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Le Mans: Volle Action auf der Strecke

Bilderstarker Auftakt zum eigentlichen Rennen auf und neben der Strecke. Die ausgesprochen lange Zielgerade ist beim Countdown der eigentliche Place to be. Nach dem bekannten Le Mans Startablauf und der Einführungsrunde geht das Feld der 62 Boliden auf die 13,6 Kilometer lange Strecke. Hauen und Stechen in den ersten Stunden des Rennens zweimal rund um die Uhr.

Bernhard Schoke

Der eigentliche Auftakt am Nachmittag war für alle Beteiligten in Sachen Action auf der Strecke ausgesprochen vielversprechend:
Die äußeren Bedingungen – bedeckter Himmel, ständig drohende Schauer, leichtem Wind und Temperaturen zwischen 15 und 17 Grad. Prädestiniert für Reifenpoker – profillose Slicks, Intermediates oder Wet. Damit rückte die zuvor allgegenwärtige Balance of Performance, mit der man beispielsweise vor dem Saison-Highlight die beiden Toyota-HyperCars „eingebremst“ hatte, ein wenig in den Hintergrund. Aber auch nur ein wenig. Je nachdem wen man darauf ansprach, bekam man dazu natürlich unterschiedliches Feedback – in der gesamten Bandbreite. Man „hörte“, dass beispielsweise Ferrari dadurch Vorteile hätte.
Aber eben auch, dass die Italiener – die technische Zusammenarbeit mit dem Formel1 Team soll hier der relevante Faktor sein – durch ihr elektronisch gesteuertes Fahrwerk – vor allem an der Hinterachse im Vorteil sei (siehe motorline Berichterstattung der ersten beiden Le Mans Tage/technische Abnahme). Wobei andere einschränkten, dass dieses gerade bei Regen anfälliger für potentielle Störungen oder Ausfälle sein könnte.
Ob Vor- oder Nachteil – die wirklichen Möglichkeiten offenbarte die Hyperpole, die eigentlich relevanten Faktor - die Leistungsfähigkeit der Fahrer – nicht nur ausgesprochen deutlich unter Beweis stellten, sondern damit auch all jene richtig relativierte, die meinen die Balance of Performance sei der heilige Gral.
Denn:
Wie die wirklich aussagekräftigen Rundenzeiten gefahren werden – darin waren sich jetzt alle langjährigen Beobachter einig – werden immer noch von den Piloten gefahren, die sich auf ihren Job konzentrieren.

Im Mittelpunkt: Die Fahrer

Wer zuvor meinte aus den einzelnen Sektorenzeiten bereits erste Rückschlüsse ziehen zu können, und dann im Dialog, bei entsprechenden Nachfragen die Antwort bekam:
Viel zu einfach, das macht die Rennleitung auch, wurde nicht nur durch Kevin Estre eines Besseren belehrt.
Zwar hatten auch all jene quasi recht, die sich an die Schlüsselstellen der Strecke einerseits und den „Endpunkten“ der Sektoren andererseits postiert hatten.
Hier bekam man eher belastbares Einblicke, als auf diesbezügliche Fragestellungen – direkt oder „hintenrum“. Denn:
Das Verhalten der Piloten an diesen Stellen der Strecke brachte mehr erheblich mehr Feedback. Den Bremspunkt „einige Meter“ früher gewählt und schon hatte man das vorgesehene Ergebnis – die eigentlich mögliche Performance von Mensch und Material wurde verschleiert. Eine Strategie, wie die HyperPole Session am Donnerstagabend nachdrücklich offenbarte, auch “in die Hose“ gehen kann. Nämlich dann, wenn – siehe BMW – der Ritt auf der Rasierklinge im Kiesbett und den Reifenstapeln endet. Oder anders formuliert:
Der bekannte ganz besonders schmale Grad zwischen genialer Fahrzeugbeherrschung und kapitalem Abflug ….
Ob auch die für den weiteren Verlauf des Rennens definierten Strategien aufgehen – fraglich, denn von einer Vielzahl von Faktoren abhängig, insbesondere dem quasi allgegenwärtigen Hauen und Stechen der ersten Rennstunden mit den beinahe schon obligatorischen Slow Zones oder Full Course Yellow Phasen, die die Teams zur Änderung ihrer Taktiken nötigte und auch das Wetter zweimal mit einem Schauer im Bereich von den Porsche Kurven über Start-Ziel-Geraden bis zur Ausfahrt Tertre Rouge kurz eingriff.

