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"Ich darf alles fahren!"

Der Langzeit-Motorenpapst der Formel 1 fährt bei der Ennstal-Classic nicht, wie man erwarten würde, einen Mercedes, sondern einen Ferrari.

Foto: www.ennstal-classic.at

Mario Illien schrieb als Motoren-Konstrukteur in der Formel 1- und Indy-Car Szene Rennsportgeschichte. Seit Mercedes-Ilmor am 1.10.2005 in Mercedes-Benz High Performance Engines Ltd. unbenannt wurde und Mario Illien seine Anteile an DaimlerChrysler verkauft hat, ist der 57jährige, gebürtige Schweizer, wieder selbständig: mit 60 Mitarbeiter hat er seine Firma Ilmor für einen Neustart rekrutiert.

Schon als Bub haben ihn «Geräusche von Motoren fasziniert», erzählt Mario, «ich habe Mopeds frisiert, ging in eine Lehre für Maschinen-Zeichner, reparierte Formel 2-Motoren und studierte in Biel dann Maschinenbau». 1976 gab er seine Diplomarbeit ab: «Gaswechsel im Motor in Zusammenhang mit Turboaufladung.»

Von der Solarheizung zu Cosworth...

Als ihm der amerikanische Industrielle und Rennstallbesitzer Roger Penske einen abschlägigen Bescheid erteilte, nirgendwo Arbeit zu bekommen war, baute er bei seinen Eltern eine Solarheizung. Ende 1976 trat er in eine Firma ein, die Dieselmotoren entwickelte.

Als man ihm ein Vorstellungsgespräch bei dem damals berühmtesten Rennmotoren-Konstrukteur Keith Duckworth vermittelte, «wurde ich von ihm sechs Stunden lang ausgecheckt, bevor er mir im April 1979 einen Job angeboten hat»

Sein Meisterstück: als es Cosworth nicht gelang, für Lotus, Williams und McLaren Formel 1-Saugmotoren mit den garantierten 510 PS zu liefern, rettete Illien den Auftrag. Er holte 518 PS raus.

Ende 1983 tat er sich mit dem Cosworth-Ingenieur Paul Morgan zusammen, um die Firma Ilmor zu gründen. Mario konstruierte den ersten V-8 Motor für Indy im Wohnzimmer.

Siegermotoren für Indy

Am 7.Mai 1984 fand der erste Spatenstich für die Firma Ilmor statt, die inzwischen 230 Mitarbeiter beschäftigte.

1987 gewann sein Motor unter Mario Andretti in Long Beach das erste CART-Rennen und dann folgte das erste Highlight in seinem Konstrukteurs-Leben: sein Motor trieb Rick Mears zum Sieg in Indianapolis.

1992 baute er seinen ersten Formel 1-Motor, einen V-Zehnzylinder. Als Mercedes die GM-Anteile bei Ilmor übernahm, war er zunächst bei Sauber, dann wurde er von Mercedes als Formel 1-Brückenkopf bei McLaren etabliert.

In einer Nacht- und Nebelaktion baute er für Mercedes einen Indy-Motor, der eine bestehende Reglementnische nützte. Al Unser gewann mit diesem Motor, der nur ein einziges Mal eingesetzt wurde, in einem Penske die 500 Meilen von Indianapolis.

Abgedrehte Innovationen

Am 9. März 1997 bekam Mario Illien seinen ersten Formel 1-Sieg: David Coulthard gewann auf McLaren-Mercedes den Grand Prix von Australien.

Das war nur der Anfang, bis Ende 2005 gewannen die Silberpfeile 44 Rennen. Zwischendurch gab es Phasen, wo Mario Illien das beste Formel 1-Triebwerk mit hochgestochenen Materialien konstruierte. Politische Interventionen der Konkurrenz – allen voran Ferrari - sorgten dafür, dass Illiens Innovationen durch Regeländerungen abgedreht wurden.

Als Mario Illien die Einladung zur Ennstal-Classic annahm, wurde er gefragt: «Darfst Du einen Ferrari fahren?»

Seine Antwort: «Ich bin wieder selbständig, ich darf alles fahren.»

Josef Panis gibt ihm seine Neuerwerbung, einen prächtigen Ferrari 275 GTB/C, Baujahr 1964, der mit 330 PS damals zu den schnellsten GT-Wagen zählte.

Als Navigator am Nebensitz fungiert Christian Weitgasser, der zuletzt die Planai-Classic mit Rallye-Weltmeister Björn Waldegaard fuhr.

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