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Rallye: Kommentar

„Quo Vadis Veritas“-Theorie & Praxis: Nichts als die reine Wahrheit?

Herr Mateschitz möchte uns mit seinem Projekt „Quo Vadis Veritas“ näher an die Wahrheit bringen. Doch was geschieht, wenn diese unerwünscht ist?

Kommentar von Michael Noir Trawniczek

„Quo Vadis Veritas“ („Wo gehst du hin, Wahrheit?“) heißt eine internationale publizistische Mulimedia-Rechercheplattform, die von Dietrich Mateschitz über eine gemeinnützige Privatstiftung ins Leben gerufen wurde. Auf dieser soll ein „vollständigeres Bild der Wirklichkeit“ geschaffen werden. Den Konsumenten dieser Plattform soll „eine zusätzliche Möglichkeit geboten werden, näher an die Wahrheit heranzukommen, indem Informationen geliefert, aber keine Meinungen ausgebreitet werden“, hieß es in einer Presseaussendung. Im Zuge eines Interviews mit der Kleinen Zeitung erklärte Mateschitz: „Es scheint schon so, dass sich niemand mehr die Wahrheit zu sagen traut auch wenn jeder weiß, dass es die Wahrheit ist.“

In dem sechsseitigen Gespräch übt Mateschitz Kritik an einem „Meinungsdiktat des politisch Korrekten“ und an „politischen Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen bei der Nichtbewältigung der Flüchtlingswelle“. Eine „selbst ernannte sogenannte intellektuelle Elite“ wolle „den unmündigen, kritiklosen und verängstigten Staatsbürger. Metternich war ein Lehrbub gegen das, was heute passiert. Das ureigenste aller Menschenrechte ist das auf Eigenverantwortung, und das nehmen sie dir. Sie manipulieren, reglementieren, überwachen, kontrollieren“. Seine Gesprächspartner, Kleine Zeitung-Chefredakteur Hubert Patterer und Gerhard Nöhrer konstatieren prompt: „Sie reden wie ein Wutbürger!“

Und fragen den reichsten Österreicher, ob er seine Eckpfeiler „Individualismus und Nonkomformismus“ auch in seinem Unternehmen zulassen und wie er mit Widerspruch von Mitarbeitern umgehen würde. Mateschitz antwortet: „Im Berufsleben allgemein, so auch bei uns, geht es primär um Fakten, um Analysen, Planung, Umsetzung. Also um richtig oder nicht richtig, da bleibt für Meinung und Befindlichkeit wenig Platz.“ Vor nicht allzu langer Zeit hat Mateschitz seinen TV-Sender als „wirtschaftlich untragbar“ bezeichnet und kurzfristig aufgelöst, weil Mitarbeiter einen Betriebsrat installieren wollten – erst nach einem offenen Brief der Belegschaft, wonach man keinen Betriebsrat wünsche, nahm der Salzburger seinen Beschluss zurück…

Ist also jene „Wahrheit“, die Herr Mateschitz uns näherbringen möchte, dann doch wieder nur eine von vielen? Weil es dann doch eine „Wahrheit“ sein muss, die ins Konzept des Energy Drink-Konzerns passt? Mateschitz möchte mit seinem Projekt auch andere Medien ermutigen, „näher an die Wahrheit“ zu gelangen. Was aber, wenn diese Wahrheit in Fuschl so gar nicht ins Konzept passt, weil die hauseigene Inszenierung darunter leiden könnte?

Die heimische Rallyeszene hat in den letzten Tagen und Wochen quasi ein „Meisterstück“ erleben dürfen, wie man in Fuschl mit der Wahrheit umzugehen bereit ist, wenn diese gerade unerwünscht ist, weil sie im hauseigenen Fernsehsender punktgenau und mit möglichst großem „Wow“-Effekt präsentiert werden soll...

Hat man in den letzten Tagen und Wochen jemanden aus der Rallyeszene gefragt, ob es wirklich stimmt, dass Raimund Baumschlager bald schon, im Rahmen der Wechselland-Rallye ein VW Polo World Rally Car zünden werde, wurde man ausgelacht, denn das sei schon lange bekannt. Mittlerweile weiß praktisch jeder, dass am Montag im Hangar 7 das neue Projekt vorgestellt wird – den Medien jedoch wurde unterstellt, sie würden mit der Veröffentlichung dieser Fakten „das Projekt gefährden“. Das will freilich keiner…

„Es scheint schon so, dass sich niemand mehr die Wahrheit zu sagen traut auch wenn jeder weiß, dass es die Wahrheit ist“ – die eingangs zitierten Worte von Dietrich Mateschitz wirken in diesem Zusammenhang schal und bitter. Doch wir trauen uns – zumal es schwer vorstellbar ist, dass wegen des vorliegenden Artikels noch übers Wochenende dieses an sich großartige Projekt „gestanzt“ wird…

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