Paris trug. Die Attentäter zerschossen zwar den Hinterreifen - doch konnte das Fahrwerk den Verlust eines Rades kompensieren. Der Präsident war gerettet - der Mythos der DS fortan unsterblich.

Gebaut wurde die DS als viertürige Limousine - "Berline" genannt - und in verschiedenen fünftürigen Kombivarianten. Es gab auch eine geringe Zahl zweitüriger Cabriolets oder die 1964 lancierte Luxusversion "Pallas".

Diese beiden Varianten stehen bei den Fans ganz besonders hoch im Kurs, wobei sich Spitzenfahrzeuge durchaus im Bereich von 80 000 Euro tummeln können - jedoch nur, wenn es sich um originale Cabrios handelt.

Die große Mehrheit der DS-Modelle liegt wesentlich günstiger: Mit rund 10 000 Euro für ein gutes Exemplar zählt die DS beinahe zu den erschwinglichen Klassikern.

Wenn es jedoch um die technischen Aspekte der Göttin geht, schrecken viele Privatschrauber zurück. Immerhin wirkt der Motorraum nicht nur bei Einspritzermodellen mit Halbautomatik und Klimaanlage mehr als überladen.

So müssen beispielsweise für einen Kupplungswechsel Details wie Getriebe, Lenkung, Kühler oder Antriebswellen ausgebaut werden - während für den Wechsel der Steuerkette gleich der ganze Motor heraus muss. Die Göttin kann eben manchmal auch eine Diva sein...

Die Anbetungswürdige blieb zwei Jahrzehnte lang im Modellprogramm. Erst am 24. April 1975 lief das letzte von 1 456 115 Exemplaren vom Band. Es war das Ende einer Ära - und zugleich der Beginn des Aufstiegs zur Ikone unter den klassischen Automobilen.

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