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Feuerwerk

Für nahezu jede Vorliebe findet sich 2015 ein neues Motorrad. Und: Der Supersportsektor wird nach jahrelanger Flaute neu belebt.

Thilo Kozik/mid

Ziemlich überraschend beleben die Hersteller den Supersportsektor neu - nach jahrelanger selbst verordneter Abstinenz - und knacken ganz nebenbei die 200-PS-Schallmauer. Die neue Phase des supersportlichen Hochrüstens hat BMW mit der Vorstellung der neuen S 1000 RR (Bild oben) bereits eingeläutet. Die Sportskanone ist optisch nur zart dynamischer geworden, dafür mit 204 Kilo um vier Kilo leichter und mit 199 PS nun 6 Pferdchen stärker als zuvor.

Eine Punktlandung hat Yamahas YZF-R1 hingelegt, die mit edlen Zutaten nur so gespickt daher kommt: Der neue Reihenvierzylinder bringt es mit Titanpleueln und vielen Detailmodifikationen auf satte 200 PS Leistung. Ein Leichtmetall-Tank, Magnesium-Heckrahmen und sogar Magnesiumräder halten das fahrfertige Gewicht bei 199 Kilo.

Darüber angesiedelt ist die limitierte YZF-R1 M, die mit GPS-Datalogger, semiaktivem Öhlins-Fahrwerk und digitaler Konnektivität vorab reserviert werden muss. Noch nicht ganz so weit ist Honda, die mit dem V4-Prototypen RC213V-S (Bild unten) einen straßenlegalen Ableger des MotoGP-Bikes des zweimaligen Weltmeisters Marc Marquez auflegt. Hier sind weder der (Liebhaber-)Preis noch die Daten bekannt.

Aprilia befeuert den Supersportsektor mit einer neuen RSV4 RR, deren 65-Grad-V4-Motor mit 201 PS und 133 Newtonmeter Drehmoment auftrumpft. Zahlreiche Fahrwerksänderungen erlauben dem Fahrer eine variable Motorpositionierung im Rahmen samt Höhenverstellung des Schwingendrehpunkts - wie bei einem echten Rennmotorrad.

Zu Ehren der errungenen Superbike-WM gibt's eine auf 500 Stück limitierte RSV4 RF in Sonderlackierung, mit Schmiederädern und Öhlins-Fahrwerk.

Da darf Italo-Konkurrent Ducati nicht hinten anstehen. Star der Roten aus Bologna ist die neue 1299 Panigale (Bild links), die mit einem typischen Ducati-Desmo-Vau-Zwo mit 1299 Kubikzentimeter versehen ist, der sage und schreibe 205 PS und 144 Newtonmeter Drehmoment leistet. Die S-Version kommt zusätzlich mit semiaktivem Fahrwerk und Schaltautomat. Traktionskontrolle und ABS arbeiten schräglagenabhängig.

Den Leistungs-Vogel schießt Kawasaki mit dem Speedbike Ninja H2R (Bild links) ab: Das nur auf abgesperrten Rennstrecken einsetzbare Gitterrohrrahmen-Gefährt schafft mit Kompressoraufladung 310 PS. Die Straßenversion Ninja H2 drückt bei identischer Konfiguration ebenfalls mit Kompressor immerhin noch 200 PS ab.

Damit diese gewaltigen technischen Machbarkeitsstudien von Normalfahrern überhaupt beherrscht werden können, besitzen alle zahlreiche elektronische Assistenzsysteme von der schräglagenabhängigen Traktionskontrolle übers serienmäßige ABS bis zur Wheelie-Kontrolle, verschiedene Fahrmodi soften die Motorcharakteristik ab.

Die Reise-Enduros verzeichnen in Sachen Kundenzuspruch einen klaren Aufwärtstrend. Prominenteste Neuzugänge dieser Gattung sind die überarbeitete Ducati Multistrada (Bild rechts), die mit variablen Steuerzeiten eine neue Technologie ins Motorradreich bringt - für eine besonders homogene Leistungsentfaltung, die bei 160 PS gipfelt.

Neben einem TFT-Display zeigt die ohne Sprit 235 Kilo schwere Multistrada S ein semiaktives Fahrwerk, Schräglagen-ABS und ein Schräglagen-Licht.

Ihr direkter Rivale kommt aus München, heißt BMW S 1000 XR und wiegt vollgetankt nur 228 Kilo. Ähnlich aufgemacht, werkelt hier der potente Reihenvierzylinder aus der Roadster S 1000 R mit 160 PS.

