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Zulassungszahlen 2020: Absturz der Branche
niekverlaan / Pixabay

Schlechtestes Jahr seit 33 Jahren

Es war bereits zu befürchten, doch nun ist es „amtlich“: Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen ging 2020 um rund ein Viertel zurück – das schlechteste Ergebnis seit 33 Jahren. Immerhin aber: Zweiräder und Pkw mit alternativen Antrieben mit deutlichen Zuwächsen.

Redaktion

Insgesamt 353.179 Kfz wurden laut Statistik Austria im Jahr 2020 neu zum Verkehr zugelassen, um 19,0% weniger als 2019. Neuzulassungen von Pkw nahmen um 24,5% auf 248.740 ab. Die Anzahl neu zugelassener Lkw sank um 16,7% auf 40.042. Land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen konnten 2020 neuerlich zulegen (+6,9% auf 6.446). Auch die Neuzulassungen von Zweirädern stiegen deutlich an (+13,4% auf 46.099).

Im Jahr 2020 stürzte die Zahl neu zugelassener Pkw mit 248.740 auf den tiefsten Wert seit 1987 (243.221) und somit auch deutlich unter das Niveau des Zwanzigjahresdurchschnitts von 313.297 Neuzulassungen ab. Damit wurde, wie Statistik Austria mitteilt, im Vergleich zu 2019 (329.363 Pkw-Zulassungen) der bislang höchste beobachtete Rückgang registriert.

Neuzulassungen benzinbetriebener Pkw (Anteil: 43,3%) nahmen um 39,0%, jene von Diesel-Pkw (Anteil: 36,5%) um 28,0% ab. Der Anteil alternativ betriebener Pkw erreichte 2020 mit 50.060 Fahrzeugen (+90,0%) 20,1% (2019: 8,0%; 26.346 Pkw und 2018: 4,9%; 16.807 Pkw).

Mit einem Anteil von 10,2% an allen Pkw-Neuzulassungen – 25.380 Fahrzeuge (+105,5% gegenüber 2019) – sind Benzin/Elektro-Hybridfahrzeuge die wichtigste Gruppe unter den alternativ betriebenen Pkw; es folgen Pkw mit Elektro-Antrieb (Anteil: 6,4%; +72,8% auf 15.972 Fahrzeuge) und Diesel/Elektro-Hybridantriebe (Anteil: 3,3%; +99,4% auf 8.287 Fahrzeuge).

Ranking nach Segment


Das beliebteste Pkw-Segment war 2020 das Geländefahrzeug (GFZG) bzw. der SUV (Sport Utility Vehicle) mit einem Anteil von 31,5% und 78.403 Fahrzeugen, gefolgt von der Kompaktklasse mit einem Anteil von 25,5% (63.333 Fahrzeuge) und dem Kleinwagen mit einem Anteil von 19,5% (48.480 Fahrzeuge). Zuwächse gegenüber 2019 wurden lediglich bei Sportwagen (+57,3%, 3.345 Fahrzeuge) beobachtet.

Ranking nach Marken


Unter den zehn wichtigsten Marken 2020, die zusammen 67,5% aller Pkw-Neuzulassungen ausmachten, blieb VW mit einem Anteil von 15,4% Marktführer, gefolgt von Skoda (Anteil 9,5%) sowie Seat und BMW (Anteil jeweils 6,4%). Im Vergleich zum Vorjahr verzeichneten alle Top 10 Marken zweistellige Rückgänge (Opel -43,7%, Ford -27,6%, VW -27,3%, Renault -24,0%, Hyundai -22,6%, Seat -19,7%, BMW -17,4%, Mercedes -14,8%, Skoda -13,5%, Audi -12,8%).

Die Gewinner im Krisenjahr


Erfreulich war 2020 aber dennoch für einige Marktsegmente. Wie bereits 2019 (+6,6%) nahm auch im Jahr 2020 die Zahl der Neuzulassungen von Zweirädern zu (13,4% auf 46.099). Damit liegen die Zweiräder gemessen an allen Kfz-Neuzulassungen – wie zuletzt 2016 – wieder an zweiter Stelle hinter den Pkw-Neuzulassungen. Der Anteil an elektrisch angetriebenen Zweirädern betrug im Jahr 2020 5,7% (2.632 Fahrzeuge; Anteil 2019: 6,0%). Von den gesamten Motorradneuzulassungen hatten 769 Motorräder einen Elektroantrieb (+39,8%), bei den Motorfahrrädern waren es 1.863 (-2,1%).

Der größte Aufsteiger des Jahres 2020 in Sachen Kfz-Zulassungen sind aber die Wohnmobile. Wenngleich von einem geringen Anteil ausgehend (0,8% an allen Kfz-Neuzulassungen), legten die Neuzulassungen von Wohnmobilen um 74,2% auf 2.969 zu (2019: 1.704 neu zugelassene Wohnmobile, Anteil: 0,4%). Eine Analyse der monatlichen Entwicklung zeigt, dass insbesondere ab Mai 2020 die Neuzulassungen von Wohnmobilen deutlich zugenommen haben (Mai +9,0%, Juni +72,9%, Juli +119,3%, August +83,6%, September +639,6%, Oktober +563,4%, November +518,8%, Dezember +285,7%). Auch die Neuzulassungen von Wohnanhängern sind 2020 gestiegen, um 1,8% auf 998.

