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Formel 1: Interview

Vietnam? Nigeria? Lebewohl, Europa!

Formel-1-Vorstand Martin Sorrell hält nichts davon, am Kernmarkt Europa festzuhalten; man müsse dort hingehen, wo das Wachstum sei.

Die Formel-1-WM dürfte sich in Zukunft weiterhin von ihrem europäischen Traditionsmarkt abwenden und neue Regionen der Welt erschließen. Das ist zumindest die Strategie, die der einflussreiche Formel-1-Vorstand Martin Sorrell für die künftige Ausrichtung des milliardenschweren Grand-Prix-Sports vorschlägt. Er ist als eines der Mitglieder des Vorstands, an den Bernie Ecclestone als Geschäftsführer berichtet, einer der mächtigen Männer im Hintergrund der populären Rennserie.

Seiner Meinung nach sollte die Formel-1-WM in einem ersten Schritt an China festhalten und nach Indien zurückkehren, um zwei der bevölkerungsreichsten Länder der Welt im Rennkalender zu haben, doch der Chef einer internationalen Werbe- und PR-Agentur geht in einem Interview mit der offiziellen Website der Weltmeisterschaft noch einen Schritt weiter: "Warum nicht Indonesien? In 25 Jahren wird es, was die Bevölkerung angeht, nach Indien und China das drittgrößte Land der Welt sein." Derzeit gibt es mit Rio Haryanto zudem erstmals einen indonesischen Grand-Prix-Piloten.

"Danach könnte man auch über Vietnam und irgendwann über Nigeria nachdenken", sagt Sorrell. Ein Grand Prix auf dem afrikanischen Kontinent sei für eine Rennserie, die sich Weltmeisterschaft nenne, eigentlich Pflicht, aber zuletzt wurde 1993 in Südafrika gefahren. Die immer wiederkehrenden Versuche, dort erneut eine Formel-1-Veranstaltung zu realisieren, sind in den vergangenen Jahren stets gescheitert, zumeist an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Sorrell sieht auch in Südamerika noch Potenzial: "Argentinien, Kolumbien, Peru – wahrscheinlich werden sie nicht alle ein Formel-1-Rennen bekommen, aber sie ziehen das definitiv in Betracht", behauptet er. Für Nordamerika wünscht er sich neben Kanada drei US-Grands-Prix: "Einen an der Ostküste, einen an der Westküste und vielleicht ein Stadtrennen in Detroit. Das ist immer noch die Automobilhauptstadt der USA. Wenn man vier Wochen in den USA bleibt, kann man sicherlich drei Rennen fahren, mindestens zwei."

Zählt man alles zusammen, kommt man auf mindestens fünf neue Grands Prix, die Sorrell in die Formel-1-WM aufnehmen möchte. Gleichzeitig gibt es momentan aber einen Konsens darüber, dass der Rennkalender mit 21 Rennen das Maximum der Belastbarkeit für Teams und ihre Mitarbeiter darstellt. Das heißt, dass von aktuell nur noch acht Grands Prix in Europa drei übrig blieben – für Sorrell kein Beinbruch.

Der Strategie, die Formel-1-WM wieder fester in den europäischen Kernmärkten zu verankern, könne er überhaupt nichts abgewinnen: "Du musst da hingehen, wo das Wachstum ist. Das gilt für mein Business – und es gilt auch für die Formel 1. Wenn ich mich ins Jahr 2005 zurückversetze, machte das, was wir heute als die am schnellsten wachsenden Märkte bezeichnen, zehn Prozent unseres Geschäfts aus; heute sind es 31 Prozent."

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