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Das große Reifensterben – reiner Zufall?

Nach den zahlreichen Reifenschäden in Spa gab es bei den Monza-Tests abermals alarmierende Reifenplatzer zu verzeichnen. Die „Zufälle“ häufen sich...

Der Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps. Michelin hat in den Ardennen endlich wieder einmal richtig triumphieren können - mit Pole, Schnellster Rennrunde und dem Sieg von Kimi Räikkönen. Doch die Medaille hatte ihre bittere Kehrseite, die Franzosen mussten an diesem Wochenende vier Reifenplatzer hinnehmen. Am Freitag eine Reifenexplosion am Toyota von Ryan Briscoe und im Rennen drei besorgniserregende Reifenschäden an den Boliden von David Coulthard, Juan Pablo Montoya und Jenson Button...

Motorsportdirektor Pierre Dupasquier wollte sich über den Triumph freuen, kündigte aber auch Untersuchungen an. Er monierte: „Im Falle Coulthard gab es einen klaren Schnitt an der Innenseite der Karkasse. Wir haben es in der Vergangenheit schön öfter erlebt, dass ein Reifen dadurch beschädigt wurde, dass er über die scharfe Innenseite eines Randsteins fuhr.“

Zudem lagen auf der Ardennen-Strecke zahlreiche Trümmer und Splitter herum – wie schon in Indianapolis war es naheliegend, die Ursache für die Reifenschäden nicht bei den Reifen selbst zu suchen. Doch die Serie der Reifenexplosionen ging weiter...

Bei den in dieser Woche abgehaltenen Testfahrten auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Monza, wo am kommenden Wochenende der Grand Prix von Italien abgehalten wird, gab es abermals besorgniserregende Schäden an den Pneus.

Am Donnerstag explodierte am Ferrari von Michael Schumacher der linke Hinterreifen am Ende der hyperschnellen Zielgeraden, ein Reifenschaden bei Tempo 340. Schumacher schlug derart hart in die Barrieren ein, dass er sich für kurze Zeit in die Wiese legen musste, angeblich soll der Weltmeister sogar für einige Sekunden lang bewusstlos gewesen sein. Mittlerweile gab Schumacher, der nach dem Unfall den Heimflug antrat, Entwarnung, es gehe ihm gut, er sei selbst überrascht, dass er keinerlei Beschwerden hätte...

Nach Michelin erwischte es also Bridgestone. Motorsportdirektor Hisao Suganuma erklärte, man werde den Fall genau untersuchen, es hätte bislang keine Probleme mit dieser Reifenkomponente gegeben. Und auch Suganuma sagte: „Vielleicht wurde der Schaden durch einen scharfen Gegenstand bewirkt...“

Am Freitag dann der nächste Reifenschaden – diesmal war wieder Michelin dran, am Toyota von Olivier Panis kam es, ebenfalls am linken Hinterreifen, zu einem plötzlichen Druckverlust. Der Franzose erklärte: „Unglücklicherweise hatte ich kurz vor Testschluss, als ich die zweite Schikane anfuhr, einen Abflug, welcher durch einen plötzlichen Druckverlust an meinem linken Hinterreifen ausgelöst wurde. Vielleicht gab es ein Problem mit dem Ventil. Es war ein plötzliches Ende meiner Testarbeit – aber ich bin komplett okay.“

Scharfe Gegenstände, Splitter und Trümmer auf der Strecke, scharfe Randsteinkanten, ein Problem mit dem Ventil – alles lauter dumme Zufälle? Oder doch ein deutliches Zeichen dafür, dass die Gummigiganten mit ihren Pneus längst am Limit oder gar darüber hinaus angelangt sind?


FIA-Präsident Max Mosley konstatierte jedenfalls, dass „es in letzter Zeit zu viele schwere Unfälle bedingt durch Reifenschäden“ gegeben habe. Und auch TV-Kommentator Jacques Schulz macht sich Sorgen: „Vor allem die schnellen Kurven in Italien und Japan bereiten mir in dieser Hinsicht arge Kopfschmerzen und ein etwas mulmiges Gefühl.“

Besonders mulmig ist das Gefühl dann, wenn man selbst im Auto sitzt – Jenson Button erklärte nach dem Belgien-GP gegenüber dem Autosport-Magazin: „Hoffentlich finden sie die Ursache. Wenn man immer im unsicheren ist ob der Reifen die Belastung aushält oder nicht kann man keine Rennen bestreiten.“

Die Auflistung der Reifenschäden aus dem letzten halben Jahr wirkt jedenfalls wenig beruhigend: Ralf Schumacher und Fernando Alonso in Indianapolis. Ryan Briscoe im freien Training für den GP von Belgien. David Coulthard, Juan Pablo Montoya und Jenson Button während des GP von Belgien sowie Michael Schumacher und Olivier Panis bei den Monza-Tests. Die Vorfälle häufen sich also...

Es besteht Handlungsbedarf. Zwar sollen für 2005 die Reifen limitiert werden und dadurch wesentlich härtere Mischungen zur Verwendung kommen, aber bis zum Saisonende sind noch vier Rennen zu bestreiten. Der Reifenkrieg wird zu einer Gefahr für die Piloten. Die Gummigiganten wären gut beraten, bereits jetzt stabilere Konstruktionen einzusetzen...

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