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DTM-Auftakt vor leeren Rängen? Kurz vor dem Start: Das Faninteresse hielt sich in Portimao in Grenzen
Sven Haidinger

DTM-Auftakt vor leeren Rängen: Wer profitiert vom Portimao-Wochenende?

Obwohl die DTM den Saisonauftakt in Zukunft wieder in Deutschland abhalten will, war der DTM-Auftakt in Portugal für die Beteiligten kein Reinfall: Die Hintergründe

Die DTM lieferte dieses Jahr mit 29 Fahrzeugen einen Saisonstart der Superlative - doch er fand vor leeren Rängen statt: Ein Blick auf die Haupttribüne vor den beiden Rennen zeigte weniger als 1.000 Fans. Angeblich wurden insgesamt 4.000 Tickets verkauft, doch viele im Fahrerlager hatten den Eindruck, dass weniger Zuschauer vor Ort waren.

War es also ein Fehler, weit weg vom DTM-Kernpublikum in die Saison zu starten? "Wir wussten, dass wir wenig Zuschauer haben werden", sagt DTM-Boss Gerhard Berger in einem Interview auf dem YouTube-Kanal von Motorsport-Total.com. Und erklärt, wie es zur Veranstaltung kam.

"Erstens würden wir uns gern international ein bisschen ausbreiten", argumentiert er. Zweites habe man den Kalender im Vorjahr "mitten in der Corona-Zeit gemacht. Wir haben uns gefragt: Wo wird es schnell warm? Wo können wir früh in die Saison starten, damit wir eine Sommerpause machen können?"

Ticketverkauf in Portimao nicht entscheidend

Und dann habe der Streckenbesitzer des Autodromo Internacional do Algarve "auch noch einen wirtschaftlich akzeptablen Deal vorgeschlagen", erklärt Berger, der offenbart, dass man aktuell überlege, den Saisonstart in Zukunft wieder in Deutschland auszutragen.

Laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' war aber der Vertrag der DTM-Dachorganisation ITR mit der spektakulären Berg-und-Talbahn im Niemandsland der Algarve tatsächlich so attraktiv, dass man nicht auf den Ticketverkauf angewiesen war. Auch wenn man sich schon erhofft hatte, über 10.000 Tickets zu verkaufen.

Was der Portimao-Kurs vom DTM-Deal hat

Aber wie verdient der Streckenbesitzer mit so einer Veranstaltung Geld? Auf dem direktem Wege gar nicht, aber nach dem Verlust des Formel-1-Rennens benötigte die hervorragend ausgestattete Anlage dringend Top-Motorsportserien, um den Kurs in Gespräch zu halten. Neben der DTM gibt es für 2022 Verträge mit der MotoGP, der Superbike-WM und der ELMS.

Durch diese medial präsenten Events soll die Strecke bei privaten Interessenten an Attraktivität gewinnen, die den Kurs für Testfahrten und Veranstaltungen mieten wollen. Zudem absolvierten zahlreiche DTM-Teams als Vorbereitung auf den Saisonauftakt private Testfahrten in Portimao - auch das bringt Geld.

Kaum Werbung, schlechtes Timing

Dass beim DTM-Auftakt trotz des starken Starterfelds kaum Fans zur Strecke kamen, obwohl man auch die TCR Europe im Rahmenprogramm hatte, darf nicht verwundern. Im Süden Portugals gibt es kaum große Städte - zudem fand sich in der Region keinerlei Plakatwerbung für die Veranstaltung.

Zudem fand eine Woche vor der DTM in Portimao das MotoGP-Rennen statt, das deutlich mehr Strahlkraft hat, obwohl auch nicht mehr als 44.000 Zuschauer kamen. Und zeitgleich mit der DTM gastierte in Estoril unweit der Hauptstadt Lissabon durch den GT-Open-Saisonauftakt eine weitere GT3-Serie.

Wie es zu dieser unglücklichen Planung kam? Ursprünglich war es von der ITR angedacht gewesen, die Veranstaltungen zusammenzulegen, doch das ließ sich nicht umsetzen, da es sonst im Fahrerlager und in den Boxen zu eng geworden wäre, zumal in der GT-Open-Serie auch noch nachgetankt wird.

Berger: Warum sich die DTM im Süden schwer tut

Außerdem war Südeuropa für die DTM schon in der Vergangenheit eine harte Nuss. Auch dieses Jahr läuft der Ticketverkauf in Imola schleppend, während man bei der ITR mit dem Vorverkauf für die Rennen in Deutschland und den angrenzenden Ländern zufrieden ist. "Wir sind schön langsam wieder zurück - nicht auf dem Niveau von 2019, aber dazwischen", so Berger.

Berger hat für die Südeuropa-Schwäche eine Theorie: "Erstens ist die Kaufkraft in so einem Land im Vergleich zu anderen nicht die gleiche", spielt Berger auf den größeren Wohlstand in Nordeuropa an. "Zweitens sind das Motorrad-Länder, wobei die Frage ist, warum es sogar bei der MotoGP bei weitem nicht voll war."

Wir haben DTM-Boss Berger die Frage gestellt, ob sich Portugal damit für die DTM erledigt hat oder ob eine Rückkehr geplant ist. Die Antwort erfahren Sie in einem exklusiven Videointerview, das seit Dienstag auf dem YouTube-Kanal von Motorsport-Total.com in voller Länge gesehen werden kann.

Darin kontert Berger auch die BoP-Kritik von SSR-Performance-Chef Stefan Schlund und offenbart, welche ehemaligen Formel-1-Stars in der DTM anklopfen .

Motorsport-Total.com

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