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Grand Prix von Italien 2012

Alex Wurz spricht Klartext

Alexander Wurz spricht Klartext: Was er über die Startkarambolage von Spa denkt und warum er die Bestrafung von Vettel in Monza anzweifelt…

Der Startunfall in Spa-Francorchamps und die anschließende Sperre von Lotus-Pilot Romain Grosjean für ein Rennen hat die Sicherheitsdiskussion in der Formel 1 neu entfacht.

Im Rahmen des Monza-Wochenendes meldeten sich diverse Piloten und Ex-Piloten zu Wort und taten ihre Meinung zu den Bemühungen im Bereich von Cockpitkanzeln und anderen Sicherheitsmaßnahmen kund. Grosjeans Rennsperre wurde größtenteils als hart, aber korrekt eingestuft.

Auch Ex-Formel-1-Pilot Alexander Wurz, der inzwischen als Fahrercoach bei Williams fungiert, macht sich so seine Gedanken. "Dinge wie die Startkollision mit Romain können und werden immer passieren", wird der Österreicher von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert.

Beim Grand Prix von Australien in Melbourne 2007 machte Wurz eine ähnliche Erfahrung wie Fernando Alonso vor knapp zwei Wochen in Spa: Nach einem missglückten Überholversuch von David Coulthard (Red Bull Racing) schrammte dessen Bolide nur knapp am Kopf des damaligen Williams-Piloten Wurz vorbei. Genau wie der Spanier entging auch der Österreicher nur mit Glück einer Verletzung.

Den Ursprung der seines Erachtens teilweise zu hohen Risikobereitschaft in der Formel 1 sieht Wurz schon in den Nachwuchsklassen. "Wenn man sich die GP2-Serie ansieht, die ja die Aufsteigerklasse zur Formel 1 ist, dann stellt man fest, dass die Standards dort sehr niedrig sind", so der Österreicher mit Blick auf ausbleibende Maßregelungen für waghalsige Manöver wie zuletzt in Monza.

"So kommen die Fahrer dann in die Formel 1", kritisiert der 69-fache Grand-Prix-Starter, der es in seiner aktiven Karriere auf drei Podestplätze für Benetton, McLaren und Williams brachte.

"In meinen Augen muss daran gearbeitet werden, dass die Standards in den Nachwuchsklassen ähnlich strikt wie in der Formel 1 sind", sagt der zuweilen in beratender Funktion für die Formel-1-Rennkommissare tätige Wurz und fügt hinzu: "Das müssen wir erreichen und zwar sehr schnell." RBR-Pilot Mark Webber vertritt eine ganz ähnliche Meinung.

Wurz kann Vettel-Strafe nicht nachvollziehen

Nur eine Woche nach dem Startunfall in Spa kam es beim Grand Prix von Italien in Monza erneut zu einer brenzligen Szene, als sich die beiden Champions Sebastian Vettel und Fernando Alonso in der Curva Grande duellierten und der Ferrari-Pilot dabei neben die Strecke ausweichen musste.

Bereits im vergangenen Jahr hatten sich die beiden an derselben Stelle ein haarsträubendes Duell geliefert. Damals war es Vettel, der auf der Außenspur der ultraschnellen Rechtskurve in den Dreck ausweichen musste, um an Alonso vorbeizukommen.

Für Wurz stellt der jüngste Zwischenfall, der mit Glück ohne Kollision ausging, ein Paradebeispiel für den Umgang mit delikaten Rennszenen seitens der Kommissare dar. "Wenn ich den Vorfall mit jenem zwischen Vettel und Alonso aus dem Jahr 2011 vergleiche, dann komme ich zum Schluss, dass Alonso im vorigen Jahr vielleicht 30 Zentimeter mehr Platz gelassen hat", so Wurz gegenüber Autosport.

"Seb hingegen ließ Alonso nicht genügend Platz", beurteilt der Österreicher den jüngsten Zwischenfall der beiden. Die Strafe für den Red Bull Racing-Piloten kann Wurz dennoch nicht nachvollziehen: "Wenn man bedenkt, dass er in diesem Jahr noch nicht gemaßregelt wurde, dann bin ich mir nicht sicher, ob ich anhand der Fernsehbilder eine Durchfahrtsstrafe angeregt hätte."

Mit Blick auf die Szene in der Curva Grande vor wenigen Tagen und die anschließenden Diskussionen um die Durchfahrtsstrafe für Vettel findet es Wurz "gut, dass darüber gesprochen wird."

Der 38-Jährige, der inzwischen in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) für Toyota ins Lenkrad greift und sich dort selbst der einen oder anderen engen Situation auf der Rennstrecke gegenübergestellt sieht, präzisiert: "Solange du als verteidigender Fahrer eine Bewegung machst, es dann aber dabei belässt und dem Hintermann genügend Raum lässt, ist das in Ordnung. Sobald du einen anderen Fahrer in eine Position drängst, wo er vom Gas gehen muss, um eine Kollision zu vermeiden, bist du schuldig."

Ungleiche Behandlung durch die Kommissare

So kann der Williams-Fahrercoach eine andere Szene aus dem Grand Prix von Italien und vor allem deren Behandlung durch die Kommissare nicht nachvollziehen.

In der Variante della Roggia drückte Paul di Resta (Force India) Williams-Pilot Bruno Senna rustikal von der Bahn, fing sich dafür im Gegensatz zu Vettel aber keine Strafe ein.

Wurz ist der Ansicht, dass in diesem Fall eine Maßregelung durchaus angemessen gewesen wäre - nicht zuletzt, um genau wie im Falle von Grosjean ein Zeichen zu setzen.

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