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DTM Spielberg: Rennen 1 Kelvin van der Linde gewann erstmals seit fast zwei Jahren ein DTM-Rennen
Alexander Trienitz

Kelvin van der Linde beendet Durststrecke: Mit "Altreifen" zum Sieg

721 Tage nach seinem letzten Sieg gewinnt Kelvin van der Linde das Samstagsrennen der DTM in Spielberg: Ein Schlüssel zum Sieg war ein Fehler im Qualifying

Seit seinem Triumph am 2. Oktober 2021 auf dem Hockenheimring musste Kelvin van der Linde auf einen Sieg in der DTM warten. Am Samstag endete die Durststrecke des Abt-Audi-Piloten auf dem Red-Bull-Ring bei Spielberg nach 721 Tagen. Van der Linde gewann ein turbulentes Rennen, das auf nasser Strecke begann und dann immer mehr abtrocknete.

Der Schlüssel zum Sieg war für den Südafrikaner ein Fehler im Qualifying, wie van der Linde nach dem Rennen im Gespräch mit Motorsport-Total.com erklärt. "Wir sind zu Beginn des Qualifyings mit Slicks rausgefahren", so van der Linde. Das erwies sich am Vormittag als Fehler, denn auf der feuchten und kalten Strecke funktionierten die Trockenreifen nicht.

Im Rennen erwies sich der gebrauchte Satz beim Pflichtboxenstopp, als van der Linde von Regenreifen auf Slicks wechselte, als Volltreffer. "Sie waren nicht ganz neu, aber leicht angefahren. Für die Outlap macht das einen riesigen Unterschied, um auf Temperatur zu kommen, wie man zwischen mir, Maro [Engel] und Laurin [Heinrich] gesehen hat."

Heinrich vom Vorteil des angefahrenen Reifens überrascht

Tatsächlich gelang es van der Linde nach dem Boxenstopp relativ leicht, Polesetter Heinrich, der das Rennen im ersten Stint angeführt hatte, zu überholen. Dazu trug nicht nur bei, dass van der Linde eine Runde vor Heinrich gestoppt hatte. Sondern auch die Tatsache, dass der Porsche-Pilot keinen angefahrenen Reifensatz hatte.

"Wir hatten keinen angefahrenen Satz, weil wir das ganze Qualifying auf Regenreifen gefahren sind", berichtet Heinrich. "Mit dem neuen Satz war es schwierig, erst diesen rutschigen Film von den Reifen zu bekommen und sie dann zu aktivieren. Ich hätte nicht erwartet, dass diese zwei, drei Runden auf Slicks so einen Unterschied machen."

Weniger überrascht war hingegen Abt-Sportdirektor Martin Tomczky. "Wir wissen, dass es bei diesen Bedingungen, wenn es so halb-halb ist, du dich mit neuen [Reifen] wahnsinnig schwierig tust. Sie sind von der Performance her vielleicht über die Distanz schneller, aber es muss immer alles zusammenpassen", so Tomczyk im Gespräch mit Motorsport-Total.com.

Undercut am Samstag das Erfolgsrezept

Dabei sah es zu Beginn des Rennens gar nicht danach aus, als würde van der Lindes Serie siegloser Rennen heute in Spielberg enden, denn in der ersten Runde fiel er von Startplatz zwei auf Rang fünf zurück.

"Der Start war schwierig. Wir haben darauf gesetzt, dass die Strecke schnell abtrocknet und sind deshalb mit niedrigem Reifendruck gefahren. Die Jungs um mich herum hatten zu Beginn des Rennens wahrscheinlich wärmere Reifen", erklärt van der Linde. "Aber ich bin ruhig geblieben, denn ich wusste, dass unsere Zeit kommen würde und wir am Ende des Stints wahrscheinlich aufholen würden."

Und so kam es auch. Dennoch glaubte der Abt-Pilot zu diesem Zeitpunkt nicht daran, den führenden Heinrich noch einholen zu können. "Laurin war im ersten Stint sehr schnell unterwegs. Nichts deutete darauf hin, dass ich das Rennen gewinnen würde", so van der Linde. Doch dann setzte er gemeinsam mit seinem Team auf die Karte Undercut und kam in Runde 20 als erster Fahrer der Spitzengruppe an die Box.

Erster Sieg eines Audi R8 auf dem Red-Bull-Ring

"Vor dem Stopp habe ich zu den Jungs gesagt: Lasst es uns riskieren! Wir sind als erste aus der Spitzengruppe reingekommen und das hat heute den Unterschied gemacht", so van der Linde, der aber auch einräumt: "Wir haben in der Meisterschaft nichts zu verlieren und in solchen Rennen ist es ein Vorteil, wenn man etwas riskieren kann.

Auch für Heinrich war der Zeitpunkt des Boxenstopps entscheidend für den Rennausgang. "Wir sind etwas zu spät an die Box gekommen", sagt der Pilot aus dem Team von Timo Bernhard, der eine Runde nach van der Linde zum Reifenwechsel kam. "Wäre es ein Carrera-Cup-Rennen gewesen, hätte ich gewonnen, aber leider gibt es einen Boxenstopp", scherzte der amtierende Meister des deutschen Porsche-Carrera-Cup.

Und so endete van der Lindes Durststrecke ausgerechnet auf dem Red-Bull-Ring, der bisher alles andere als eine Audi-Strecke war und auf dem die Autos mit den vier Ringen am Freitag noch hinterhergefahren waren.

Die Ursache für den plötzlichen Aufschwung auf der Strecke nahe Spielberg, auf der bisher weder in der DTM noch im ADAC GT Masters ein Audi R8 gewonnen hat, sieht van der Linde aber weniger in der BoP-Anpassung am Samstag als vielmehr in den wechselhaften Bedingungen. "Das war heute kein normales Rennen. Bei trockenen Bedingungen wäre es schwierig geworden."

Motorsport-Total.com

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