
Formel 1-Testfahrten Bahrain #2 | 03.03.2014
Analyse einer Farce: Was uns in Melbourne erwarten könnte…
Warum der GP von Australien eher wie ein Langstreckenrennen sein wird – komprimiert auf zwei Stunden. Gezählt werden dann Runden statt Sekunden…
Ein Internetgespräch mit Anna Lyse zu suchen (auf Facebook gibt es tatsächlich Unmengen von Frauen, die so „heißen“) wäre wohl weitaus sinnvoller, als eine ernsthafte Analyse der vergangenen Formel 1-Testfahrten zu versuchen…
Okay, zugegeben - ein miserabler Einstieg. Aber als solcher wiederum recht passend – denn auch bei den ersten Gehversuchen mit den neuen Formel 1-Boliden stand das Scheitern im Vordergrund. Das Scheitern auf hohem Niveau, könnte man sagen. Nur: Rauchen und nach Verschmortem stinken tun sie auch in der Königsklasse des Automobilrennsports, wenn zu viel Hitze auf zu wenig Raum stößt, um sich ausbreiten zu können.
Es ist eine Art „Supergau“: Eine derart schwierige Reglementeinführung hat es wohl noch nie in der Formel 1 gegeben. Probleme hatten sie alle – doch keiner hatte so viele wie Renault. Trotzdem ist eine seriöse Einschätzung von Kräfteverhältnissen diesmal einfach nicht möglich…
Schon eher lohnt sich ein Blick nach Melbourne, wo in zwei Wochen das erste Rennen der neuen Saison stattfinden wird. Es wäre schon eine große Überraschung, sollten dort in den freien Trainingseinheiten die Top 10-Piloten innerhalb einer Sekunde oder noch weniger liegen, wie das zuletzt üblich war. Es wäre auch keine Überraschung, sollten manche Piloten in einer Sitzung gar keine gültige Rundenzeit produzieren können. Das Ziel muss also sein, zumindest in einem der freien Trainings eine halbwegs passable Rundenzeit markieren zu können, welche unter der 107 Prozent-Marke liegt - damit die Stewards im Falle eines Scheiterns im Qualifying eine Starterlaubnis erteilen können.
Bereits an derartigen Mindestanforderungen scheitern könnten die Lotus-Piloten. Sie zahlen dafür, dass sie den Jerez-Test „geschwänzt“ haben, einen hohen Preis. Denn diesmal waren auch die vollen zwölf Testtage einfach zu wenig. Beide Lotus fuhren in der letzten Testwoche insgesamt so viele Runden wie Fernando Alonso am letzten Tag.
Immerhin: Endlich stehen die Motoren wieder im Vordergrund, die Hersteller haben dafür schließlich Millionen in ihre neuen Turbomotoren investiert. Herausgekommen ist eine simple Hackordnung: Mercedes hat die Hausaufgaben am besten gelöst, Renault am schlechtesten. Von den Mercedes-Teams lagen zuletzt das Werksteam und Williams ganz vorne, auch Force India konnte vorne mitmischen, während das zunächst starke McLaren-Team ein wenig zurückfiel.
Ein Fragezeichen ist Ferrari: Laut den gewöhnlich gut informierten Kollegen von Auto, Motor und Sport haben die Italiener geblufft: Beim Studium der Rundenprotokolle fiel auf, dass nach einer Sektorenbestzeit garantiert langsamere Sektoren gefahren wurden – laut AMS hat es Ferrari vermieden, die optimale Performance auf einer Runde zu zeigen. Zuletzt betrug der Rückstand eine Sekunde…
Eines ist sicher: Das Weltmeisterteam Red Bull Racing wird in Melbourne ganz sicher nicht dominieren. Allerdings sollte man diese Truppe niemals unterschätzen. Doch ein bisschen Abwechslung tut der Formel 1 gut. Und die wird mit Sicherheit kommen…
Der erste Grand Prix der neuen Saison wird wohl nichts mit dem zu tun haben, was man in den letzten Jahren gewöhnt war. Keine Zweikämpfe, keine Rad-an-Rad-Duelle – das Ganze wird wohl eher den Charakter eines Laufs zur Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) haben.
Die Abstände zwischen den Autos werden groß sein. Entscheiden wird das Timing der Boxenstopps. Wie in der WEC wird es wohl auch vorkommen, dass Autos über viele Runden hinweg in der Box stehen – um dann die Fahrt fortzusetzen, weil jeder Kilometer kostbar ist.
Extreme Schwarzmaler würden sagen: In Down Under werden keine Zehntel- oder gar Hundertstelsekunden, sondern Runden gezählt. In der WEC müssen die LMP1-Piloten oftmals langsamere LMP2- oder GT-Fahrzeuge überholen – und sogar das könnte es in Melbourne geben: Von der bislang gezeigten Performance verhält sich der Lotus-Renault vergleichsweise wie ein LMP2 zu einem LMP1, mit Rückständen zwischen fünf bis sieben Sekunden, auf einer Runde von fünf Kilometern…
Langweilig wird der Grand Prix von Australien trotzdem ganz sicher nicht werden – doch es wird anders sein, anders als bisher. Man darf hoffen, dass spätestens ab der Saisonmitte wieder richtiges Sprint-Racing mit Windschatten- respektive DRS-Schlachten möglich sein wird. Bis dahin werden diejenigen Punkte abräumen, die es ins Ziel schaffen…
Zusammengefasste Zeiten Testwoche Bahrain #2
Pos Fahrer Team Zeit/Rückstand Rd Reifen* 1. Massa Williams-Mercedes 1:33.258 202 SS 2. Hamilton Mercedes + 0.020 159 SS 3. Rosberg Mercedes + 0.226 192 SS 4. Bottas Williams-Mercedes + 0.729 236 S 5. Alonso Ferrari + 1.022 196 SS 6. Perez Force India-Mercedes + 2.032 213 S 7. Räikkönen Ferrari + 2.168 141 SS 8. Hülkenberg Force India-Mercedes + 2.319 189 SS 9. Vergne Toro Rosso-Renault + 2.443 135 SS 10. Ricciardo RBR-Renault + 2.485 105 S 11. Magnussen McLaren-Mercedes + 2.636 197 S 12. Kvyat Toro Rosso-Renault + 2.855 136 SS 13. Sutil Sauber-Ferrari + 3.209 181 SS 14. Chilton Marussia-Ferrari + 3.577 105 SS 15. Button McLaren-Mercedes + 3.643 74 M 16. Bianchi Marussia-Ferrari + 3.829 153 SS 17. Gutierrez Sauber-Ferrari + 4.045 192 SS 18. Vettel RBR-Renault + 4.210 78 S 19. Ericsson Caterham-Renault + 4.825 172 SS 20. Kobayashi Caterham-Renault + 5.133 125 S 21. Grosjean Lotus-Renault + 6.044 65 S 22. Maldonado Lotus-Renault + 7.341 62 M *M=Medium, S=Soft, SS=Supersoft