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Einfach außerirdisch

Motorline.cc hat mit dem KTM X-Bow erste Testkilometer absolviert, puristisches Fahrvergnügen in Reinkultur, auffällig wie ein UFO.

Hier finden Sie Bilder des KTM X-Bow sowie des Werks in Graz!

Da steht es also vor uns. Das österreichischste Auto, das derzeit auf dem Markt ist. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Motorrad-Parade-Hersteller KTM eines Tages dafür verantwortlich zeichnet. X-Bow hat man es getauft, dieses Wesen von einem anderen Stern.

Derzeit gibt es wohl nichts Auffälligeres als diesen Boliden, Lamborghini, Ferrari, Porsche & Co werden zu Statisten degradiert, wenn der X-Bow kommt. Passanten kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus, vielen bleibt der Mund offen stehen, so, als hätte uns Scotty direkt vom Raumschiff Enterprise auf die Erde gebeamt.

Bevor wir mit dem KTM X-Bow auf die Straße starten, nehmen wir erst einmal die Manufaktur unter die Lupe. Schauplatz ist Graz, wo der X-Bow aber nicht etwa bei Magna sondern vielmehr in Eigenregie gebaut wird. Eine für industrielle Verhältnisse eher kleine Halle ist die Geburtsstätte des außergewöhnlichen Fahrzeuges.

Weltpremiere: Erstes Serienfahrzeug mit Monocoque

Beginnen wir den Rundgang gleich mit dem Herzstück des Fahrzeuges, dem Monocoque. Ein deutscher Zulieferer fertigt die Schale in Handarbeit, schnell wird auch klar, warum der ursprünglich angepeilte Preis von unter 50.000,- Euro nicht zu halten war. 28.000,- Euro kostet alleine dieses Monocoque, die Crashbox, die im Fall der Fälle Leben retten kann. Der X-Bow ist übrigens das weltweit erste Serienfahrzeug, das mit einem Monocoque ausgestattet ist.

Wir drehen unsere Runde weiter, von Felgen über zahlreiche Anbauteile bis hin zur eigentlichen Produktions-Straße. Wobei hier das Wort Manufaktur besser passt, eine Handvoll Leute baut hier bis zu drei X-Bow pro Tag zusammen, jeder von ihnen kennt das Auto in und auswendig.

Roboter sucht man hier vergebens, Handarbeit zählt. Am 16. Juni 2008 wurde der erste X-Bow in Graz gebaut, derzeit fertigt man drei Stück pro Tag, das Potenzial liegt bei 2.500 Fahrzeugen im Jahr. Momentan liegen nicht weniger als 1.500 Reservierungen vor.

Verpflichtendes Fahrsicherheitstraining

Eine Abholung des X-Bow direkt im Werk ist möglich, wer glaubt gleich danach den Nachhauseweg antreten zu dürfen, der irrt. Für KTM hat Sicherheit oberste Priorität, daher ist auch ein verpflichtendes Fahrertraining im Kaufpreis inkludiert.

Und daran mussten natürlich auch die Journalisten teilnehmen, bevor es an die erste echte Ausfahrt ging. Schauplatz war das ARBÖ Fahrsicherheits-Zentrum Ludersdorf bei Graz, das Instruktoren-Team bestand aus aktiven oder ehemaligen Rennfahrern wie Erich Glavitza, Raphael Sperrer und zwei der drei Piloten des KTM X-Bow Teams der FIA-GT Rahmenserie „Sports Light“, Cathy Felser und Dennis Retera.

KTM entschied die "Sports Light" Klasse übrigens für sich, mehr dazu finden Sie hier!

Zunächst stand das Ein- und Aussteigen sowie Angurten auf dem Programm. Um diesen Vorgang bequemer zu gestalten, lässt sich das Lenkrad mit einem Handgriff abnehmen. Verstellbare Sitze sucht man vergebens, für die richtige Position sorgen eine verstellbare Pedalerie sowie ein in der Höhe und Länge verstellbares Lenkrad.

ABS, ESP, Airbags – Fehlanzeige

Ich gebe zu, der Respekt vor dem X-Bow ist durchaus groß, während bei den meisten aktuellen Autos die Elektronik über den Fahrkünsten des Piloten wacht, gibt es hier kein Netz oder einen doppelten Boden. ABS, ESP, Airbags – Fehlanzeige. Hier geht es um das absolut puristische Fahrgefühl, dafür braucht es neben einem starken Charakter und einer gehörigen Portion Vernunft eben auch das Fahrsicherheits-Training.

