Formel-1-Launches 2012 | 05.02.2012
Lotus enthüllte den neuen Boliden E20
Alles neu bei Lotus in Enstone, der schwarz-goldene E20 für Comeback-Superstar Kimi Räikkönen verfügt ebenfalls über eine höckrige Nase.
Als fünftes Team nach Caterham, McLaren, Ferrari und Force India präsentierte Lotus am Sonntag virtuell aus dem Hauptsitz Enstone das neue Auto für die Formel-1-Saison 2012. Der E20 stellt für den ehemaligen Weltmeister-Rennstall den Aufbruch in eine neue Ära dar, sowohl was die Identität des Teams als auch was die Fahrerbesetzung angeht.
Denn Vitaly Petrov und Bruno Senna wurden ersetzt, ersterer trotz eines bestehenden Vertrags für 2012, weil ihre Leistungen nach Ansicht der Teamführung nicht ausreichend waren. Die neuen Fahrer heißen Romain Grosjean und – der Transfercoup des Jahres – Kimi Räikkönen. Letzterer hatte nach zwei Jahren Rallye-WM wieder Lust auf Rundstreckenrennen und entschied sich im November gegen Williams und für Lotus.
Seine ersten Testrunden drehte er im Januar in Valencia – und laut Teamangaben gelang es ihm auf Anhieb, schnelle Zeiten zu erzielen. "Ich hatte es mir schwieriger vorgestellt", meinte er anschließend.
"Ich bin glücklich, wieder zurück zu sein", sagt der 32Jährige. "Es ist immer schön, das neue Auto zum ersten Mal zu sehen. Es sieht schön aus, aber es kommt nur darauf an, ob es schnell ist oder nicht. Das werden wir beim Testen und in den ersten Rennen sehen. Ich bin zuversichtlich, dass wir ein gutes Jahr haben können. Okay, die Formel 1 hat sich verändert, aber nicht extrem. Es gibt neue Reifen und ein paar neue Regeln, aber die Strecken und die Gesichter sind immer noch die gleichen."
Das Team erwartet sich viel vom Finnen, auch wenn der zwei Jahre lang in keinem Formel-1-Auto gesessen hat. Auch das Beispiel Michael Schumacher könnte verunsichern. Aber: "Kimi ist ein Weltmeister. Er ist für große Teams gefahren, hat viel Erfahrung, ist schnell und motiviert", erklärt Teamchef Eric Boullier. "Und Romain haben wir in den Nachwuchsklassen genau beobachtet, schon seit langer Zeit. Wir wissen, was wir von ihm erwarten können."
Grosjean ist schon 2009 seine ersten Rennen für das damalige Renault-Team gefahren, war in der vergangenen Saison Testfahrer und bekommt in dieser Saison eine zweite Chance. Hilfreich war sicherlich, dass er dem von Boullier geleiteten Gravity-Fahrerkader angehört und von einem Mineralölhersteller mit einem Millionenbetrag subventioniert wird. Wieviel dieser für Grosjean in die Hand genommen hat, ist jedoch nicht bekannt.
"2011 war eine fantastische Saison für mich", so der amtierende GP2-Meister. "Ich denke, dass ich sehr viel von Kimi lernen kann. Wir müssen zusammenarbeiten, damit wir das Auto in der Startaufstellung so weit wie möglich nach vorne bringen können. Das ist unser Hauptziel. Ich bin sehr froh, neben ihm fahren zu können. Ich denke, dass es gut für mich und das Team ist. Hoffentlich können wir etwas Starkes aufbauen."
Wie schon sein Vorgängermodell R31 präsentiert sich der E20 in schwarz-goldenen Farben – eine Lackierung, die sehr an die legendären Lotus-Autos der 70er Jahre erinnert. Ähnlich wie der Ferrari verfügt auch der Lotus reglementbedingt über einen Höcker auf der Nase, dieser wirkt jedoch optisch nicht ganz so plump. Auffällig ist ansonsten auch die stark ausgeprägte Flaschenform der schmalen Heckpartie.
Neu ist zudem die Identität des Teams, das im Vorjahr noch Renault hieß. Der Name konnte erst nach einem Rechtsstreit mit Caterham-Teamchef Tony Fernandes geändert werden, der 2011 noch als Team Lotus in der Formel 1 am Start war. Doch während Fernandes nur Namensrechte besaß, steckt hinter dem aktuellen Lotus-Rennstall tatsächlich der gleichnamige Automobilhersteller. Geleitet wird die Lotus-Gruppe vom ehemaligen Red-Bull- und Ferrari-Manager Dany Bahar.
Allerdings ist Lotus nicht Eigentümer des Formel-1-Teams, sondern nur Hauptsponsor. Die tatsächliche Kontrolle obliegt unverändert dem Investmentunternehmen Genii Capital von Geschäftsmann Gerard Lopez. Allerdings sieht der Sponsoringvertrag vor, dass Lotus eines Tages Anteile von Genii übernehmen könnte. Bisher gab es dazu jedoch keine offizielle Kommunikation seitens der Beteiligten.
Sportlich hat sich Boullier nach dem fünften Platz im Vorjahr, mit zwei Podestplätzen zu Saisonbeginn, gefolgt von einer Rückwärtsentwicklung, zwei Ziele gesetzt: "Erstens wollen wir uns in der Weltmeisterschaft verbessern und mindestens Vierter werden", sagt Lopez dem direkten Gegner Mercedes den Kampf an. "Das zweite Ziel ist, den Aufwärtstrend fortzusetzen, um eine gute Basis für die nächsten Jahre zu haben."











