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Der Kniefall beginnt zu schmerzen…

Wieviele Strecken wurden schon für „Anforderungen“ des Formel-1-Zirkus verschandelt? Langsam geht dieser Umbauwahn aber auch auf Kosten der Sicherheit…

Manfred Wolf

Alle Motorsportbegeisterten, die sich noch an den „alten Österreichring“ erinnern, werden wohl ab und an wehmütig an die Rennen auf dieser Strecke zurückdenken. Spektakulär und schnell, aber leider auch gefährlich.

Früher oder später hätte man die Strecke aus Sicherheitsgründen entweder umgestalten, oder die Auslaufzonen enorm vergrössern müssen.

Solchen Änderungen kam aber der Komplett-Umbau zuvor, der Formel 1 angepasst, versteht sich: Die Tiroch-Kurve verwandelte sich in die 60 km/h Remus-Ecke, Gösser- und Rindt-Kurve schrumpften von Highspeed-Mutproben zu faden Rechtskurven zusammen.

Doch jetzt wurde (nicht nur am A1-Ring) auch noch auf Kosten der Sicherheit „umgebaut“. Schuld daran sind einmal mehr die Vorgaben der Formel 1, der die immer kleiner werdenden Starterfelder in der „Königsklasse“ große Probleme bereiten.

Aus Angst vor frühen Ausfällen – aufgrund von im Kies festhängenden F1-Boliden – werden jetzt immer mehr Auslaufzonen asphaltiert: Ein schwerer Fehler, vor allem für viele andere Rennserien.

So gibt es am A1-Ring jetzt in Castrol-, Remus-, Rindt- und Mobilkom-Kurve statt weitläufiger Kiesbeeten rutschigen Asphalt. Den zweifelhaften „Erfolg“ dieser „tollen Idee“ können Sie, werter Leser, den Bildern entnehmen, die diesem Artikel beigefügt sind.

Die ÖTC, die Clios der italienischen Automobilmeisterschaft, die historische Formel 1 – alle Opfer der fehlenden Kiesbeete. Weitere folgen, soviel ist sicher: Ferrari-Challenge, GTP-Porsches, ÖTC, Motorrad-Langstrecken-WM, Nissan World-Series, die DTM und ihre Rahmenrennen, die Top-10-Serie…

Bis jetzt waren es gottlob nur Totalschäden oder schwere Beschädigungen an den Autos – die Fahrer kamen im schlimmsten Fall mit leichten Blessuren davon. Doch was passiert, wenn die Bremsen eines Motorrades versagen? Oder es regnet in Strömen, und auf dem Asphalt gibt’s überhaupt keine Bremswirkung mehr.

Auf einem Kurs wie dem A1-Ring – der bekanntermaßen höchste Ansprüche an die Bremsen stellt – auf rettende Kiesbeeten zu verzichten, gleicht einem Russischen Roulette. Ohne den Teufel an die Wand malen zu wollen – es wird leider viel Glück vonnöten sein, um heuer nicht noch einen Verletzten am A1-Ring zu erleben.

Und wozu das alles? Für die Formel 1? Der Kniefall vor den hohen Herren und ihrem Zirkus beginnt langsam zu schmerzen, hoffentlich bleibt es uns allen erspart, dass er richtig weh tut.

Manfred Wolf

Fotos: Manfred Wolf, Peter Eberhard (www.motorsportaction.at)

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