Langsam macht man sich mit dem Geschoß „Made in Austria“ vertraut, Bremsen auf Belägen mit unterschiedlichem Reibwert gehört ebenso dazu wie die einen Heckausbruch simulierende Schleuderplatte oder die bewässerte Kreisbahn, wo sich nur allzu schnell das Heck in den Vordergrund drängen möchte.

240 Turbo-PS auf 800 Kilogramm

Von Station zu Station wird man zuversichtlicher, dieses brachiale Ding auch zu beherrschen. Denn auch wenn 240 PS – der Turbo-Motor stammt von Audi - im Umfeld heutiger Sportwagen nicht nach viel klingen, berücksichtigt man das Leergewicht von rund 800 Kilogramm, kommt man auf Beschleunigungs-Werte von Supersportwagen. Tempo 100 km/h schafft der X-Bow in nur 3,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 220 km/h.

Besonders beeindruckend ist der Abtrieb, den der Flitzer nicht zuletzt dank des üppigen Diffusors zustande bringt. 48 Kilogramm bei 100 km/h, satte 193 Kilogramm bei 200 km/h. Der Tank fasst 40 Liter und ermöglicht Reichweiten von rund 500 Kilometern, je nach Schwere des Gasfußes, klar. Beeindruckend auch die Bremsleistung, die Brembo-Bremsen packen kräftig zu, nach 32,9 Metern steht der X-Bow aus Tempo 100 km/h.

Nun schlägt uns aber die Stunde der Wahrheit, es geht auf die freie Wildbahn. Mangels Frontscheibe ist das Tragen eines Vollvisier-Helms dringend empfohlen, mit aufgewirbelten Steinen ist nicht zu spaßen. Spätestens jetzt weiß man auch, warum der X-Bow ohne Audio-Anlage auskommt. Kommunikation mit dem Beifahrer ist bestenfalls beim Rollen durch die Stadt möglich, ab Tempo 50 km/h ist Schluss damit.

Helm auf und ab die Post!

Und dann entfaltet der österreichische Flitzer auch seine volle Wirkung, zackig und mit großer Präzision geht es um die Ecke, die freistehenden Räder vorne sind anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Gefühl ist gefragt, wann und wo man wieviel Gas gibt, wer es übertreibt, zwingt das Heck nach außen und dann ist eine rasche Korrektur gefragt.

Der Fahrspaß sucht jedenfalls seinesgleichen, nie war Autofahren puristischer und direkter als im Mittelmotor-Sportwagen von KTM. Besonders erfreulich: Um Spaß zu haben, kann man sich durchaus im Rahmen der Straßenverkehrs-Ordnung bewegen, im Gegensatz zum Lamborghini und Co, wo es erst ab 150 km/h aufwärts beginnt lustig zu sein.

Wer – so wie wir im Rahmen der Ausfahrt – in einem Konvoi von sieben X-Bow unterwegs ist, der sorgt für Aufregung am Straßenrand. Mütter mit Kinderwagen verrenken sich die Hälse, alte Männer laufen gegen Laternenmasten, Kinder stehen mit großen Augen und offenem Mund am Gehsteig.

Ab 72.072,- Euro geht's los

Dieses Auto lässt niemanden kalt, soviel steht fest. Allzu oft wird man den KTM X-Bow aber vermutlich nicht auf heimischen Straßen treffen, 72.072,- Euro gibt man schließlich nicht so schnell für ein vermutlich in der Kategorie „Dritt-Auto“ anzusiedelndes Fahrzeug aus. Nach bisherigen Erfahrungen gönnen sich die meisten Kunden auch einige der optionalen Carbon-Goodies, der Preis schnellt dadurch in Windeseile über 100.000,- Euro.

Wir freuen uns bereits jetzt auf einen ausführlichen Test des KTM X-Bow, um Erfrierungen zu vermeiden, wird dieser aber erst im Frühsommer 2009 über die Bühne gehen. Ja, es wird auch Schneeketten geben und nein, wir werden diese nicht testen.

Die detaillierten technischen Daten entnehmen Sie bitte dem pdf-File in der rechten Navigation!

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