Formel 1

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter

Inhalt

F1-Qualifying Ungarn 2020: Mercedes auf seinem eigenen Planeten
Foto: Motorsport Images

F1-Qualifying Ungarn 2020: Mercedes auf seinem eigenen Planeten

Mercedes holt im Qualifying von Ungarn eine ungefährdete Pole-Position: Lewis Hamilton Schnellster vor Valtteri Bottas - Beide Ferrari erstmals in Q3

Wer dachte, dass die Konkurrenz auf dem kurvenreichen Hungaroring näher an Mercedes heranrücken könnte, der hat sich geirrt. Beim Qualifying zum Grand Prix von Ungarn waren Lewis Hamilton (1:13.447 Minuten) und Valtteri Bottas (+0,107) sogar noch dominanter als in den vergangenen beiden Wochen am Red-Bull-Ring in Spielberg.

In Mogyorod bei Budapest, das war die klare Ausgangsposition, würde sich zeigen, ob die Mercedes-Dominanz in Spielberg nur streckenspezifisch war oder auf unterschiedlichen Streckenprofilen Bestand hat. Das Ergebnis ist eindeutig. Mercedes ist 2020 so dominant wie lange nicht, und angesichts der eingefrorenen Regeln liegen die WM-Titel 2020 und 2021 auf dem Silbertablett.

Die große Enttäuschung war Max Verstappen, von den meisten Experten eigentlich als Herausforderer Nummer 1 gehandelt. Der 22-Jährige belegte mit 1,402 Sekunden Rückstand den siebten Platz. Helmut Marko hatte es bereits am Freitagabend im 'ORF'-Interview geahnt: "Das, was neu [an Teilen] gekommen ist, hat nicht funktioniert."

"Wir haben das Auto über Nacht massiv umgebaut. Trotzdem treten immer wieder aerodynamische Sachen auf, die wir nicht verstehen und die es den Fahrern unmöglich machen, auf eine wettbewerbsfähige Runde zu kommen", ergänzt Marko im Interview mit 'Sky'. Der Rückstand auf Mercedes von 1,4 Sekunden sei "ein Wahnsinn. Wir rätseln."

Kein Licht am Ende des Tunnels für RBR

Verstappen findet nach dieser Qualifying-Performance auch nichts, an dem er sich hochziehen könnte: "Ich habe schon lange nicht mehr erlebt, dass wir so langsam waren. Aber es ist so." Zeit verliert er "überall. Das ganze Wochenende hat gar nichts funktioniert. Wir sind viel zu langsam. Es ist richtig schlecht."

Der RB16 zeigte sich im Fahrverhalten ähnlich nervös wie beim Auftakt-Rennwochenende in Spielberg. Schon in Q2 berichtete Verstappen von einem "merkwürdigen" Problem: "Jetzt habe ich in mittelschnellen Kurven plötzlich Untersteuern. Ich weiß nicht, was mit den Reifen los ist." Davor hatte Alexander Albon durchgegeben: "Fühlt sich nach Übersteuern an. Total eigenartig."

Besser lief's bei Ferrari. Sebastian Vettel gewann das Stallduell gegen Charles Leclerc um 0,043 Sekunden. Beide stehen am Sonntag in der dritten Reihe. "Auf jeden Fall positiv, dass wir beide Autos in Q3 haben", freut sich Vettel. 'Sky'-Experte Ralf Schumacher relativiert: "Alles gut und schön. Aber es ist Ferrari! Die sollten um die WM fahren ..."

Davon ist Ferrari 2020 meilenweit entfernt. Aber Ungarn ist ein erster Schritt in die richtige Richtung: "Klar ist heute ein besserer Tag. Nicht nur mitzufahren, sondern mitten rein, das war auf jeden Fall gut", sagt Vettel. "Leider hatten wir nur einen frischen Reifen zum Schluss, sonst hätten wir vielleicht noch mehr rausquetschen können."

Vettel auf P5, Top 4 starten auf Medium-Reifen

Vettel verlor eigenen Angaben nach etwas Zeit in der ersten Kurve, wo ein paar Regentropfen für einen Rutscher sorgten. Auf die beiden Racing Points fehlten aber mehr als zwei Zehntelsekunden. Die waren so oder so außer Reichweite. Und Mercedes ebenfalls. Vettels Rückstand auf die Pole-Zeit betrug 1,327 Sekunden.

Hamilton steht zum 90. Mal in seiner Karriere auf dem ersten Startplatz eines Formel-1-Rennens. "Das war richtig solide", jubelt er über die sagenhafte Performance des Mercedes auf einer Strecke, die eigentlich nicht als Mercedes-Strecke gilt. Und angesichts der Schwäche von Red Bull und Ferrari fragen sich viele: Hat er eine Hand jetzt schon am WM-Pokal?

Noch ist es zu früh für solche Ansagen. Zumal er mit Bottas einen starken Gegner im eigenen Team hat. Der Finne tat sich "vor allem beim Anbremsen von Kurve 1 schwer, und in Kurve 2 hatte ich ein loses Heck. Aber je griffiger die Strecke wurde, desto weniger Problem war das. Lewis war einfach schneller", analysiert er.

