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10 Tipps zum Gebrauchtwagenkauf

Vertrauen ist gut - Kontrolle noch besser!

Damit Sie keine bösen Überraschungen erleben, haben wir für Sie eine kleine Checkliste zum Gebrauchtwagenkauf zusammengestellt.

Walter Reburg

Hier beginnt schon mal die Grundsatzentscheidung: Privat vs. Händler. Der Autokauf von Privaten birgt sehr viele Gefahren in sich. Sie stehen hier ohne Garantie da und haben kaum die Möglichkeit den Verkäufer für Mängel zu belangen.

Anders beim Händler. Der Händler muss eine Gewährleistung für das Auto geben. Aber auch hier ist Vorsicht geboten. Es gibt auch unter den Händler unseriöse Anbieter. Hier können Sie zumeist nur auf Ihre Menschenkenntnis zurückgreifen. Erscheint Ihnen ein Autoplatz und der Verkäufer schon etwas suspekt, sollten Sie beim Auto Ihrer Wahl nochmals ganz genau hinsehen.

Auf jeden Fall ist eine Überprüfung beim ARBÖ oder ÖAMTC empfehlenswert.

Für den Laien ist diese Aufgabe relativ schwierig – vor allem wenn bei der Reparatur wirkliche Profis am Werk waren. Meistens sind davon aber eher teure Gebrauchtwagen betroffen. Bei billigen Autos zahlt sich eine aufwendige Reparatur die Unfälle vertuschen soll kaum aus.

Sie sollten jedoch stutzig werden, wenn auch nur eine der folgenden Dinge zu sehen sind bzw. auftreten:

- Der Lack ist an manchen Stellen unterschiedlich hell bzw. dunkel
- Es sind Lackspuren an Stellen wo sonst kein Lack ist (z.B. am Federbein, an Gummidichtungen etc.)
- Türen, Motorhaube oder Kofferraumdeckel schließen schief.
- Es sind extrem unterschiedliche Spaltmaße bei z.B. Türen oder Stoßfänger
- Der Geradeauslauf des Autos ist nicht gut (kann zwar auch nur ein scharfes anfahren an die Bordsteinkante gewesen sein – aber sicher ist sicher).

Gefährlich wird es, wenn z.B. ein Händler „ohne Gewährleistung“ in den Kaufvertrag schreiben möchte. Wenn sich der Händler so aus seiner Verantwortung ziehen möchte, sollten alle Alarmglocken klingeln. Auch eine Floskel, die immer wieder gerne genommen wird, ist „Wie gesehen und probegefahren“. Da kann später schnell gesagt werden „Das war ja schon bei der Probefahrt so“.

Die Manipulation des Kilometerstands ist heutzutage noch leichter als früher. Musste bei Autos mit analogem Kilometerzähler noch das halbe Armaturenbrett ausgebaut werden, ist bei den neuen Autos mittels Computer der Kilometerstand in wenigen Sekunden geändert.
Wenn jemand den Kilometerstand von 287.000 auf 160.000 ändert, ist es recht schwer das herauszufinden. Wird der Kilometerstand aber von 140.000 auf 70.000 geändert, kann dies schon festgestellt werden.

Das beste Indiz ist hier die Abnützung des Innenraums. Bei einem Auto mit 70.000 Kilometern sind Pedale, Schaltknauf und Sitze noch in einem recht guten Zustand. Sind die Sitze schon durchgesessen und keine Rillen mehr an den Pedalen zu erkennen, sollte man lieber ein anderes Auto bzw. einen anderen Händler wählen.

Am wichtigsten beim Kauf eines Gebrauchten ist das Serviceheft. Hier sehen Sie auf einem Blick wie gut das Auto gewartet wurde. Gerade bei relativ neuen Autos sollte es unbedingt ein Serviceheft geben. Noch besser ist es natürlich, wenn auch noch die Originalrechnungen mit dabei sind.
Trotz vorhandenem Serviceheft sollten Sie stutzig werden, wenn die Stempel für die Inspektionen vom gleichen Händler sind, der das Auto verkauft und der Stempel von Jahr zu Jahr schwächer wird, die Unterschrift immer gleich ist und auch die Kugelschreiberfarbe und Intensität die gleiche ist.

Der Blick in den Typenschein zeigt einem sehr viel über die Vergangenheit des Autos. Sie sehen auf einen Blick wie viele Vorbesitzer das Auto schon hatte bzw. wer das Auto vor Ihnen hatte. Ist im Typenschein an erster Stelle eine Autovermietung, können Sie sicher sein, dass Ihr neuer Wagen von der ersten Sekunde an bis ans Limit getreten wurde – das ist auch heute noch für die Lebenserwartung nicht gerade das beste Vorzeichen. Das gleiche gilt oft auch bei Firmenwagen.

