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Kymco New People S 300i VS Kymco Agility 300i

Roller mit rund 300 Kubik erfreuen sich seit einigen Jahren wachsender Beliebtheit. Der Grund ist klar: Sie sind noch nicht zu schwer und nicht zu teuer wie die Top-Scooter mit 500 und mehr Kubik. Und sie bieten trotzdem ansprechende Fahrleistungen und Komfort. Wir haben zwei aktuelle Vertreter des taiwanesischen Roller-Spezialisten Kymco miteinander verglichen.

Rudolf Huber / mid

Zum Test traten der Agility 300i ABS und der New People S 300i ABS an. Das sind zwei Modelle mit diversen Gemeinsamkeiten, aber auch deutlichen Unterschieden. Beim Motor geht es los. Beide Triebwerke sind Euro-5-zertifiziert, das Aggregat im Agility holt mit nicht mehr ganz zeitgemäßer, aber bewährter und preiswerter Zweiventiltechnik aus 276 Kubik 16,8 kW/23,1 PS. Beim New People S ist ein modernerer Vierventil-Antrieb mit 299 Kubik im Einsatz, der es auf 20,1 kW/27,3 PS bringt.

Die Kraft landet jeweils per Fliehkraftkupplung und stufenloser Variomatik am Hinterrad. Im direkten Vergleich nehmen sich die beiden Motoren trotz der deutlichen technischen Unterschiede nicht viel. Der Viertakter im Agility kompensiert seine niedrigere Leistung zum Teil damit, dass seine Power etwas früher anliegt als beim Kollegen. Beide schaffen rund 125 km/h und bei beiden geht der Tacho munter vor. Der Vierventiler agiert etwas kultivierter, aber beide Motoren legen mit den entsprechenden akustischen Lebensäußerungen durchaus dynamisch los. Das Gefühl, untermotorisiert zu sein, ist bei beiden kein Thema.

Dabei ist Agilität beim Entern des 2,20 Meter langen und leer 191 Kilo wiegenden Agility nicht unbedingt der erste Gedanke: Ein Bein muss über einen hohen Tunnel gehoben werden. Das geht beim 188 Kilo schweren und 2,17 Meter langen New People S einfacher, er hat einen tiefen, ebenen Boden mit mehr Platz auch für große Treter. Kehrseite der Medaille: In seinen Tank passen nur neun statt 13 Liter wie beim Agility. Das sorgt bei etwas zurückhaltender Fahrweise für Reichweiten von gut 200 (New People S) und 300 bis 350 Kilometer (Agility). Der Durchschnittverbrauch liegt beim Agility bei 3,5 bis 3,7 Litern und ein paar Zehntellitern mehr beim New People.

Der Agility hat ein deutlich größeres Fach unter der Sitzbank zu bieten, der Konkurrent kontert mit einem serienmäßigen Topcase, einem Windschild, das bei kleineren Fahrern zu leichten Durchblick-Störungen führen kann, und mit Handschützern auf Plexiglas. Das hilft bei Kälte oder Nässe. Im Vergleich dazu ist der Pilot auf dem New People S den Unbilden der Natur sehr ungeschützt ausgesetzt.

Jetzt wieder eine Gemeinsamkeit: Beide Modelle sind bei höherem Tempo angenehm stabil und lassen sich bei niedrigen Geschwindigkeiten recht gut dirigieren, obwohl das Großstadt-Gewusel nicht unbedingt ihr Ding ist. Beide gelten als Großrad-Roller, was der New People S mit zwei 16-Zöllern und der Agility mit vorne 16 und hinten 14 Zoll untermauert. Die daraus resultierenden Unterschiede sind nicht groß. Gefühlt ist der Agility einen Tick beweglicher um die Längsachse.

Dabei verbreiten beide Kymco-300er im Fahrbetrieb gesunde Härte, Kanaldeckel oder Frostaufbrüche werden teils sehr direkt über die gut gepolsterten und ausreichend dimensionierten Sitzbänke ans Rückgrat von Pilot und Sozius gemeldet. Die beiden ABS-Systeme arbeiten zuverlässig und verhindern blockierende Räder.

Die Bedienung ist Kymco-typisch einfach und selbsterklärend. Mit einem Unterschied: Der stärkere Konkurrent verfügt über das kombinierte Navi-Informationssystem namens Noodoe. Damit können etwa Ziele schon vor der Fahrt per Smartphone eingeben werden. Sobald die Zündung aktiviert wird, werden sie automatisch auf den Roller übertragen. Dazu gibt es Infos zum Wetter oder zu Tankstellen in der Nähe. Und im Stand, etwa beim Stopp an der Ampel, meldet das System verpasste Anrufe, neue Nachrichten oder Mitteilungen aus den sozialen Netzwerken.

Fahrspaß liefern beide Modelle, ihre spezifischen Eigenarten prädestinieren sie aber für unterschiedliche Zielgruppen:

Der Agility mit dem großen Tank ist ein praktischer und pragmatischer Begleiter für den täglichen Weg zur Arbeit, der auch längere Wochenend-Ausflüge problemlos meistert. Preis in Deutschland: 4.499 Euro. Für Österreich gab es zum Zeitpunkt dieses Artikels leider noch keinen Preis; auf der Website des Herstellers wurde er nicht angeboten.

Der mit 5.899 (AT) bzw. 5.349 (DE) Euro deutlich teurere New People S wirkt wegen des Noodoe-Systems und der Vierventil-Technik moderner als sein Markenkollege. Sein tiefer Einstieg wird bei jedem Start und jedem Stopp als angenehm empfunden. Bei Wetterschutz und Reichweite ist er aber nur zweiter Sieger.

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