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Da läuft einiges schief - die Widersprüchlichkeit des Spargedankens

In Spanien gab es Rundengeiz und Langeweile. Die FIA-Sparmaßnahmen kastrieren den Sport. Andrea de Cesaris würde die Hebel direkt ansetzen - beim Budget.

Michael Noir Trawniczek

Am letzten Wochenende lieferte die Formel 1 als Sportart einen weltweit über TV und Internet live übertragenen Abklatsch einer Sportveranstaltung. Eine lauwarme, abgestandene Suppe. Ein Trainingstag, an dem nicht oder zumindest nur äußerst wenig trainiert wurde. Ein Rennen, das man auch im Einzelrundenmodus hätte abhalten können (wie wär's, Hr. Präsident? - damit könnte man das Überholproblem ein für allemal aus der Welt schaffen!).

Eigentlich ist es wirklich völlig absurd: Der Rundengeiz an einem Rennwochenende wird begründet mit dem Spargedanken (man spart laut FIA bei den Stückzahlen der Motoren) - zugleich sagen nahezu alle Entscheidungsträger, dass die Formel 1 nicht billiger, sondern teurer wurde. Schon jetzt warnen viele, dass eine Beschränkung der Aerodynamik-Entwicklung auf ein bis zwei Updates pro Saison, wie sie Mosley plant, die Kosten nicht senken, sondern erhöhen würde. Weil dieser Update über ein ganzes Saisondrittel entscheiden würde, wäre es naheliegend, dass man vor einer solchen Entscheidung zahlreiche Versionen entwickelt und testet.

Die Motoren-Einfrierung, auf die Mosley besteht, obwohl der erste demokratische Prozess der neuen "Sporting Working Group" ein Veto gegen die geplante Entwicklungseinfrierung war - was möchte Mosley eigentlich erreichen? Er möchte die F1-Kosten niedrig halten, damit auch Privatteams sich die F1 leisten können. Nur: Welche Privatteams? Mosley beschränkt die Teilnehmeranzahl auf 12 Teams - und das sind im Grunde bis auf ein bis zwei Ausnahmen Automobilhersteller und sonstige Konzerne. Und DIE hegen gar keine Spargedanken - man fragt sich: Wozu das Ganze? Zumindest stellt sich die Frage, ob man den Kosten nicht auch mit anderen Maßnahmen zumindest einen gewissen Riegel vorschieben kann? Ohne dabei den Sport zu kastrieren, mit Haltbarkeitsmotoren und limitierten Reifen.

Andrea de Cesaris: Budget-Limit!

Blanker Hohn ist es, wenn man dann immer wieder liest, dass Toyota bald schon zwei Windkanäle, jeweils im Drei Schichten-Modus, laufen lässt. Oder die beiden Red Bull-Motorhomes -die sind wohl alles andere als ein Symbolbild der Formel Sparefroh! Eine wirklich geniale Idee lieferte vor rund einem Jahr Andrea de Cesaris im Rahmen eines motorline.cc-Exklusivinterviews.

Der Italiener würde die Hebel direkt ansetzen - mit limitierten Budgets und limitiertem Personal - nach dem Motto: So viel Geld gibt es, so viele Leute dürft ihr sein - jetzt macht das Beste daraus. Dann gibt es auch keinen zweiten Windkanal, weil sich das mit dem vorgegeben Budget niemals ausgehen würde. Dann würde wirkliche Chancengleichheit vorherrschen. Und: Wenn man Motoren plombieren kann, dann kann man auch die Anzahl der Angestellten und das Teambudget kontrollieren. Wer schummelt, fliegt für immer raus - so könnte man wirklich sparen, ohne der Kreativität in dumpfbackenartiger Form Grenzen zu setzen.

Dazu könnte man sogar das Reglement öffnen - warum soll es in der Formel 1 nur V8-Motoren geben? Bitte, das ist die Königsklasse, und sie soll doch auch eine Spielwiese für die großen Autohersteller sein? Den Konzernen sollte man technische Möglichkeiten einräumen - nur jene, welche den Fahrer in seinem Können einschränken, wie elektronische Fahrhilfen, sollten verbannt sein.

Was ist eigentlich mit dem CDG-Heckflügel, den die FIA entwickeln ließ, der das Überholen erleichtern soll? Man darf gespannt sein, ob er wirklich kommt. Schließlich kann man nicht alle Strecken von Hermann Tilke umbauen lassen.

Übrigens: Derzeit wird auf den Teststrecken wieder ausgiebig gefahren, bis zu 160 Runden am Tag. Wer die F1-Boliden wirklich in Aktion sehen will, sollte vielleicht künftig Testfahrten besuchen und sich das viele Geld für das GP-Ticket ersparen. Schließlich müssen wir ja alle sparen, oder?

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