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Mercedes-AMG S 63 4MATIC+ Coupé - im Test Mercedes-AMG S 63 Coupe 2018

Luxus-Sportler

Exaltierten Luxus und totale PS-Power bieten nur wenige Fahrzeuge. Wir testen, ob das Mercedes-AMG S 63 Coupé mit 612 PS zu diesen gehört.

Text und Fotos: Johannes Toth

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Zum einen ist da die Marke Mercedes mit deutlichem Statement zu Prestige, bis hin zu überschwänglichem Luxus. Zum anderen ist da die Marke AMG mit starkem Anspruch im Bereich Sportlichkeit und Performance.

Die Abkürzung AMG steht übrigens für die Anfangsbuchstaben der damaligen Gründer Aufrecht und Melcher, sowie den Gründungs-Firmensitz Großaspach. Das war 1967. Inzwischen ist AMG eine Tochtergesellschaft der Daimler AG und produziert heute in Affalterbach nahe Stuttgart.

Das S-Klasse Coupé von Mercedes steht für sich schon massiv im Luxus-Segment. Wir sprechen von 2+2 Sitzen auf genau 5 Metern Länge und 2 Metern Breite. Die zweite Reihe ist zwar auch auf längeren Fahrten bewohnbar, aber der Fahrer muss dann schon mit dem elektrischen Sitz etwas weiter nach vorne surren.

Zu viele Passagiere sind sowieso unerwünscht hier. Man sitzt zwar auf feinem abgestepptem Leder mit hellen Nähten, aber Sitzkühlung und Sitzmassage in mehreren Programmen gibt es nur vorne. Hinten bloß banale Sitzheizung. Und die hinteren elektrischen Fensterheber sind nur vom Fahrersitz aus zu betätigen. Na geh. Wer will denn da noch mitfahren!

Also nehmen wir einmal links vorne Platz: Feinste Materialien. Angenehmes Leder, perforiert und kontrastreich abgesteppt, kühles Metall in mattem Silber, glänzendes dunkles Holz mit hellen Intarsien. Die Armaturen: großes Kino, in Stuttgart nennt man das Widescreen. Zwei Bildschirme mit je 31,2 Zentimetern Diagonale finden sich hinter einer gemeinsamen Glasscheibe vereint.

Hier lässt sich die klassische Info über Geschwindigkeit und Drehzahl einblenden. Aber auch vieles mehr. Wir werden selbstverständlich über Temperaturen von Motor- und Getriebeöl sowie Wasser informiert, aber auch über die der vier Reifen. Wobei sich die Farbe auf gelb ändert, wenn der Reifen über 70 Grad Celsius hat. Diese gelbe Karte haben wir aber nur bei längerem intensiven Kurvenheizen gesehen. Erst, wenn es den echten Reifen wirklich zu heiß wird, werden auch die angezeigten Reifen rot. Spätestens dann sollte man den Fuß wieder vom Gas nehmen.

Die Anzeigelandschaft lässt sich verschiedenfach konfigurieren, bis zum Informations-Overkill, an den wir uns aber zugegebenermaßen bald und gerne gewöhnt haben.

In den Tiefen des Bordmenüs finden wir auch die – für dieses Auto – etwas zu juvenilen Einstellungen wie G-Kräfte, Boost-Anzeige oder Zeitnehmung. Selbstredend lässt sich auch das Headup-Display, also die in die Windschutzscheibe einblendbaren Hinweise, individuell zusammenstellen – zum Beispiel mit gefahrener Geschwindigkeit, Drehzahl, Verkehrszeichen oder Navigationsbotschaften.

Bei gemächlicher Gangart wird uns die traurige Nachricht eingeblendet, dass vier der acht Zylinder eine Pause einlegen, weil sie für die aktuelle Art der Fortbewegung gerade nicht gebraucht werden.

In den Getriebeeinstellungen Comfort und unter 3.250 U/min verwandelt sich der V8-Motor somit unmerklich in einen sparsamen 4-Zylinder. Nummer 2, 3, 5 und 8 werden jedoch in Millisekunden und komplett ruckfrei wieder dazugeschaltet, wenn der Fahrer mehr Leistung abruft.

Weitere Fahrzeugmodi sind Individual, Sport, Sport+ und Race. In Individual lassen sich Motor, Getriebe, Stoßdämpfer, Auspuffklappen und ESP-Ansprechverhalten individuell und teilweise in mehreren Stufen abstimmen und speichern. Während der 8-Zylindermotor in Comfort leise schnurren kann, um nachts durch die Villengegend in die Garage zu gleiten, wird es ab dem Sportmodus spannender.