Auch merkwürdig sollten Ihnen 5 Vorbesitzer erscheinen, bei denen das Auto immer nur ein paar Monate ausgehalten hat. Hier könnte es sich um ein Montagsauto handeln, welches die Vorbesitzer am Rande eines Nervenzusammenbruchs gebracht hat und sich somit wieder so schnell wie möglich von Ihrem fahrbaren Untersatz trennen wollten.

Die Kilometer alleine sagen noch nicht viel über das Auto und den Zustand aus.
Viel wichtiger ist es hier die Rahmenbedingungen zu sehen. War der Vorbesitzer ein Vertreter, der vor allem lange Autobahnstrecken gefahren ist und das Auto immer pünktlich zum Service gebracht hat, ist es oft besser als ein Auto mit 40.000 Kilometern die ausschließlich im Stop- and Go Verkehr zurück gelegt wurden.

Bei 100.000 Kilometern sollten Sie aber auch darauf achten, ob schon Verschleißteile getauscht worden sind. Ist das nicht der Fall, wird auf die nächsten paar tausend Kilometer einiges an Reparaturkosten hinzukommen. Sie sollten sich auch genau erkundigen bei wie viel Kilometer kostspielige Wechsel von Verschleißteilen wie z.B. einem Zahnriemen notwendig sind.

Wie es mit der Sicherheit aussieht, kommt immer auf das Auto und das Baujahr an. Ein von Rost zerfressener, 15 Jahre alter Wagen ist bei einem Unfall natürlich nicht mehr so sicher wie ein erst 3 Jahre alter Wagen der schon Airbags, Aufprallschutz und andere Sicherheitselemente hat. Es ist auch ein Trugschluss, dass ein altes großes Auto sicherer ist als ein neues kleines. Z.B. ist die Chance, ein und denselben Unfall mit einem 2 Jahre alten Kleinwagen unverletzt zu überstehen besser, als den gleichen Unfall mit einem 12 Jahre alten Wagen der Luxusklasse.

Ganz wichtig ist auch der Zustand der Bremsen. Ein 10 Jahre altes Auto mit neuen Bremsen steht oft schneller als ein 3 Jahre altes Auto mit abgefahrenen Bremsen.

Hier bestimmt oft die Nachfrage den Preis. Grundsätzlich sollte man natürlich nichts unversucht lassen. Bei manchen Autos hat es der Händler aber nicht notwendig nochmals mit dem Preis entgegen zu kommen. Die Verhandlungsposition ist natürlich umso besser je exotischer das Auto ist. Ein kompakter 3 Jahre alter Diesel verkauft sich um einiges schneller als eine große Limousine aus Fernost mit 200 PS Benzinmotor. Bei letzterem ist die Verhandlungsposition für den Käufer natürlich besser!

In Kleinanzeigen werden oft klassische Floskeln genommen, welche ein Auto besser aussehen lassen sollen. Dass Rentnerfahrzeuge besser sein sollen, ist nicht unbedingt gesagt.
Hier die Vor- und Nachteile der standardmäßig gebrauchten Floskeln:

- „Rentnerfahrzeug“
Soll uns mitteilen, dass dieses Auto gepflegt wurde und behutsam bewegt worden ist. Dass die Kupplung frühzeitig aufgibt und der 4. und 5. Gang eingerostet sind, wird verschwiegen.

- „alle Extras“
Kann wirklich sein, dass es jemanden gibt, der die ganze Ausstattungsliste in sein Auto gestopft hat. In Wirklichkeit fehlt nach „alle Extras“ der Hinweis „die der Erstbesitzer haben wollte“.

- „Notverkauf“
Dies soll uns mitteilen, dass der Wagen unbedingt schnell verkauft werden muss und daher günstig zu haben sein wird. In Wirklichkeit muss der Wagen schnell weg, damit die teure Reparatur die bald ansteht nicht selbst gemacht werden muss. Alternativ dazu dient die Floskel auch dazu, uns einen günstigen Preis vorzumachen, der in Wirklichkeit aber keiner ist.

- „Garagengepflegt“
Will uns sagen, dass dieses Auto immer in der Garage gestanden ist und nicht nur einen Laternenparkplatz hatte – somit in einem Top-Zustand. Dass es für das Auto gar nicht gut ist, die salznasse Kruste der Winterausfahrt mit in die warme Garage zu nehmen, wird hier genauso verschwiegen, wie dass die Garage noch mit einem Motorrad, Rasenmäher, Fahrrad und der Aluleiter geteilt werden muss – Kratzer rundum sind da natürlich inklusive.

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