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Ford Mustang 5.0 V8 Bullitt - im Test Ford Mustang Bullitt 2019

Hulk McQueen

Fünfliter-V8, 464 PS und Hinterradantrieb sind die Schlüssel zum Glück. Verpackt in der legendären Verkleidung des Ford Mustang Bullitt. Im Test.

Bernhard Reichel

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Filme und Autos prägen uns seit der Erfindung der Kinoleinwand. Was wäre Bond ohne seinen Aston Martin, Magnum ohne Ferrari, Columbo ohne sein rostiges Peugeot Cabrio? Nicht zu vergessen Michael Knights K.I.T.T. - ein Pontiac Firebird, dessen Nachfolger im Jahr 2008 sogar ein Ford Mustang wurde.

An die wilde Verfolgungsjagd aus dem 1968er-Film "Bullitt" mit Steve McQueen konnte jedoch kein anderer TV-Auftritt eines Ford Mustang heranreichen. Ohne peinliche Quersteher am Kurvenausgang (die man in Hollywood gern Laien als Drifts verkauft), sondern richtig und ehrlich am Limit gefahren, ist die Verfolgung der Bösewichte im Dodge Challenger durch Lieutenant Frank Bullitt im Mustang auch heute noch sehenswert.

Neben dem Ur-Bullitt gab es für den amerikanischen Markt vom Vorgänger schon einmal ein entsprechendes Sondermodell. Optisch betrieb man beim dritten Bullitt ordentliche Detailarbeit. Der Kühlergrill verzichtet auf seine Streben sowie auf das Ford-Emblem. Stattdessen gibt es ein engmaschiges Gitter samt Chromumrandung.

Die Seitenleisten sind beim Ford Mustang Bullitt verchromt und harmonieren perfekt mit dem dunklen originalgetreuen Montanagrün (für Banausen gibt es das Auto auch in Schwarz). Am Heck wurde das sonst übliche GT-Emblem gegen ein Bullitt-Badge getauscht. Die Hubraumbezifferung auf der Seite wurden ebenfalls gecleant. Ob man das bei geöffneten Türen auf den Boden projizierte Pferd vergessen hat, es springt nämlich wie gehabt?

Als Schuhwerk spendierte man schwarze 19-Zöller im Torq-Thrust-Design, natürlich mit dezenter Chromumrandung. Serienmäßig blicken rote Bremsbacken durch. Auch das Lenkrad ziert nun das Bullitt-Logo, die Akzentnähte sind in dunkelgrün gehalten und auf der Beifahrer-Armaturentafel findet sich eine durchnummerierte Plakette. Einen Hinweis, auf wie viele Exemplare die Limitierung hinausläuft, offenbart diese jedoch nicht. Und natürlich der Knaller: der Schaltknauf wie beim Film-Original im Design einer weißen Billardkugel.

Ford beließ es aber nicht bei Schminke, sondern griff nochmals den legendären V8 an. Ein großer Sportluftfilter, erhöhter Drosselklappen-Durchmesser und ein paar Zeilen aus dem Shelby GT350-Steuergerät holten nochmals 14 Pferdchen aus dem fünf Liter großen Sauger, der nun auf 464 PS und 529 Nm kommt. Zur Sicherstellung der entsprechenden Dramatik packte man die Klappenanlage gleich in die Serienausstattung. Diese lässt sich mehrstufig verstellen.

Fast ausschließlich positive Rückmeldungen räumt der Mustang ab. Egal wo man hinfährt, erntet man nach oben gestreckte Daumen oder gezückte Handys. Was unterscheidet ihn von anderen Sportwagen? Es scheint wohl seine Ehrlichkeit und Bodenständigkeit zu sein. Beginnend beim Motor, ein Triebwerk nach dem einfachen Gesetz: "Hubraum ist durch nichts zu ersetzen".

Die hervorragende kontrollierbare und charakterreiche Leistungsentfaltung eines großen V8-Saugmotors haben alle anderen Hersteller praktisch bereits eingestellt. Ja, nicht einmal ein Start-Stopp-System verdirbt die Laune.

Geerntet wird obendrein Klangvolumen vom feinsten. Dieses ehrliche, dreidimensionale Klangerlebnis lässt kein Turbomotor oder Sounddesign mehr zu. Es ist einfach ein Genuss, dem Motor bei der Arbeit zuzuhören, seinen Klang wie ein Musikinstrument zu gestalten. Am brünftigsten brummelt er bei etwa 3.000 Touren. Der V8 definiert den Mustang, der Rest des Wagens ist Mittel zum Zweck.

Praktisch jederzeit, in jeder Kurve, bei jedem Abbiegen lässt er sich quer fahren. Selbst kleine Achsbewegungen sind Grund zur Freude. Es ist die schiere Übermotorisierung, die pure Unvernunft, die greifbare Kraft. Doch es wird nicht nur Kraft in Quertrieb, sondern auch in Vortrieb umgesetzt, bis 7.000 Umdrehungen reicht das Drehzahlband.

Wer sich an die dicken Abmessungen, Gewicht, mäßige Übersicht und verbesserungswürdige Rückmeldung gewöhnt hat, zaubert eine Performance hin, die sich Konkurrenten à la BMW M4 würdig erweist. Das ist zwar nicht das bevorzugte Revier des Mustang, aber das Gefühl, dass man jederzeit in diesem wildern könnte, kann man in keiner Preisliste kaufen. Die abartig guten Brembo-Bremsen wären jedenfalls stets bereit.

Das manuelle Getriebe passt perfekt zum Bullitt. Selbst schalten in dieser Leistungsdimension haben alle anderen Hersteller längst abgeschafft. Obendrein gehört die Box zu einer der besten und knackigsten auf dem Markt. Auch wenn man automatisches Zwischengas aktivieren könnte, so spielt man lieber selbst damit.

Die Ehrlichkeit geht beim Verbrauch weiter. Die als Mix-Wert angegebenen 12,4 Liter treiben zwar die Normverbrauchs-Abgabe (NoVA) hoch, in der Realität bleibt man ohne große Bemühungen knapp darunter.

Im Grunde ist der Ford Mustang Bullit für 67.950 Euro voll ausgestattet. Extras wie Navi mit Sprachsteuerung Sync3, wie auch die 1000 Watt- B&O PLAY-Soundanlage sind an Bord. Für 2.500 Euro bekommt man noch perfekte Recaro-Sitze und für 2.800 Euro ein verstellbares Fahrwerk. Wenn man bedenkt, dass bei diesem Preis bereits mehr als die Hälfte die österreichischen Steuern ausmachen, ergibt das netto ein grandioses Preis-Leistungsverhältnis.

Plus
+ Wahnsinns-Fahrspaß und -Sound
+ Top-Bremsen
+ knackiges und präzises Getriebe
+ Verbrauch angemessen
+ Tempomat adaptiv oder konventionell wählbar

Minus
- wenig wendig
- vergisst "my mode"-Einstellungen oft

Resümee
Hier kommt vieles zusammen, was längst ausgestorben ist: dicker, frei saugender V8 samt genialem Schaltgetriebe und das Ganze zum attraktiven Preis - jedenfalls vor Steuern. Einen derart authentischen Fahrgenuss erhält man in Neufahrzeugen selten und wohl bald gar nicht mehr.


Preise, Ausstattung & Technik

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