Bei Standgas lassen die Sound-Designer den Motor unruhig brabbeln. Beim Fahren wird vor allem bei Schaltvorgängen der 9-Gang-Automatik reudig gefaucht und geschossen. Am besten genießt man die Geräuschkulisse bei komplett offenen Fenstern. Da kommt zum gewaltigen Sound noch die hinreißende Optik des großen klassischen Coupés ohne B-Säule dazu.

Auf der anderen Seite ist die Geräuschdämmung im Inneren des Fahrzeugs sensationell. So gelangen auch bei hohem Autobahntempo kaum störende Tonlagen vom Wind oder von den Reifen ans Ohr der Insassen. Die bezauberndste, aber auch ängstlichste aller Beifahrerinnen merkt nichts von den 180 km/h, die wir durchschnittlich pro Stunde zurücklegen und plaudert weiter unbekümmert über ihre Blumenbeete.

Angetrieben wird der S 63 durch das kleinere, aber agilere AMG Triebwerk, ein Vierliter V8 Benzinmotor mit 612 PS und 900 Nm Drehmoment. Kleiner deshalb, weil das größere eine V12-Maschine mit sechs Litern Hubraum ist. Bringt dann 630 PS bei 1.000 Nm Drehmoment und kostet rund 90.000 Euro mehr. Hat dann aber nicht den serienmäßigen 4MATIC+ Allradantrieb. Schwere Entscheidung also.

Sechshundertzwölf. Die Zahl ist so gewaltig, wie sie klingt. Bei einer Beschleunigung von 3,5 Sekunden auf 100 km/h können sich die meisten Motorradfahrer hinten anstellen. Klar braucht man das jetzt nicht an jeder Kreuzung und in jeder Kurvenausfahrt, aber wie heißt es so schön: Ist schon gut wenn man rechtzeitig drauf schaut, dass man's hat, wenn man´s braucht!

Und noch eine Empfehlung – weil es beim Basispreis von rund 240.000 Euro eh schon wurscht ist: AMG Driver's Package um rund 2.500 Euro ankreuzen. Das inkludiert unter anderem die Anhebung der Höchstgeschwindigkeit auf 300 km/h. Da bleibt dann kein Auge mehr trocken: Die Tachonadel bewegt sich mühelos aufwärts. Egal ob von 30 auf 70 oder von 230 auf 270 km/h. Die endgültige Frage, ob bei 300 abgeregelt wird, oder bloß der Motor mit seinen 612 PS am Ende ist, konnten wir leider auf keiner Straße klären. Da der 8-Zylinder bei 180 km/h im 9. Gang aber gerade einmal mit 2.200 Touren schnurrt, tippen wir auf ersteres.

Weil wir gerade bei den Zahlen sind. Mit 400 Liter Kofferraumvolumen passen zwar keine Schrankkoffer hinten rein, mehr Gepäck als in die Golf-Klasse aber allemal. Was einen längeren Urlaub zu zweit oder ein Wochenende zu viert durchaus realistisch macht. Das Leergewicht liegt bei 2.080 kg, und der Verbrauch laut Mercedes bei 11,2 Litern 98-oktanigem Super Plus im Schnitt. Und im Testverbrauch? Kann schon mal ein bissl mehr sein. Das hängt jedoch direkt damit zusammen, wie oft und wieviel Leistung abgerufen wird bzw. wieviele Motorradfahrer einem begegnen.

Plus
+ in jeder Situation überzeugend: die mühelose Kraftentfaltung
+ ein Heer an Assistenzsystemen macht den S63 zum sichersten Automobil seiner Art
+ kann beides perfekt: elegant beim Casino vorfahren und brutal am Gas hängen

Minus
- hintere elektrische Fensterheber sind nur vom Fahrersitz aus zu bedienen
- die Geschwindigkeit wird nicht mehr wahrgenommen, sie verkommt zu einer Zahl am Tachometer

Resümee
Ja, das Mercedes-AMG S 63 Coupé wird allen Menschen ein Quell hehrer Freude sein. Den stillen Beobachtern durch sein hinreißendes Design und die erbauende Klangkulisse. Seinen Besitzern unter anderem deshalb. Aber am meisten dem österreichische Finanzminister. Der bekommt nämlich mit jedem verkauften Fahrzeug still und leise über 70.000 Euro an Steuern überwiesen.

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