Statements aus der Branche


Dr. Peter Laimer, verantwortlich für die Kfz-Statistik bei Statistik Austria: „Die COVID-19-Pandemie beeinflusst auch die Kfz-Industrie maßgeblich. Die Pkw-Neuzulassungen sind 2020 um ein Viertel zurückgegangen“, so Laimer. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 248.740 Pkw neu zugelassen, was einem Rückgang von 24,5 Prozent gegenüber 2019 entspricht. „Während sich die Zulassungszahlen benzin- und dieselbetriebener Pkw deutlich rückläufig entwickelten, legte die Zahl der mit alternativen Kraftstoffen betriebenen Pkw um fast das Doppelte auf 50.060 Fahrzeuge zu“, erläutert Laimer weiter. Diese Zunahme ist zum überwiegenden Teil auf Benzin-Hybrid-Pkw zurückzuführen (+105,5 Prozent auf 25.380 Fahrzeuge), ausschließlich elektrisch betriebene Pkw verzeichneten einen Zuwachs von 72,8 Prozent auf 15.972 Fahrzeuge. „Neuzulassungen einspuriger Kfz lagen im Jahr 2020 mit 46.099 Fahrzeugen um 13,4 Prozent über dem Vorjahreswert und damit wiederum vor den Lkw-Neuzulassungen, die mit 40.042 gegenüber 2019 um 16,7 Prozent zurückgingen“, führt Peter Laimer aus.

Günther Kerle, Sprecher der österreichischen Automobilimporteure, nennt in erster Linie die Corona-Pandemie und die damit verbundene, anhaltend schlechte Wirtschaftslage sowie die schwierigen politischen Rahmenbedingungen mit permanenten Steuererhöhungen als Gründe für den Einbruch am Automarkt. „All diese Faktoren haben zusammen zum schlechtesten Jahr für die Automobilwirtschaft seit 33 Jahren geführt“, so Kerle. Diese Entwicklung sei dramatisch, da die Automobilwirtschaft eine Leitbranche der produzierenden Wirtschaft in Österreich ist und für 315.000 Arbeitsplätze sorgt. „Wir müssen leider davon ausgehen, dass auch 2021 ein schwieriges Jahr wird. Um die Lage am Automarkt zu stabilisieren, dürfen jedenfalls keine neuen finanziellen Belastungen für Unsicherheit sorgen. Stattdessen sollten wir auf Maßnahmen setzen, die den Markt ankurbeln. Darüber hinaus sollte eine Verlängerung der Investitionsprämie angedacht werden, die als Corona-Maßnahme einen positiven Input gebracht hat. Grundsätzlich wünschen wir uns, dass es zwischen Politik und Wirtschaft wieder mehr zu einem Miteinander kommt und wir uns wegbewegen von der Bestrafungspolitik und der rein ideologischen Politik, wie wir es derzeit häufig erleben. Sowohl die Wirtschaftskrise als auch Fragen der Klimapolitik werden wir nur dann lösen, wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen“, so Kerle. Für 2021 rechnet Kerle zumindest im Bereich der elektrifizierten Fahrzeuge erneut mit einem großen Aufschwung, von Seiten der Hersteller sei jedenfalls ein wahres Produktfeuerwerk zu erwarten.

„Nach einem für unsere Branche enttäuschenden Jahr 2020 heißt es jetzt nach vorne blicken“, resümiert der Obmann des Bundesgremiums des Fahrzeughandels in der Wirtschaftskammer Österreich, Klaus Edelsbrunner, anlässlich der Bekanntgabe der Kfz-Zulassungszahlen. Auch der Start ins neue Jahr sei für den Fahrzeughandel bis jetzt eher stotternd verlaufen: „Der Lockdown im normalerweise zulassungsstarken Jänner trifft unsere Branche voll. Was die Unternehmen jetzt brauchen, sind Planbarkeit und klare Perspektiven, um ins Frühjahr starten zu können“, unterstreicht der Branchensprecher. Die Kundennachfrage sei derzeit noch schwach. Auch die Entwicklung des Gebrauchtwagenhandels sei 2021 schwierig, so Edelsbrunner. Belastend wirken die laufenden Kosten für die Gebrauchtwagenlager, zudem steige allgemein die Insolvenzgefahr, da auch die gestundeten Steuern bezahlt werden müssten. Edelsbrunner kritisiert auch die NoVA-Erhöhung bzw. Einführung für leichte Nutzfahrzeuge ab 1.7.2021: „Generell sind Steuererhöhungen wie diese Gift für den Markt, bringen aber auch der Umwelt nichts, weil alte – und damit schadstoffreichere – Fahrzeuge einfach länger auf der Straße bleiben. Eine NoVA für Kleintransporter ist nur eine Zusatzbelastung für die Wirtschaft“, betont Edelsbrunner abschließend und verweist darauf, dass die NoVA seinerzeit als Ersatz der „Luxussteuer“ eingeführt wurde.

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