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Max Mosley bastelt an der "Formel Willkür"

Mosley möchte zwei Parallel-Reglements - und stets an den Stellschrauben drehen. Es droht totale Willkür. Den Durchblick hat man ohnehin längst verloren…

Michael Noir Trawniczek, noir@motorline.cc

Das Leben ist ungerecht. Die gestrenge Internetzsuchmaschine ist gnadenlos. Sucht man nach „Max Mosley“, listet sie immer noch die Artikel mit der „Sex-Orgie“ auf – bei der Bildersuche wird als erstes ein Foto vom lediglich mit einer Zielflagge bedeckten Hintern des FIA-Präsidenten angezeigt. Auf der Website vom Spiegel werden im Rahmen eines Mosley-Interviews unter dem Titel „Wissen“ artverwandte Begriffe im hauseigenen Lexikon erklärt: „Max Mosley, Formel 1, FIA, Sadomasochismus“. Klickt man auf „Sadomasochismus“, wird als weiterer Begriff „Marylin Manson“ angeboten. Der artverwandte Artikel zu Marylin Manson, ist - Sie ahnen es bereits – das Max Mosley-Interview…

Jetzt stellt sich die Frage: Wie lange muss Herr Mosley noch im Amt bleiben, damit er endlich auch im Internet als das in die Geschichte eingehen wird, was er wirklich ist? Nämlich der FIA-Präsident, der in seiner Amtszeit den Motorsport und im speziellen die Formel 1 mit einer Unzahl von Regeln und Regeländerungen zu zähmen versucht (hat), als wäre die Formel 1 ein wild gewordener Gaul - ein „Gaul der Verschwendung“, würde Mosley wohl sagen. Unter dem Deckmantel des Spargedankens wird seit vielen Jahren am Formel 1-Reglement gebastelt – oft haben die Regeländerungen noch mehr Geld beansprucht, die Formel 1 wurde immer mehr eingeengt, technische Innovationen gibt es nur noch in kleinen Dosierungen…

Das jüngste Konstrukt aus dem Hause Mosley ist die freiwillige Budgetbeschränkung. Wer nur noch 33 Millionen pro Saison ausgibt, erhält wieder mehr technische Freiheiten bei der Motorenentwicklung, das Drehzahllimit fällt, dafür bekommt er einen standardisierten Unterboden, der mehr Abtrieb erlaubt, als jene Unterböden, die von den Teams entwickelt werden, die bei ihrem Budget bleiben. Die budgetbeschränkten Teams sollen einen technischen Vorteil erhalten, Mosley hat also endgültig die Zweiklassengesellschaft in der Formel 1 angestrebt.

Stellt sich die Frage, welcher Vorstand einem Budget über 33 Millionen zustimmen wird, um damit eine Technologie zu entwickeln, deren Vorgaben eng gerastert sind und die zudem von Vornherein im Nachteil gegenüber den budgetbeschränkten Teams steht?

Und es stellt sich die Frage, wie Max Mosley gedenkt, diese beiden Parallel-Reglements so auszugleichen, dass Fairness besteht. Die FIA möchte diese Regeln laufend dem Verhältnis zwischen den Groß-Budget und den Klein-Budget-Teams angleichen. Damit würde die FIA endgültig zum willkürlichen Regulator mutieren, alles würde von ihr abhängen. Die Formel 1 droht in diesem engen Korsett an komplizierten und kaum nachvollziehbaren Regeln zu ersticken. Es wäre schon schwer genug, ein Budgetlimit zu kontrollieren, doch ein solches wäre bei gleichzeitiger Auflockerung der strengen Regeln zu begrüßen – nebenbei jedoch eine zweite Ebene mit Großbudgets und anderen Regeln zu betreiben, wird in der Praxis einfach nicht funktionieren.

Eines wäre sicher der Fall: Die FIA wäre dauerpräsent, könnte in vollem Umfang mal hier und mal dort ein Rädchen drehen – und wer weiß? Vielleicht wird das alles noch so kompliziert, dass es nur eine Lösung geben kann: Herr Mosley bleibt lebenslang! Denn nur er wird den Durchblick bewahren…

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