Dritte im Bunde sportlicher Luxus-Reise-Enduros ist die KTM 1290 Super Adventure (Bild oben), in der ein 1301 ccm großer V2 der Super Duke R arbeitet -160 PS produziert der V2-Kraftprotz.

Unterhalb der PS-Protze tummelt sich das Triumph Tiger 800-Quartett, eine nach Ausstattung und Einsatzgebiet diversifizierte Modellfamilie - Gewicht: ab 221 kg. Alle vier kommen mit einem verfeinerten und sparsameren 800er-Dreizylinder mit 95 PS, elektronischem Ride-by-wire-System und serienmäßigem ABS sowie Traktionskontrolle.

Yamaha bietet die MT-09 Tracer an (Bild links oben), deren Dreizylinder aus 847 ccm stramme 115 PS leistet. Fahrfertige 210 kg, und ein serienmäßiges ABS lassen aufhorchen.

Noch gar nichts weiß man über den zweiten Honda-Prototypen, True Adventure (Bild links) genannt, der die legendäre Africa Twin beerben soll. Bekannt ist der deutlich gefälliger gestylte Crossrunner VFR800X mit V4-Motor und VTEC-Technologie für 106 PS.

Kawasaki belebt das Segment mit Versys 650 und 1000 gleich doppelt. Während bei der Tausender technisch alles weitgehend beim Alten blieb und nur die Optik deutlich attraktiver wurde, steht die 650er mit 69 PS besser im Futter und zeigt Detailverbesserungen wie einen größeren Tank und ein optimiertes Gepäcksystem.

Den Trend zu unverkleideten Landstraßen-Bikes mit Sportappeal, kurz Roadster genannt, bedienen die Hersteller mit Neumodellen in allen Preis- und PS-Lagen: Ganz oben findet sich Aprilias Tuono V4 1100 (Bild rechts), die den auf 1 077 Kubikzentimeter aufgestockten und 177 PS starken V4-Motor über eine schlankere Frontmaske mit LED-Lichtern dokumentiert.

Ähnlich markant präsentiert sich der Boxer-Roadster BMW R 1200 R - jetzt mit Upside-Down-Gabel statt Telelever. 125 Kardan-PS des flüssigkeitsgekühlten dohc-Boxermotors aus der R 1200 GS versprechen Kurvenspaß. Darunter lockt der bayerische Charakter-Roadster F 800 R mit sportlicher Aufmachung, die einen um drei auf 90 PS aufgeplusterten flüssigkeitsgekühlten Zweizylindermotor, Upside-Down-Gabel und radial montierten Bremssätteln umfasst.

In diesem Bereich gibt Suzuki mit den GSX-S-Modellen (Bild oben) ein Lebenszeichen ab: Mit neu entwickeltem Leichtmetallrahmen und dem 999-Kubik-Vierzylinder der GSX-R 1000 K7 von 2005 in der Optik der GSR 750 ist sie für sportlich orientierte Landstraßenfahrer gemacht.

In die klassische Roadster-Kerbe haut Ducati mit dem modularen Scrambler-Konzept (Bild links). Das Retrobike mit leichten 186 kg wird von einer überarbeiteten Version des luft-/ölgekühlten Desmo-Twins mit 803 ccm aus der Monster 796 mit 75 PS angetrieben. Dank einer Vielzahl von Ausstattungen und Zubehörvarianten lässt sich die Italienerin fast nach Belieben individualisieren.

Vom angesagten Lifestyle-Trend wird auch der italienische Traditionshersteller Moto Guzzi mit seiner V7 II-Baureihe profitieren, bei der klassisches Motorradfahren im Fokus steht. Als entschleunigter Gegenentwurf zum Leistungs-Wettrüsten kann man sich auf der Führerschein-A2-konformen, 48 PS starken Moto Guzzi herrlich den Wind um die Nase wehen lassen.

Irgendwo dazwischen sind die eigenständigen Boxer-Sporttourer BMW R 1200 RS und die MV Agusta Turismo Veloce (Bild oben): Die RS mit dem kräftigen flüssigkeitsgekühlten Boxerherzen und die MV mit dem markentypischen Dreizylinder, der hier für 125 PS gut ist. Spätestens damit dürfte jeder Zweirad-Fan im 2015er-Modelljahrgang seinen neuen Favoriten finden.

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