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Wenn Reiche reisen

Aus einem klobigen Maybach wird ein eleganter Mercedes-Maybach. Mit der neuen XXL-Version der S-Klasse will Mercedes den Luxusmarkt aufmischen.

Michael Specht/mid

Im automobilen Oberhaus geben derzeit nur zwei Marken den Ton an: Rolls-Royce und Bentley, diese befinden sich in der Obhut der deutschen Hersteller BMW beziehungsweise Volkswagen.

Beide verbuchen Rekordabsätze. Und die Welt der Reichen wird nicht kleiner. Im Gegenteil: "In fünf Jahren werden 250.000 Menschen über ein Vermögen von insgesamt 40 Billionen Dollar verfügen", sagt Dieter Zetsche, Vorstandschef von Daimler.

Pro Person also ein Vermögen von 160 Millionen Dollar. Von diesem Kuchen will man sich ein großes Stück abschneiden. Versucht hatte Mercedes dies bereits 2002 mit der Wiederbelebung der Marke Maybach. Doch die etwas unproportionierte Luxus-Limousine kam bei der Kundschaft nicht an. In zehn Jahren fanden sich nur rund 3.000 Käufer. Ende 2012 wurde die Produktion dann eingestellt.

Der zweite Anlauf soll nun besser klappen. Die Chancen stehen gut. Denn die Stuttgarter Strategen haben aus ihren Fehlern gelernt. Der Name des neuen Flaggschiffs lautet nun "Mercedes-Maybach". Maybach wird zu einer Art Sub-Marke.

Damit wird das Topmodell auch in den - heute viel wichtigeren - Märkten außerhalb Deutschlands als Mercedes wahrgenommen. Mit Maybach konnte damals trotz aufwändigen Marketings weder ein Chinese noch ein Amerikaner wirklich etwas anfangen.

Gut 33 Zentimeter mehr Radstand trennt den Mercedes-Maybach von der normalen S-Klasse. Doch hat man nicht einfach nach dem "Stretched-Limo"-Prinzip in der Mitte ein Stück Blech eingesetzt. "Wichtig war, die optische Balance zu halten", sagt Design-Chef Gorden Wagener.

So erhielt die nun 5,45 Meter lange Limousine unter anderem vor der C-Säule ein drittes Seitenfenster, das zuvor in der Tür integriert war. Die Passagiere sitzen weit hinten vor Blicken geschützt. Auch von vorn lässt sich der Unterschied zur Standard-S-Klasse sofort ausmachen. Der geänderte Kühler mit drei großen Doppel-Lamellen soll den imposanten Auftritt des Luxusliners nochmals unterstreichen.

Bewusst verzichtet Mercedes auf unnötiges Dekor und zu viel Chrom. Protz und Prunk ist nicht mehr angesagt, zumindest in den USA nicht. "Auch in China dreht das Showverhalten", weiß Wilko Stark, Leiter Strategie in der Produktplanung. Der Mercedes-Maybach trägt seinen Nerz nach innen.

Das zeigt sich besonders beim Einstieg in den luxuriösen Fond, ohnehin der Platz, an dem sich die betuchte Klientel aufhalten wird. Daher legten die Inneneinrichter bei Mercedes die Messlatte für Komfort im Fond gegenüber der normalen S-Klasse erneut ein Stück höher. Es ist die pure Wellness auf Rädern.

Statt einer ordinären Sitzbank thronen im Passagierabteil zwei First-Class-Sitze, bezogen mit feinsten Nappa-Leder, belüftet, beheizt und bis zu einer gemütlichen Schlafposition verstellbar. Die Beinfreiheit ist so üppig, dass man mit den Füßen kaum die Lehnen der Vordersitze erreicht, erst recht dann nicht, wenn der Beifahrersitz ganz nach vorne gefahren wurde.

Man schwelgt im Luxus, umgeben von feinsten Materialien, bester handwerklicher Arbeit und einer unglaublichen Ruhe. Die Welt da draußen gleitet derweil lautlos vorbei. "In keinem Automobil reist es sich im Fond leiser", verspricht Daimler-Chef Dieter Zetsche, ohne dabei die Namen Rolls-Royce und Bentley zu nennen. Seine Entwickler haben das längst im Vorfeld gemessen. Die niedrigen Fahrgeräusche sind nicht zuletzt auch ein Ergebnis der ausgefeilten Aerodynamik. Kein Konkurrent reicht hier heran.

Geräusche sind auch vom sechs Liter großen und 390 kW/530 PS starken Zwölfzylinder nicht zu hören. Es sei denn, man tritt beherzt aufs Gaspedal, um den 2,3-Tonnen-Boliden nach vorn zu treiben. Falls nötig, erledigt dieser die 0-100-km/h-Disziplin in fünf Sekunden.

Ein derartiger Fahrstil passt aber nicht zum Auftritt dieses Autos. Alles im Maybach-Mercedes spielt sich ruhig und entspannt ab. Der Wagen gleitet sanft, federt weich, liegt auch bei hohem Tempo noch exzellent auf der Straße und verfügt zur Not über Sicherheits- und Assistenzsysteme, wie die Mitbewerber sie derzeit nicht bieten können. Erwähnt sei hier nur der Airbag-Gurt oder der Staupilot, der im Stop&Go-Verkehr teilautonom fährt. Mercedes möchte eben selbst dem Chauffeur diese stupide Tätigkeit nicht mehr zumuten.

Mit 187.841 Euro (in Deutschland) positioniert man die Maybach-Version der S-Klasse deutlich unterhalb der britischen Noblesse. Viel Spielraum nach oben hat der Käufer nicht mehr. Die Ausstattung ist extrem üppig. Nicht einmal ein Head-up-Display, LED-Licht, eine 360-Grad-Kamera, Schiebedach und Burmester-Surroud-Anlage fehlen.

Die ersten Fahrzeuge werden ab März ausgeliefert. Europa bedient Mercedes auch mit einem Achtzylinder-Motor. Selbst Allradantrieb wird es ab Sommer geben.

Die Bezeichnung Mercedes-Maybach bleibt zunächst der S-Klasse vorbehalten. Wohl nicht allzu lange, denn schließlich gilt es, den avisierten Luxus-SUV von Bentley und Rolls-Royce Paroli zu bieten. Diese Aufgabe soll der nächsten Generation der GLS-Klasse zukommen. Marktreif ist diese in rund drei Jahren.

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