Start frei

Bevor die französische Flagge, geschwenkt von ex-Fußballstar Zidane, das Rennen freigab, hatte der ACO eine Neuerung parat. Die Startaufstellung wurde deutlich verlängert – um gegen Sonder-Ticket – zusätzliche „Gäste“ auf die Start- und Ziel-Gerade zu bringen. Dazu mussten die Renner in der Mitte der Strecke aufgestellt werden, damit man sie quasi von vorn und hinten ansehen konnte. Erst nach dieser Zusatz-Umsatz-Idee nahmen die Renner die übliche Position an der Fast-Pitlane für den traditionellen Le Mans-Start ein. Und der verlief ausgesprochen ruhig, will sagen ohne Vorkommnisse. Aber bereits in der ersten Runde griff Ferrari den Porsche Pole Setter an und kam vorbei.
Der Auftakt für den Kampf um die Spitze.

Hauen und Stechen

Im weiteren Verlauf der ersten Stunden, insbesondere am frühen Abend zeigten sich dann die ersten Tendenzen. Beispielsweise, dass man bei Ferrari offensichtlich alles daran setzt, den letztjährigen Erfolg zu wiederholen. An der Spitze kämpfen die Ferraris mit den Werks-Porsche um die Führung, die je nach Boxenstopp-Strategie entsprechend wechselt. Dahinter Toyota und Cadillac. BMW und Peugeot fahren derzeit „hinterher“. Nach rund vier Stunden haben sich die Japaner nach einer „zurückhaltenden Startphase“ auf die Positionen zwei und drei – „eingerahmt von den Ferraris“ – vorgearbeitet.
Im weiteren Verlauf des Abends und den ersten Nachtstunden setzte sich der knappe Kampf um die Spitze fort. Mit den Boxenstopps wechselt die Führung hin und her – teilweise auch als Ferrari-Doppelspitze.
Was gab es sonst noch zu berichten: Ferdinand Habsburg strandete 20:45 Uhr – mit Rauchzeichen, einem eindeutigen Motorschaden zwischen Indianapolis und Arnage und rollte in der bekannten 90 Grad Rechtskurve aus.
Wiederholt einsetzender leichter Regen, insbesondere zu Beginn der Nacht machte die Strecke ausgesprochen rutschig. Oder wie es Alexander Matschull ausdrückte: Jetzt merkt man im Auto selbst ganz leichte Richtungsänderungen die man im Trockenen überhaupt nicht registriert – das Heck drängt ständig nach außen – man ist ständig am Korrigieren.
Dann war es auch nicht weiter verwunderlich, dass roundabout 23.00 Uhr das gesamte Feld hinter den Safety Cars unterwegs war, damit die notwendig Aufräum- und Reparaturarbeiten auf bzw. an der Strecke ohne Probleme für die damit Beschäftigten abgewickelt werden konnten. Als dann vor Mitternacht die Strecke wieder frei gegeben wurde, zeigten die Monitore folgende Reifenfolge:

Zwischenergebnisse kurz vor Mitternacht

HyperCars
1. AF Corse Ferrari (#83) Robert Kubica 109 Runden
2. Porsche Penske (#5) Frederic Makowiecki +7,481 Sek
3. Toyota Gazoo (#8) Ryo Hirakawa +8,532 Sek.
4. Ferrari AF Corse (#50) Nicklas Nielsen +2:33,732 min
5. Porsche Penske (#6) Laurens Vanthoor +4:05,121 min
6. Cadillac Racing (#2) Alex Lynn +4:08,882 min

LMP2
1. Cool Racing (#37) Malthe Jakobsen 103 Runden
2. United Autosport (#22) Bijoy Garg 102 Runden
3.Vector Sport (#10) Stephane Richelmi +13,436 Sek.
4. Nielsen Racing (#24) David Heinemeier +2:41,334 Min.
5. AO by TF (#14) Louis Deletraz +4:13,340 Min.
6. AF Corse (##183) Francois Perrodo +4:18,337 Min.

LMGT3
1. Manthey PureRxcing Joel Sturm 97 Runden
2. Team WRT Ahmad Al Harthy +8,075 Sek.
3. Akkodis ASP Team Jack Hawsworth +4:53,581 Min.
4. Iron Dames Michelle Gatting +4:57,853 Min.
5. JWM Motorsport Larry Tenforde +4:58,855 Min.
6. Proton Competition Dennis Olsen 96 Runden

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Der sympathische Österreicher ist seit vielen Jahren ein wesentlicher Bestandteil des Toyota Werkteams in Le Mans und der WEC. Er ist vom ersten bis zum letzten Tag vor Ort und ganz nah dran – die Verbindung zwischen Fahrern und allen Verantwortlichen, wie er im persönlichen Dialog mit dem Autor umfassend erläuterte. Im Zusammenspiel mit dem Team ermöglichte er zudem die optische Umsetzung.