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Rachefeldzug des geschassten Piloten?

Neue Gerüchte rund um den möglichen Manipulationsskandal: Nelson Piquet junior soll mit einem Brief an die FIA den Fall ins Rollen gebracht haben…

Lord John Stevens, von 2000 bis 2005 Chef des Londoner Geheimdienstes Scotland Yard, ist in der Formel 1 seit dem Sexskandal um Max Mosley kein Unbekannter: Im Auftrag des scheidenden FIA-Präsidenten leitet er nach wie vor die Suche nach jenen Hintermännern, die Mosley im März 2008 in die verhängnisvolle Falle gelockt haben sollen.

Stevens tut dies in seiner Kapazität als Vorstandsvorsitzender des privaten Nachrichtendienstes Quest, der nun wieder in der Königsklasse herumschnüffelt. Diesmal untersucht Quest laut britischen Medienberichten den Vorwurf, dass das Renault-Team wie berichtet den Grand Prix von Singapur 2008 manipuliert haben könnte. Rund um diese Untersuchung drangen am vergangenen Wochenende erste Gerüchte an die Öffentlichkeit.

Nelson Piquet hatte beim ersten Nachtrennen der Formel-1-Geschichte in der 14. Runde mit einem Crash in die Mauer eine Safety-Car-Phase verursacht, die seinem Teamkollegen Fernando Alonso, der zwei Runden zuvor als erster Fahrer nachgetankt hatte, zu einem völlig überraschenden Sieg verhalf. Erst nahezu ein Jahr später - nach der Entlassung von Piquet vor dem Grand Prix von Europa - tauchten aus Brasilien neue Hinweise in dieser Angelegenheit auf.

Man muss kein Genie sein, um zu ahnen, dass diese Hinweise aus der Piquet-Ecke kommen könnten. Der bei Renault von seinem eigenen Manager (!) Flavio Briatore vor die Tür gesetzte Ex-Grand-Prix-Pilot ist auf seinen ehemaligen Arbeitgeber nicht gut zu sprechen und hat seinem Ärger auch schon öffentlich Luft gemacht.

Jüngsten Gerüchten zufolge soll er im Zuge seines Rachefeldzuges auch an die FIA geschrieben und den Manipulationsskandal ins Rollen gebracht haben.

Am Freitag des Grand Prix von Belgien tauchten Quest-Mitarbeiter im Renault-Motorhome auf, um Teamchef Briatore, Chefingenieur Pat Symonds, Alonso und andere hochrangige Mitarbeiter des Rennstalls zu interviewen. Das Team soll dabei anstandslos Rede und Antwort gestanden haben. Außerdem wurden Telemetrieaufzeichnungen und der Funkverkehr während des fraglichen Rennens in Singapur untersucht.

Keine direkten Hinweise im Funkverkehr

Wie es nun heißt, konnten im Funkverkehr keine direkten Hinweise auf eine Manipulation gefunden werden. Allerdings soll sich Piquet vor seinem Ausfall mehrere Male danach erkundigt haben, in welcher Runde er sich befindet - was ein Indiz dafür sein könnte, dass man ihm vor dem Start befohlen hat, in einer bestimmten Runde zu crashen. Gegenleistung dafür könnte gewesen sein, dass er sein Cockpit trotz magerer Leistungen in die Saison 2009 hinein behalten durfte.

Stutzig macht im Nachhinein betrachtet auch, dass der Brasilianer seinen Renault bereits während der Aufwärmrunde außer Kontrolle verloren hatte - fast so, als würde er ausloten wollen, was nötig ist, um später in der Mauer zu landen. Und dass Briatore in einem Interview nach der Zieldurchfahrt davon sprach, nicht Piquet, sondern Rubens Barrichello, der erst später ausrollte, habe die Safety-Car-Phase verursacht, entkräftet die Manipulationstheorie zumindest nicht.

Am 21. September wird sich der Motorsport-Weltrat der FIA in Paris mit dem Fall Renault beschäftigen. Bis dahin ist alles Spekulation. Vorverurteilungen sind jedenfalls nicht angebracht: "Die Tatsache, dass der Weltrat einberufen wurde, bedeutet nicht, dass Renault schuldig ist", hält Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone fest. "Es bedeutet lediglich, dass man herausfinden will, was wirklich passiert ist."

Die Konsequenzen, falls Renault schuldig gesprochen werden sollte, gegen Artikel 151.c) des Internationalen Sportkodexes verstoßen zu haben, wären verheerend. Der Weltrat würde wohl keine Gnade walten lassen - sogar ein Ausschluss des Teams aus der Weltmeisterschaft könnte als Strafe in Frage kommen. Sollte es dazu kommen, würde Renault über einen Ausstieg aus der Formel 1 wohl zumindest nachdenken...

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