In den Kurven 4, 8, 9 und 11 ist Mercedes laut Hamilton eine Klasse für sich. "Die Effizienz des Autos ist wirklich gut, besonders in schnellen Kurven", gibt der sechsmalige Weltmeister zu. Sogar der erste Mercedes-Verfolger, Lance Stroll auf Racing Point, hatte 0,930 Sekunden Rückstand. Sergio Perez wurde mit 1,098 Sekunden Rückstand Vierter.

Schumacher: Lob für gescholtenen Stroll

"Er ist nicht umsonst Formel-3-Europameister geworden", sagt Experte Schumacher über Stroll, oft als "Paydriver" kritisiert und teamintern zuletzt unter Druck. Nach seiner schnellen Runde plärrte er in den Boxenfunk: "The car was on fire today. Yes, yes!" Man muss allerdings relativieren: Perez war insofern geschwächt, als seine erste Q3-Runde wegen Track-Limits gestrichen wurde.

Lando Norris und Carlos Sainz (McLaren) sicherten sich die Startpositionen acht und neun. Zehnter wurde Pierre Gasly, und das trotz neuerlicher Probleme mit dem Honda-Antrieb: "Ich habe das Gefühl, ich mache den Motor kaputt", funkte er an die Box - hörte aber nur: "Wir können dagegen in dieser Session nichts unternehmen."

Albon kassierte in Q2 0,739 Sekunden Rückstand auf Teamkollege Verstappen. Der sonst so ruhige Thailänder sieht erstmals nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Kommandostand in der Pflicht: "Ich habe euch doch gesagt, ihr sollt mich nicht in Verkehr rausschicken", ärgerte er sich am Boxenfunk über den letzten Platz auf der Strecke im entscheidenden Q2-Run.

"Da musst du als Team die Fahrerpsyche in Erwägung ziehen und ihn als Erster rausschicken", unterstützt ihn 'ORF'-Experte Alexander Wurz. "Da ist die Strecke vielleicht um eine Zehntelsekunde langsamer. Aber dafür hat er eine freie Strecke und findet seinen Rhythmus. Sonst sieht man ja, dass so ein junger Fahrer schnell in eine Negativspirale kommen kann."

Räikkönen auf dem letzten Platz

Während die Jugend im Aufschwung ist, befinden sich die Senioren offenbar im Rückwärtsgang. Kimi Räikkönen, am Hungaroring normalerweise von tausenden finnischen Landsleuten angefeuert, wurde im Alfa Romeo 20. und Letzter. Auf seinen Teamkollegen Antonio Giovinazzi (19.) verlor er allerdings nur 0,108 Sekunden.

Überraschend: Renault war in Q2 selbstbewusst genug, beide Fahrer zunächst mit Medium-Reifen auf die Strecke zu schicken. Ein Poker, der nur bei Mercedes und Racing Point aufgegangen ist. Letztendlich wurde Daniel Ricciardo Elfter und Esteban Ocon 14. Und Williams brachte in Q1 auf immer schneller werdender Strecke beide Autos in die zweite Runde, erstmals seit Monza 2018.

Doch für das Rennen rechnen alle Experten mit einem Mercedes-Sieg. Für Hamilton könnte es bereits der achte auf dem Hungaroring werden. Bei Red Bull ist man jedenfalls kleinlaut geworden: "Vom Sieg oder Podium brauchen wir gar nicht zu träumen", seufzt Helmut Marko. "Aber es sind Regenschauer angesagt. Das könnte unsere Chance sein."

Und aus deutscher Sicht? "Morgen ist vielleicht mehr drin, als die Startposition jetzt aussagt", gibt sich Sebastian Vettel kämpferisch. "Auf die Distanz, was die Reifen angeht, können wir vielleicht besser haushalten als Racing Point."

Motorsport-Total.com

Ähnliche Themen:

Weitere Artikel

Mehr als nur ein BISSerl nervig...

Hochsaison für Marder – was hilft?

Kaum ein Autofahrer, der damit nicht schon einmal Bekanntschaft gemacht hat. Ein Marderbiss legt das Auto lahm, wer das Tier fernhalten will, muss zu professionellen Maßnahmen greifen.

Der traditionsreiche Oldtimer Grand Prix auf dem Nürburgring ist der passende Rahmen für das erste Rennwochenende mit den Klassikern aus der großen Zeit der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft.

Rückgang dank Corona und des Wetters

Heuer "nur" 30 Motorrad-Tote

Von 1. Jänner bis 15. Juli 2020 sind in Österreich 30 Motorradfahrer tödlich verunglückt, deutlich weniger als im Vergleichszeitraum der Vorjahre.

Ken Block fährt elektrischen STARD-Fiesta in Holjes

Ken Block fährt elektrischen STARD-Fiesta in Holjes

Jetzt ist die Katze aus dem Sack, niemand geringerer als Ken Block wird das erste rein elektrische Rallycross-Rennen im elektrischen STARD Fiesta ERX aus der Schmiede von Manfred Stohl bestreiten.