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Formel 1: Interview

Überholsimulation für neue Strecken

Der neue Stadtkurs in Hanoi ist mithilfe einer Computersimulation entstanden, die dabei helfen soll, Überholvorgänge vorherzusagen.

Die Formel-1-WM möchte mithilfe von Simulationstechnologie neue Rennstrecken so gestalten, dass sie mehr Überholmanöver zulassen. Pat Symonds hat als Chef eines Expertengremiums von Liberty, dem Mehrheitseigner der Rennserie, zur Entwicklung dieses weltweit ersten dafür geschriebenen Computerprogramms beigetragen.

"Es war sehr komplex, aber wir schaffen es, ein vernünftiges Modell der Luftturbulenzen, die ein Auto verursacht, abzubilden. Es berücksichtigt die Aerodynamik der Fahrzeugoberfläche, aber auch die Eigenschaften der Reifen", sagte er. Um eine Runde zu simulieren, benötigen die Rechner mehrere Stunden.

Erstmals zum Einsatz gekommen ist das Programm bei der Entstehung des neuen Stadtkurses in Vietnams Hauptstadt Hanoi. "Wir konnten dadurch verstehen, was es braucht, damit der Kurs guten Rennsport produziert. Es wird eine herausragende Strecke", versprach der Brite. Denkbar ist auch, dass die Technologie eingesetzt wird, um bestehende Kurse überholfreundlicher zu machen, wenngleich dies natürlich den Betreibern obliegt.

Symonds ist wichtig, dass wissenschaftliche Erkenntnisse Grundlage seiner Maßnahmen sind. "Ich habe so viele Theorien gehört, wie es möglich wäre, dass mehr Autos überholen", sagte er. "Zum Beispiel heißt es immer wieder, dass man für mehr mechanischen Grip sorgen müsste. aber in einem Regenrennen, in dem es deutlich weniger mechanischen Grip gibt, ist der Rennsport plötzlich viel besser."

Auf Grundlage von Simulationen empfahl Symonds der Formel-1-WM auch jene überarbeiteten Aerodynamikregeln für kommende Saison, die mit einfacheren Frontflügeln und Luftleitblechen für weniger Verwirbelungen sorgen sollen – eine Maßnahme, die er gegen teils heftige Kritik verteidigt: "Die Weiterentwicklung geht so schnell vonstatten, dass sie alarmierend ist. Hätten wir nichts getan, wäre es mit den 2019er-Autos noch schwieriger gewesen als 2018, Gegnern hinterherzufahren."

Deshalb wollte Symonds zumindest den Status quo absichern und eine Grundlage für die umfassendere Regelnovelle 2021 schaffen, wenn eine Kostenobergrenze und mehr Einheitsbauteile eingeführt werden sollen. "Perfekt wird es allerdings nie sein, weil man die Gesetze der Physik nicht überwinden kann", so Symonds über die regulativen Grenzen der Eingriffsmöglichkeiten.

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